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Irak : Geköpfter Amerikaner: Familie gibt Regierung Mitschuld

  • Aktualisiert am

Der Amerikaner Nick Berg und seine Entführer Bild: REUTERS

Offenbar als Reaktion auf die Folterung irakischer Gefangener ist ein entführter Amerikaner vor laufender Kamera enthauptet worden. Für die Tötung soll eine Gruppe verantwortlich sein, die Al Qaida nahesteht.

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          Im Irak ist ein entführter Amerikaner nach amerikanischen Medienberichten vor laufender Kamera von islamischen Terroristen enthauptet worden.

          Bilder der angeblichen Ermordung waren nach einem Bericht des Nachrichtensender CNN vom Dienstag auf einer mit Al Qaida im Zusammenhang stehenden Webseite zu sehen. Der amerikanische Bürger, dessen Name mit Nicholas Berg angegeben wurde, sei bereits am Samstag tot in Bagdad gefunden worden. Er stamme aus Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania.

          Reaktion auf die Folterungen

          Für die Tötung soll laut CNN eine Gruppe verantwortlich sein, die dem Terrornetzwerk Al Qaida nahesteht. Der Titel des Videos laute: „Abu Mussab al Zarqawi beim Abschlachten eines Amerikaners“. Die Ermordung der Geisel sei eine Reaktion auf die Folterungen irakischer Gefangener durch amerikanische Militärs im Gefängnis von Abu Ghoreib, heiße es in einer Erklärung, die einer der Täter verlese.

          Der Jordanier Zarqawi wird von den Vereinigten Staaten für zahlreiche Anschläge im Irak verantwortlich gemacht. Die amerikanischen Behörden haben ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. In Deutschland wird Zarqawi von der Bundesanwaltschaft als Rädelsführer der Terrorgruppe Al Tawhid gesucht.

          Die Nachricht von der Enthauptung hat in den Vereinigten Staaten Entsetzen hervorgerufen. Die Bluttat und ihre Schaustellung im Internet habe den Senat in einen Schock versetzt, sagte Senator John Warner am Dienstag in Washington. Damit bestätige sich die Sorge, daß die Mißhandlung von Häftlingen in amerikanischer Haft zu Racheakten führen könnte.

          Folterverdacht in Afghanistan

          Unterdessen ermittelt das amerikanische Militär in Afghanistan wegen des Verdachts auf die Mißhandlung eines afghanischen Polizeioffiziers auf einem amerikanischen Militärstützpunkt. Das teilte die amerikanische Botschaft am Mittwoch in Kabul mit. Es gebe Anschuldigungen, daß der Offizier auf dem Stützpunkt im Osten Afghanistans entkleidet, getreten und nackt fotografiert wurde.

          Vorwürfe der Familie

          Im Fall des enthaupteten Amerikaners kündigte die amerikanische Regierung die unnachgiebige Verfolgung der Täter an. „Mit unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei der Familie“ des Opfers, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Diese warf den Streitkräften und der Regierung von Präsident Bush jedoch vor, eine Mitschuld am Tod des Sechsundzwanzigjährigen zu tragen.

          Dessen Vater Michael Berg sagte am Dienstag, sein Sohn hätte längst wieder in Amerika sein können, wenn er nicht an einer Kontrollstelle in Mossul von irakischen Polizisten festgenommen und dann 13 Tage in amerikanischem Gewahrsam gewesen wäre. Erst nach einer Klage der Familie vor einem Gericht in Pennsylvania wurde Berg am 6. April freigelassen.

          Zuletzt hörte die Familie am 9. April von ihrem Sohn, der als Geschäftsmann in Irak war und dort Antennenanlagen reparierte. Nick Berg sagte damals, er werde über Jordanien in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Am vergangenen Samstag wurde seine enthauptete Leiche an einer Landstraße bei Bagdad gefunden.

          „Kein Respekt vor Unschuldigen“

          Die Familie war bereits davon unterrichtet, als am Dienstag Bilder von der Enthauptung auf einer Web-Site islamischer Extremisten gezeigt wurden. Diese Bilder zeigten die wahre Natur der Feinde der Freiheit, sagte Regierungssprecher McClellan. „Sie haben keinen Respekt vor dem Leben unschuldiger Männer, Frauen und Kinder“, erklärte er in Little Rock am Rande eines Wahlkampfauftritts von Präsident Bush.

          Der Generalmajor Antonio Taguba sagte am Dienstag bei einer Anhörung in Washington, die amerikanische Armee habe keinen Beweis für systematische Mißhandlungen in dem Militärgefängnis Abu Ghraib gefunden. Der Skandal sei auf ein Versagen der Führungsstrukturen in der Armee zurückzuführen. Er habe auch keinen Beweis dafür gefunden, daß die Mißhandlungen befohlen worden seien. Taguba prangerte bei seiner Anhörung im Senat mangelnde Disziplin, fehlende Ausbildung und nicht vorhandene Aufsicht der Soldaten und Militärpolizisten an. Taguba hatte die Vorgänge im Februar untersucht und die Mißhandlungen in einem Bericht dokumentiert.

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