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Irak-Krieg : Chinesische Medien begrüßen Wikileaks-Veröffentlichung

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Aus den öffentlich gewordenen Unterlagen geht hervor, dass die amerikanische Armee trotz ihres Wissens von Folterungen Gefangener durch irakische Sicherheitskräfte nicht einschritt Bild: dpa

In China haben Medien mit Genugtuung auf die Enthüllungen der geheimen Dokumente aus dem Irak-Krieg durch die Internetplattform „Wikileaks“ reagiert. Die Glaubwürdigkeit der Regierung in Washington als Verteidigerin der Menschenrechte sei dadurch befleckt, hieß es in der Zeitung „China Daily“ am Montag.

          Die geheimen Militärdokumente, die auf der Internetplattform Wikileaks veröffentlicht wurden, zeigen aus chinesischer Sicht amerikanische Menschenrechtsverletzungen. „Die Enthüllungen geben der Welt eine Gelegenheit, das wahre Gesicht des von den USA geführten Krieges im Irak zu sehen, das sonst vertuscht worden wäre“, schrieb die englischsprachige Tageszeitung „China Daily“ am Montag in einem Kommentar. Das Ausmaß der Verbrechen „sollte jeden rechtschaffenen Menschen empören“.

          „Es setzt wieder ein großes Fragezeichen hinter das von den USA selbst verbreitete Bild des Weltmeisters der Menschenrechte“, hieß es unter Hinweis auf die wiederholte Kritik der Vereinigten Staaten an der Menschenrechtslage in Entwicklungsländern. Dabei lehnten es die Vereinigten Staaten ab, „ihre eigenen, in den Wikileaks dokumentierten Menschenrechtsverletzungen aufzuklären oder wiedergutzumachen“.

          Golfkooperationsrat fordert Untersuchung

          Unterdessen hat der Golfkooperationsrat die Regierung in Washington aufgefordert, eine Untersuchung zu möglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuleiten. Die Vereinigten Staaten seien für „alle Übergriffe und Verbrechen ihrer Soldaten im Irak verantwortlich“, heißt es in einer Erklärung des Generalsekretärs des Golfkooperationsrates, Abdulrahman bin Hamad el Attija, aus der mehrere arabische Medien am Montag zitierten. Zum Golfkooperationsrat gehören Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate.

          Der Sprecher des britischen Premierministers David Cameron sagte am Montag in London, die Vorwürfe über die Misshandlungen von Gefangenen müssten untersucht werden. „Unsere Position ist eindeutig: Misshandlungen von Gefangenen darf es nicht geben, und wir werden den Vorwürfen natürlich nachgehen“, sagte der Sprecher. Am Sonntag hatte der stellvertretende Premierminister Nick Clegg die enthüllten Berichte als „schockierend“ und „schwerwiegend“ bezeichnet. Die Menschen erwarteten eine Reaktion der amerikanischen Regierung.

          Trotz vehementen Protests der amerikanischen Regierung hatte die Internetplattform Wikileaks am Samstag fast 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg veröffentlicht. Die Unterlagen stammen laut Wikileaks aus „einer Datenbank des Pentagon“ aus der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009. Darin seien „zahlreiche Fälle von Kriegsverbrechen“ belegt. Aus den Unterlagen geht unter anderem hervor, dass die amerikanische Armee trotz ihres Wissens von Folterungen von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte nicht einschritt.

          Ein Wikileaks-Sprecher wies am Montag den Vorwurf zurück, die Plattform sei antiamerikanisch. Vielen Wikileaks-Aktivisten lägen die Prinzipien und das Gedankengut der Verfassung der Vereinigten Staaten, die im ersten Zusatzartikel unter anderem die Meinungsfreiheit garantiert, „wirklich am Herzen“, sagte Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson der britischen BBC. Auch den Vorwurf, das Internetportal diene mit seinen Enthüllungen der Propaganda von Islamisten wies Hrafnsson als „völlig falsch“ zurück.

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