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Irak : Bagdad kommt nicht zur Ruhe

  • Aktualisiert am

Iraks Soldaten auf Patrouille Bild: REUTERS

Zehntausende Soldaten sind im Einsatz, aber trotzdem werden aus Bagdad wieder Schießereien und Bombenexplosionen gemeldet. George W. Bush will Iraks Ölproduktion ankurbeln. Italien beginnt mit dem Truppenabzug.

          Trotz des angekündigten Großeinsatzes Zehntausender Soldaten in Bagdad ist es am Mittwoch in der irakischen Hauptstadt erneut zu Schießereien und Anschlägen gekommen. Im Stadtteil Adhamija lieferten sich Aufständische ein Feuergefecht mit Sicherheitskräften. Im Norden der Hauptstadt wurden bei einer Bombenexplosion zwei Menschen getötet.

          Nach der Rückkehr von seinem Irakbesuch kündigte der amerikanische Präsident George W. Bush in Washington derweil an, dem Land bei der Ausbildung spezieller Teams für schnelle Reparaturen an beschädigten Öl-Pipelines zu helfen. Zudem regte Bush einen Treuhänderfonds an, durch den das irakische Volk stärker am Öl-Reichtum des Landes beteiligt werden solle. Italien hat unterdessen damit begonnen, seine Armee aus dem Irak abzuziehen.

          Straßensperren, Panzer, Schußwechsel

          Zu Beginn der Offensive gegen Extremisten der Al-Qaida, an der sich bis zu 40.000 irakische und amerikanische Soldaten beteiligen sollten, errichteten Sicherheitskräfte zusätzliche Straßensperren. Auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge waren im Einsatz.

          Sicherheitspersonal bei einem schiitischen Schrein

          Mit Steinen und Baumstämmen blockierten Bewaffnete in der Sunniten-Hochburg Adhamija mehrere Straßen. Es kam zu Schußwechseln mit irakischen Soldaten. Zivilisten flohen aus der Gegend. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Fünf irakische Panzer fuhren auf. Am Vortag hatte Bush bei einem Überraschungsbesuch in Bagdad die irakische Regierung zum entschlossenen Handeln aufgerufen (siehe auch: Bush überraschend im Irak).

          Angriff auf Irans Botschaft

          In der südirakischen Ölstadt Basra griffen Demonstranten die iranische Botschaft an. Hunderte Menschen skandierten Parolen gegen einen iranischen Fernsehsender und warfen ihm vor, einen schiitischen Geistlichen im Irak beleidigt zu haben. Sie forderten von Iran, in dem hauptsächlich Schiiten leben, eine Entschuldigung.

          Unterstützt von Panzern und Militärfahrzeugen wollen die irakische Regierung und die amerikanische Armee mit verstärkten Patrouillen den Druck auf die irakische Al-Qaida-Organisation nach dem Tod ihres Chefs Abu Musab al Zarqawi erhöhen. Die amerikanische Armee hielt sich zurück. Ähnliche Einsätze wie die neue „Forward Together“ genannte Operation gegen Aufständische hatten in der Vergangenheit wenig Erfolg in dem Bemühen, die Gewalt zu beenden.

          Ölförderung drastisch gesunken

          Zurück in den Vereinigte Staaten kündigte Bush die Bildung besondere Reparaturteams aus, um Schäden an irakischen Öl-Anlagen möglichst schnell beseitigen zu können. Durch die gemeinsam von den Vereinigte Staaten und dem Irak gebildeten Mannschaften werde die Öl- und Strom-Produktion im Falle von Anschlägen rasch wiederhergestellt, sagte Bush.

          Zudem schlug er der irakischen Regierung einen Treuhänderfonds vor, um das irakische Volk an den Gewinnen aus dem Ölgeschäft teilhaben zu lassen. Es sei jedoch die Entscheidung der irakischen Regierung, was mit den Ölvorkommen gemacht werden solle. Seit dem Einmarsch der von den Vereinigten Staaten angeführten Truppen ging die Ölförderung auf täglich 1,9 Millionen Barrel von einst 2,6 Millionen Barrel zurück.

          Italien beginnt Truppenabzug

          Unterdessen hat Italien drei Wochen nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Romano Prodi am Mittwoch mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak begonnen. Bis Ende Juni sollen von den einst 3.200 Soldaten nur noch 1.600 im Irak stationiert sein, berichtete das staatliche Fernsehen zum Beginn eines Brigade-Austauschs im südirakischen Nassirija.

          Bereits in den nächsten Monaten, spätestens bis Jahresende kommen alle Soldaten nach Hause, sagte Außenminister Massimo D'Alema im Parlament in Rom. Der Schritt sei mit Bagdad und den Vereinigten Staaten besprochen. „Es wird keinen ungeordneten Rückzug geben“, sagte D'Alema am Abend.

          Prodis Wahlkampfversprechen

          Damit wird die von den Vereinigten Staaten geführten „Koalition der Willigen“ immer kleiner: Schon 2004 verließen mehr als 1.300 Spanier das Land, ein Jahr später ebenfalls 1.300 Niederländer. Auch die 1.650 Soldaten aus der Ukraine zogen ab, hinzu kamen kleineren Kontingente etwa aus Nicaragua, den Philippinen und Honduras. Andere Länder wie Großbritannien und Südkorea verringerten die Zahl der Soldaten.

          Italien stellte hinter den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Südkorea das viertgrößte Kontingent der zeitweise 138.000 ausländischen Soldaten im Irak. Nach dem Golfkrieg vor drei Jahren waren zunächst 3.200 italienische Soldaten im Irak. Das Ende der Mission „Antikes Babylon“ war ein zentrales Versprechen Prodis im Wahlkampf gegen Silvio Berlusconi.

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