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Eskalation im Irak : Amerikanisches Militär tötet ranghohen iranischen General

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Qassem Soleimani, der getötete Kommandeur der iranischen Al-Quds-Brigaden, bei einem Treffen in Teheran im September Bild: dpa

Dramatische Eskalation im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran: Das amerikanische Militär tötet bei einem Raketenangriff im Irak einen der mächtigsten Männer in Iran. Teherans Oberster Führer droht Amerika mit Rache.

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          Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran spitzt sich gefährlich zu. Nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen gezielten Angriff in Bagdad droht die oberste Führung in Teheran Amerika mit Vergeltung. „Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache“, schrieb Ajatollah Ali Chamenei am Freitag in einem Beileidsschreiben, das im iranischen Staatsfernsehen zitiert wurde. Die Eskalation löste international Furcht vor einem Krieg aus.

          Soleimani, der Kommandeur der iranischen Al-Quds-Brigaden, wurde am Donnerstag bei einem amerikanischen Raketenangriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Das Pentagon sprach von einem „Akt der Verteidigung“. Der Angriff sei auf Anweisung von Präsident Donald Trump erfolgt, um weitere Attacken auf amerikanische Kräfte zu verhindern. Soleimani habe an Plänen gearbeitet, um amerikanische Diplomaten und Einsatzkräfte im Irak und in der Region zu attackieren. Getötet wurde auch der stellvertretende Leiter der irakischen Volksmobilisierungskräfte, Abu Mahdi al-Muhandis, wie die Medienstelle der von Iran unterstützten Miliz erklärte.

          In Iran gab es am Freitag in fast allen Teilen des Landes spontane Kundgebungen gegen die Vereinigten Staaten. Die Botschaft in Bagdad rief ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise aus dem Irak auf. Als Reaktion auf die Lage im Nahen Osten zogen die Öl- und Goldpreise deutlich an, auf den Finanzmärkten weltweit breitete sich Unruhe aus. In den Vereinigten Staaten entbrannte eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des Angriffs. „Präsident Trump hat soeben eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen“, erklärte der frühere Vizepräsident und demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden.

          Die Bundesregierung rief zur Besonnenheit auf. „Es kommt gerade an diesem Punkt jetzt auf Deeskalation an“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Das amerikanische Vorgehen sei eine Reaktion auf eine ganze Reihe von Provokationen, für die Iran die Verantwortung trage. Auf Nachfrage vermied sie direkte Kritik am Vorgehen der amerikanischen Regierung.

          Der 62 Jahre alte Soleimani war der prominenteste Vertreter und das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Die Al-Quds-Brigaden gehören zu den Revolutionsgarden (IRGC), einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Soleimani tauchte sowohl im Irak als auch im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien immer wieder an der Seite schiitischer Milizen auf, die von Iran unterstützt werden.

          Der General und die Al-Quds-Brigaden seien verantwortlich für den Tod von Hunderten Amerikanern und Verbündeten, erklärte das Pentagon. Soleimani habe in den vergangenen Monaten Angriffe auf Stützpunkte von amerikanischen Verbündeten gesteuert und auch die gewaltsamen Proteste an der amerikanischen Botschaft in Bagdad gebilligt. Mit Soleimanis Tötung habe man Iran von weiteren Angriffen abhalten wollen.

          Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani kündigte Vergeltung an. „Zweifellos werden Iran und andere unabhängige Staaten dieses schreckliche Verbrechen der Vereinigten Staaten rächen“, erklärte Ruhani in einem Kondolenzschreiben. Diese feige Tat zeige die Verzweiflung der amerikanischen Nahostpolitik. Außenminister Mohammed Dschwad Zarif twitterte: „Die Ermordung General Soleimanis war extrem gefährlich und wird zu einer Eskalation der Krise führen.“

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu brach wegen der Lage im Irak seinen Besuch in Griechenland ab, um die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen, wie sein Büro am Freitag mitteilte. Der Regierungschef wäre planmäßig erst am Samstag nach Israel zurückgereist. Das Land befindet sich nach dem Vorfall im Irak in erhöhter Alarmbereitschaft. Israel und Iran sind Erzfeinde. Teheran hat in der Vergangenheit mit Vergeltungsschlägen gegen den amerikanischen Verbündeten Israel gedroht.

          Amerikanische Politiker debattierten in der Nacht zum Freitag über die Rechtmäßigkeit des Angriffs in Bagdad und seine möglichen Folgen. Die Demokraten werfen Trump vor, ohne Zustimmung des Kongresses gehandelt zu haben.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Donnerstag in Washington mit Blick auf die jüngsten gewaltsamen Proteste an der Botschaft in Bagdad erklärt, es gebe Hinweise, dass Iran oder dessen verbündete Kräfte weitere Attacken planen könnten. Falls es dazu kommen sollte, würde Amerika reagieren.

          Die Vereinigten Staaten und Iran sind seit langem in einen schweren Konflikt verwickelt. Washington ist aus dem Atomabkommen mit Iran ausgetreten und versucht die Wirtschaft des Landes, insbesondere den Finanz- und Energiesektor, abzuwürgen. Damit wollen die Vereinigten Staaten Iran zum Rückzug aus Nachbarländern bewegen. Die Amerikaner beschuldigen die Iraner außerdem, Terrorismus zu fördern. In den vergangenen Monaten stand der Konflikt zwischen beiden Ländern mehrfach vor einer militärischen Eskalation.

          Insbesondere der Irak ist seit längerem Schauplatz des Konflikts zwischen den Amerika und Iran. In dem Krisenland sind rund 5000 amerikanische Soldaten im Einsatz, die die irakische Armee im Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) unterstützen. Die als Volksmobilisierungskräfte bekannten irakischen Milizen wiederum pflegen enge Beziehungen zu Iran. Sie unterstehen offiziell Regierungschef Adel Abdel Mahdi, agieren aber weitestgehend unabhängig und besitzen auch starken politischen Einfluss. Die Schiitenmilizen waren im Kampf gegen den IS engagiert.

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          Am vergangenen Wochenende war es zur bislang gefährlichsten Eskalation gekommen, als die amerikanische Armee die irakische Miliz Kataib Hizbullah bombardierte. Washington beschuldigte die Milizen, mehrfach amerikanische Soldaten und amerikanische Bürger im Irak angegriffen zu haben.

          Als Reaktion auf den Angriff waren am Dienstag Hunderte Demonstranten in Bagdads besonders gesicherte Grüne Zone eingedrungen, um die amerikanische Botschaft zu stürmen. Zur Abschreckung verstärkten die Vereinigten Staaten ihre Militärpräsenz in der Region. Washington macht Iran für die Proteste verantwortlich. Teheran wies den Vorwurf vehement zurück.

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