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Irak : Bischof wieder in Freiheit - Anschlag auf Schiiten

  • Aktualisiert am

Wieder in Freiheit: Bischof Casmoussa Bild: dpa/dpaweb

Knapp 24 Stunden nach seiner Entführung im irakischen Mossul ist Bischof Casmoussa wieder auf freiem Fuß. Der Vatikan dementiert die Zahlung eines Lösegeldes. In Bagdad geriet ein Büro der Schiiten-Partei Sciri ins Visier des Terrors.

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          Knapp 24 Stunden nach seiner Entführung ist der irakische Bischof Basile Georges Casmoussa wieder auf freien Fuß. Die unbekannten Entführer hätten ihn ohne Zahlung von Lösegeld freigelassen, berichtete die katholische Missionsagentur Misna am Dienstag.

          Zuvor sollen die Entführer 200.000 Dollar Lösegeld gefordert haben. Die Täter hatten das 66 Jahre alte Oberhaupt der mit Rom verbundenen syrisch-katholischen Kirche im Irak am Montag in der Stadt Mossul in ihre Gewalt gebracht. Der Bischof war von bewaffneten Männern vor seiner Kirche in ein Auto gezwungen und verschleppt worden.

          Der Vatikan verurteilte in einer Erklärung die Entführung scharf und sprach von einer terroristischen Tat. In der Umgebung von Mossul leben mehrere zehntausend Christen. Ihr Anteil an der gesamten irakischen Bevölkerung liegt bei drei Prozent.

          Gespenstische Szene, aber gewohntes Bild: nach dem Anschlag in Bagdad

          Anschlag in Bagdad

          Am Dienstag morgen sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in Bagdad vor dem Büro der Schiiten-Partei Sciri in die Luft und riß einen Menschen mit in den Tod gerissen. Sieben Menschen wurden bei der Explosion des Autos verletzt, wie die Polizei mitteilte.

          Ein Sprecher der Partei, des Obersten Rats für die Islamische Revolution im Irak (Sciri) sagte, Wachleute vor dem Gebäude hätten kurz vor der Detonation das Feuer auf den Attentäter eröffnet. Bei dem Todesopfer handele es sich um einen Wachmann.

          Die während der Herrschaft des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein unterdrückten Schiiten machen rund 60 Prozent der Bevölkerung aus. Die Sunniten fürchten, nach den Wahlen an Einfluß zu verlieren. Der Widerstand gegen die Übergangsregierung wird vor allem von Sunniten getragen.

          Im vergangenen Monat waren bei einem Bombenanschlag auf die Sciri-Zentrale in der irakischen Hauptstadt mehrere Menschen getötet worden. Bei zwei Anschlägen in den den Schiiten heiligen Städten Nadschaf und Kerbela wurden fast 70 Menschen getötet. Auch auf Anhänger des einflußreichen schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali al-Sistani wurden Anschläge verübt..

          Auslandsiraker registrieren sich für Wahlen

          Am Montag konnten sich für die Wahlen am 30. Januar in 14 Staaten die etwa 1,2 Millionen Iraker im Ausland registrieren lassen; im Irak gibt es nach offiziellen Angaben 15,2 Millionen Wahlberechtigte. Eine halbe Million Iraker lebt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Syrien und 360.000 in Jordanien. In Europa halten sich die meisten Auslandsiraker 250.000 in Großbritannien auf, in Deutschland sind es 75.000; die IOM organisiert die Wahlen im Ausland.

          In Deutschland können Iraker sich in Wahllokalen in Berlin, München, Köln und Mannheim registrieren lassen und dort später auch wählen. Die Registrierung ist bis zum 23. Januar möglich. Zwischen dem 28. und dem 30. Januar können dann irakische Wähler ihre Stimme abgeben, die vor dem 31. Dezember 1986 geboren sein müssen und ihre irakische Staatsangehörigkeit mit zwei Dokumenten nachweisen können.

          „Keine Koalitionsstreitkräfte in den Wahllokalen“

          Im Irak wurden weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Gefahr von Anschlägen zu verringern. So hatte die Terrorgruppe „Islamische Armee im Irak“ am Montag im Internet alle Wähler zu „Ungläubigen“ erklärt, die es zu bekämpfen gelte. Die Hauptlast beim Schutz der Wahllokale tragen die irakischen Sicherheitskräfte, die erst im Aufbau begriffen sind. „Sie werden keine Koalitionsstreitkräfte in den Wahllokalen sehen“, sagte der amerikanische Kommandeur im Irak, General Casey.

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