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Irak : Kein Kontakt zu Entführern der deutschen Ingenieure

  • Aktualisiert am

René B. bei der Firma Cryotec (2004), die Anlage ist für den Irak bestimmt Bild: Leipziger Volkszeitung/Klaus Peschel

Trotz intensiver Bemühungen haben weder die deutsche noch die irakische Regierung Kontakt zu den Entführern der zwei deutschen Ingenieure. Die deutsch-irakische Mittelstandvereinigung warnt davor, Mitarbeiter in den Irak zu entsenden. „Die Lage ist viel zu gefährlich.“

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          Trotz intensiver Bemühungen haben die deutsche und die irakische Regierung noch keinen Kontakt zu den Entführern zweier Deutscher im Irak. „Wir sind bemüht, im Augenblick an alle erreichbaren Informationen zu kommen“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Mittwoch in Berlin. Noch gebe es aber keinen Kontakt zu den Geiselnehmern. Der Krisenstab habe am Morgen abermals getagt, um das Schicksal der beiden deutschen Geiseln zu klären.

          Das irakische Innenministerium wies die Polizei in der Provinz Salaheddin an, sich um das Schicksal der Ingenieure aus Sachsen zu kümmern. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Polizei vor Ort habe den Befehl erhalten, „Ermittlungen aufzunehmen“.

          DIHK warnt wegen Sicherheitsbedenken

          Die beiden Deutschen waren am Dienstag auf ihrem Weg von einer bewachten Wohnsiedlung zu einer Fabrik im irakischen Baidschi nördlich von Bagdad verschleppt worden. Nach offiziellen Angaben hat sich bislang niemand zu der Entführung bekannt. Die Deutschen waren erst am Freitag im Irak angekommen und sollten bis zum heutigen Mittwoch in einem irakischen Unternehmen, das Reinigungsmittel herstellt, eine Produktionsanlage installieren.

          Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte Unternehmen davor, deutsche Mitarbeiter in den Irak zu schicken. „Es bietet sich nicht an, mit deutschen Mitarbeiten eine Niederlassung zu eröffnen“, sagte der Nahost-Experte des DIHK Jochen Clausnitzer. Momentan hätten 30 bis 40 deutsche Unternehmen eine Niederlassung im Irak.

          „Die Lage ist viel zu gefährlich“

          Auch die Deutsch-Irakische Mittelstandsvereinigung (Midan) riet deutschen Firmen dringend davon ab, zurzeit eigenes deutsches Personal vor Ort einzusetzen. „Die Lage ist viel zu gefährlich“, sagte Midan-Präsident Gelan Khulusi. Besser sei es, wirtschaftliche Kontakte mit irakischen Firmen über Deutschland zu knüpfen.

          Die Lebensgefährtin eines der Entführten sagte dem Sender N24, sie hoffe daß die Entführer den Vater ihres Sohnes am Leben ließen, „daß er einfach wieder nach Hause kommt“. Die Frau lebt mit dem Industriemechaniker René B. zusammen, von dem wie von seinem Kollegen Thomas N. jede Spur fehlt. Das Landeskriminalamt Sachsen betreut die Angehörigen der beiden entführten Leipziger. Die Namen der beiden Entführten sind bislang noch nicht offiziell bestätigt worden.

          FDP weist Medien-Kritik zurück

          Steinmeier bat die Medien am Rande einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses um eine „zurückhaltende Form“ der Berichterstattung, um die Bemühungen nicht zu erschweren. Er bat auch um eine Zurückhaltung gegenüber den Angehörigen.

          Die FDP wies Spekulationen zurück, die deutschen Medien trügen eine Mitverantwortung für die Entführung, weil sie über angebliches deutsches Lösegeld im Fall der früheren Geisel Susanne Osthoff berichtet hatten. Solche Medienschelte sei „vordemokratisches Gehabe“, sagte der außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Werner Hoyer. Eine solche Mitverantwortung der Medien hatte zuvor unter anderen Steinmeier angedeutet. (Siehe auch: Zwei Ingenieure aus Leipzig im Irak entführt)

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