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Asylantrag in Neuseeland : Der erste Klimaflüchtling

Selbst Flüchtlingslobbyisten fällt es allerdings schwer, eine Antwort auf das Problem zu finden. Klimawandel als Fluchtgrund ist nur schwer nachzuweisen. Selbst wenn etwa Stürme und andere Naturkatastrophen zunehmen, lässt sich ein einzelnes Ereignis, ein einzelner Taifun oder eine bestimmte Dürreperiode nicht unbedingt direkt auf die Veränderungen im Klima zurückführen. Schließlich hat es auch früher schon Stürme, Trockenperioden und Überschwemmungen gegeben, deren Entstehung stets sehr komplex ist. Niemand kann genau sagen, ob ein Mensch vor allem wegen einer Naturkatastrophe vertrieben wurde oder ob auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Steigende Aufmerksamkeit für das Problem

Dennoch gilt es als sicher, dass Fälle wie der von Ioane Teitiota statistisch zunehmen werden. Nach Berechnungen internationaler Organisationen könnte es bis zum Jahr 2050 insgesamt 150 bis 300 Millionen Menschen auf der Erde geben, die aufgrund verschlechterter Umweltbedingungen ihre Heimat verlassen haben. Mit ihrer relativen Nähe zu den besonders gefährdeten Inseln im Pazifik bekommen Länder wie Australien und Neuseeland dies nur als erste zu spüren. So hatte die Regierung von Tuvalu im Jahr 2001 bereits vorsorglich versucht, für die gesamte Bevölkerung in Neuseeland Asyl zu beantragen.

Auch dank solcher Aktionen hat die Aufmerksamkeit für das Problem in den vergangenen Jahren zugenommen, auch wenn dieses Thema bei der in der kommenden Woche anstehenden UN-Klimakonferenz im peruanischen Lima wohl nur am Rand behandelt werden wird. Vor kurzem ernannte das amerikanische Magazin „Foreign Policy“ Ioane Teitiota zu einem seiner hundert „globalen Denker“, weil dieser den Begriff „Klimaflüchtling“ zuerst in die Welt gebracht habe.

„Und was ist mit uns?“

Ioane Teitiota war allerdings schon vor etwa sieben Jahren über Fidschi nach Neuseeland gekommen. Die Reise von Kiribati hatte damals etwa sechs Stunden gedauert. Er bekam einen Job auf einer Baustelle und eine Aufenthaltsgenehmigung. Doch die ist schon im Jahr 2010 abgelaufen. Seither lebt die Familie illegal in Neuseeland. Teitiota pflückt nun auf einem Biobauernhof außerhalb von Auckland Gemüse und wartet auf das Berufungsverfahren in letzter Instanz.

Etwas Hoffnung gibt ihm ein Urteil vom Juni, bei dem die Folgen des Klimawandels zumindest als einer von mehreren Asylgründen anerkannt worden waren. Die neuseeländischen Richter hatten einer Familie aus Tuvalu Bleiberecht gewährt, unter anderem, weil die Familie „von Naturkatastrophen und den nachteiligen Folgen des Klimawandels gefährdet“ sei. Die gewichtigeren Gründe für die Gewährung des Asyls waren aber die Familienumstände.

„Und was ist mit uns? Unser Fall ist der gleiche“, sagt Ioane Teitiota dennoch trotzig. Er sagt, auch die anderen Migranten aus Kiribati verfolgten seinen Fall mit großer Spannung. Einige von ihnen sitzen auf Plastikstühlen in dem improvisierten Gemeindesaal von Glenbrook. Der Gottesdienst beginnt mit einem mehrstimmigen Gesang. Es folgt die Begrüßung des Sitznachbarn mit einem Handschlag.

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