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Reaktionen auf Klimabericht : „Muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein“

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„Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend“: UN-Generalsekretär António Guterres (hier am 2. Juli in Madrid) ruft die politischen Entscheidungsträger zur Verantwortung. Bild: dpa

Mit Blick auf den jüngsten Bericht des Weltklimarates fordert UN-Generalsekretär Guterres das Aus für fossile Brennstoffe. Der deutsche Entwicklungsminister Müller plädiert für massive Investitionen in Schwellenländern.

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          Nach dem alarmierenden Bericht des Weltklimarates (IPCC) über die drastischen Folgen des Klimawandels hat UN-Generalsekretär António Guterres die politschen Entscheidungsträger zur Verantwortung gerufen. „Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend, und die Beweise sind unwiderlegbar“, sagte er. Die Treibhausgase erstickten den Planeten und brächten Milliarden Menschen in Gefahr.

          „Die Lebensfähigkeit unserer Gesellschaft hängt davon ab, dass Führungskräfte in Politik, Unternehmen und der Zivilgesellschaft geeinigt hinter politischen Vorgaben, Maßnahmen und Investitionen stehen, die den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen“, sagte Guterres. Die Lösungen lägen auf dem Tisch. „Der Bericht muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein, bevor sie unseren Planeten zerstören“, sagte er.

          Die reichen Länder und Entwicklungsbanken müssten mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel in ärmeren Ländern zur Verfügung stellen. Das Versprechen, pro Jahr für sie 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung aufzubringen, müsse erfüllt werden. „Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündeln, können wir die Katastrophe abwenden“, sagte Guterres. Es gebe keinen Raum mehr für Verzögerungen oder Ausreden. Bei der Weltklimakonferenz im November in Glasgow (COP26) müssten Antworten geliefert werden.

          Schulze: „Der Planet schwebt in Lebensgefahr“

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wertet den jüngsten Bericht des Weltklimarats als Mahnung zum schnellen Handeln. „Der Planet schwebt in Lebensgefahr“, erklärte die SPD-Poltikerin am Montag. „Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, er ist Realität.“ Man könne sich nur bestmöglich vorbereiten: „Das erleben wir auch bei uns in Deutschland: katastrophale Überschwemmungen nach Starkregen im Juli, anhaltende Dürre in den vergangenen Jahren.“ Auch die Hitzewellen mit Waldbränden in Nordamerika, Sibirien sowie in Griechenland und der Türkei zeigten dies. Wie Guterres sprach sich Schulze für eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträger aus: „Wie wir den Treibhausgasausstoß senken können, wissen wir: mit einer raschen Abkehr von Kohle, Öl und Gas, mit dem Ausbau der Sonnen- und Windkraft und der Produktion von grünem Wasserstoff als klimafreundlichem Energieträger.“

          Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, Deutschland werde nochmals spürbarer in Wissenschaft und Forschung investieren. „Deutschland soll das Zentrum für die Entwicklung von klimafreundlichen Technologien werden. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte als Konsequenz aus den IPCC-Erkenntnissen „einen weltweiten Green Deal mit gewaltigen privaten Investitionen zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie Technologietransfers und einer Investitionsoffensive der Industrieländer in Schwellen- und Entwicklungsländern“.

          Schon vor der Veröffentlichung des IPCC-Berichts forderte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock deutlich mehr internationales Engagement gegen die Erderwärmung. „Die Klimakonferenz in Glasgow muss zum Klima-Turning-Point werden“, sagte Baerbock der Zeitung Welt (Montagsausgabe). „Denn nur dann haben wir die Chance, vom aktuellen Über-Drei-Grad-Pfad auf den 1,5-Grad-Pfad von Paris zu kommen.“ Dem Klima würden „weder Sonntagsreden noch Verweise auf andere Länder nutzen“, betonte die Grünen-Ko-Vorsitzende. „Wir müssen endlich ernst machen mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen.“

          Greta Thunberg: „Es liegt an uns, mutig zu sein“

          Die Linken-Ko-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sprach sich dafür aus, Die Kohleverstromung in Deutschland bereits 2030 und nicht wie bisher geplant 2038 zu beenden. Angesichts der neuen Daten und Informationen müsse „auch der letzte Konservative“ verstehen: „Wir können nicht länger auf den Markt warten." Auch müssten die öffentlichen Verkehrsmittel massiv ausgebaut werden.

          Die führende Klimaaktivistin Greta Thunberg ist von den im neuen Bericht des Weltklimarats (IPCC) formulierten Erkenntnissen nicht überrascht. „Der neue IPCC-Bericht enthält keine wirklichen Überraschungen. Er bestätigt, was wir schon aus Tausenden vorherigen Studien und Berichten wissen - dass wir uns in einem Notfall befinden“, schrieb die Schwedin am Montagvormittag auf Twitter und Instagram. Es handele sich um eine solide, aber vorsichtige Zusammenfassung des derzeitigen Wissensstands.

          „Es liegt an uns, mutig zu sein und basierend auf den in diesen Berichten bereitgestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen Entscheidungen zu treffen“, schrieb Thunberg weiter. Noch könnten die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermieden werden, ergänzte die 18-Jährige. „Aber nicht, wenn wir weitermachen wie heute, und nicht, ohne die Krise wie eine Krise zu behandeln.“

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