https://www.faz.net/-gpf-8mh0w

Irak : Kampf um Mossul

Die irakische Armee rückt auf Mossul vor. Bild: AFP

Die Rückeroberung von Mossul könnte zur entscheidenden Schlacht gegen den IS im Irak werden. Eine Lektion haben die Machthaber in Bagdad hoffentlich gelernt.

          1 Min.

          Als die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Sommer 2014 Mossul eroberte, leistete die irakische Armee faktisch keinen Widerstand. Das war ein Fiasko sondergleichen, auch weil der IS so einen kaum zu überschätzenden Triumph erzielte, den es für seine Propaganda und zur Rekrutierung neuer Anhänger einsetzen konnte. In der zweitgrößten irakischen Stadt, von großer strategischer Bedeutung, rief er sein „Kalifat“ aus. Von Mossul aus startete er seinen Eroberungszug im Irak – jetzt, nach großen Gebietsverlusten, hat der Kampf um die Rückeroberung begonnen.

          Aus diesem Kampf, der zur entscheidenden Schlacht gegen die Dschihadisten im Irak und damit zu einem „Wendepunkt“ werden könnte, kann, darf und wird der IS nicht siegreich hervorgehen, selbst wenn es länger als „nur“ ein paar Wochen dauern sollte, bis über Mossul nicht mehr die schwarze Fahne der Terroristen wehen wird. Die irakische Armee ist heute allem Anschein nach in einer anderen Verfassung als vor zwei Jahren; die an der Rückeroberung beteiligten kurdischen Peschmerga, sind kampferprobt. Flugzeuge der internationalen Anti-IS-Koalition gewähren Luftunterstützung.

          Problematisch ist zweifellos die Rolle schiitischer Milizen, die bei früheren Befreiungsoperationen Verbrechen gegen die sunnitische Bevölkerung begangen haben (sollen). Damit ist auch schon angedeutet, wie komplex und heikel die Rückeroberung militärisch und politisch ist. Die Akteure, die daran beteiligt sind – irakische und nicht irakische – verfolgen jeweils ihre eigenen Interessen. Die beeinflussen Strategie und Taktik, vor allem nach der Vertreibung der letzten IS-Dschihadisten werden sie offen zutage treten.

          Eine Lektion haben die Machthaber in Bagdad hoffentlich gelernt. Sie sollten die mehrheitlich sunnitische Bevölkerung von Mossul nicht wie andernorts beiseitedrängen und von der Teilhabe am politischen Geschehen nicht mehr ausschließen. Dieser Ausschluss hatte schon früher fatale Konsequenzen, weil er IS-Milizen in den Augen vieler Sunniten als „Befreier“ erscheinen ließ – was sie nicht waren: Sie traten auf als Vollstrecker einer Ideologie des Todes. Nicht noch einmal darf man die Sunniten aufs Gleis des Extremismus schieben. Vorbereitet muss man allerdings noch auf etwas anderes sein: Wenn den Dschihadisten militärisch das Wasser bis zum Hals steht, werden sie wieder zum Terrorismus zurückkehren.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

          Weitere Themen

          Sputnik-V-Lieferung „in Ordnung" Video-Seite öffnen

          Slowakei : Sputnik-V-Lieferung „in Ordnung"

          Der Gesundheitsminister des Landes gab an, die Lieferung des russischen Impfstoffs von April sei in einem ungarischen Labor überprüft worden.

          Topmeldungen

          Nicht alle zahlen hohe Steuern: Passanten gehen auf der Bahnhofstraße durch die Innenstadt von Hannover.

          IW-Studie : Wer trägt welche Steuerlast?

          Allen Steuertarifkorrekturen zum Trotz: Auf die unteren 70 Prozent entfallen 21 Prozent der Einkommensteuer – wie schon 1998. Damit zahlen 30 Prozent aller Haushalte in Deutschland fast 80 Prozent dieser Abgabe.

          TV-Kritik: Anne Will : Laschet kann sie alle schaffen

          Will Armin Laschet Kanzler werden, muss er in die Offensive. Sein Stehvermögen zeigt er bei Anne Will. Nur Klimaaktivistin Luisa Neubauer liefert sich mit ihm einen starken Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.