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Alternativer Nobelpreis : „Beispielhafte Lösungen für drängende globale Probleme“

Ausgezeichnet für ihren Einsatz im Kriegsgebiet: die „Weißhelme“ aus Syrien. Bild: Right Livelihood Award Foundation

Sie kämpfen um Menschenleben, Meinungsfreiheit und Menschenrechte: Die Right Livelihood Award Foundation hat in Stockholm vier Preisträger mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Geschäftsführer Ole von Uexküll erklärt, warum der Preis wichtig ist.

          Der Alternative Nobelpreis 2016 ist am Donnerstag in Stockholm an vier Preisträger vergeben worden, die sich auf verschiedenen Kontinenten drängenden globalen Herausforderungen annehmen. Unter den Preisträgern ist auch die Syria Civil Defence, bekannt als die „Weißhelme“. Seit 2013 retten die rund 3000 Freiwilligen in Syrien Menschen aus den im Bürgerkrieg zerstörten Häusern. Der Alternative Nobelpreis – offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) – wird seit 1980 jährlich verliehen.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Right Livelihood Award Foundation zählt bis heute 166 Preisträger aus 68 Ländern. In der Regel teilen sich vier Preisträger das Preisgeld in Höhe von drei Millionen Schwedischen Kronen (315.000 Euro) zu gleichen Teilen. Der Publizist Jakob von Uexküll hatte den Preis 1980 als Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen gegründet. 2014 hatte die Stiftung mit dem Preis für den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden Aufsehen erregt.

          ***

          Herr von Uexküll, warum ist der Alternative Nobelpreis 2016 wichtig?

          Der Preis ist natürlich nicht nur 2016 wichtig, er war auch schon 1980 wichtig. Wir zeichnen beispielhafte Lösungen für drängende globale Probleme aus. In diesem Jahr sind wir besonders stolz darauf, dass wir Preisträger gefunden haben, die an den globalen Krisenherden unter widrigsten Bedingungen richtig was bewegen. Die ihre Arbeit nicht nur mit großem Mut und großer Aufopferung machen, sondern auch mit großem Erfolg. Das ist ein wichtiges Signal der Hoffnung – und zwar nicht nur für die Länder, aus denen die Preisträger kommen, sondern für die gesamte Menschheit.

          Kann ein Preis, der in Stockholm verliehen wird, wirklich ein globales Hoffnungszeichen sein?

          Die Geschichten unserer Preisträger zu hören, macht Mut. Sie zeigen, dass die wichtigsten Lösungen für globale Probleme nicht nur von amerikanischen Eliteuniversitäten kommen, sondern auch von Bauern aus Mali, Lehrern aus Paraguay oder Aktivisten von den Philippinen. Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Botschaft.

          Wie werden die Preisträger ausgewählt?

          Jeder Mensch auf der Welt kann jemanden vorschlagen. Und dieses – heute würde man wahrscheinlich sagen – Crowdsourcing bringt schon seit den 1980er Jahren seriöse Nominierungen von sehr hoher Qualität. Wir haben in diesem Jahr 125 Vorschläge aus 50 Ländern bekommen. Das ist keine riesige Zahl, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir für die Bewerbung relativ viel Dokumentation verlangen. Man schickt uns nicht einfach einen Namen.

          Ole von Uexküll ist Geschäftsführer der Stiftung, die den Alternativen Nobelpreis verleiht.

          Wie geht es nach der Nominierung weiter?

          Neben den Informationen, die uns bei der Nominierung übermittelt werden, fragen wir selbst noch weitere Aspekte ab. Unsere Preisträger sind keine Eintagsfliegen oder Gruppen, die eine gute Idee haben und Hilfe bei der Umsetzung brauchen. Es müssen Menschen sein, die den Erfolg ihrer Arbeit schon bewiesen haben. Im Team treffen wir eine Vorauswahl, die dann von unserem Vorstand abgesegnet wird. Außerdem treffen wir die Nominierten.

          Gab es auch ein Treffen mit den syrischen „Weißhelmen“, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden?

          Wir haben alle Preisträger im Vorfeld getroffen, auch die Syrer. Allerdings nicht in Aleppo, sondern in Istanbul. Bei unseren Besuchen fragen wir die Kandidaten natürlich Löcher in den Bauch. Aber wir treffen auch immer andere Gesprächspartner, die uns etwas über die Arbeit der Kandidaten sagen können. Dazu gehören auch Kritiker. Die vor Ort gesammelten Informationen geben wir dann an unsere internationale Jury weiter, in der pro Kontinent mindestens ein Vertreter sitzt. Beim Jury-Treffen wird schließlich ein Wochenende lang darüber beraten, wer den Preis bekommen soll.

          Warum haben die „Weißhelme“ den Preis verdient?

          Bei den „Weißhelmen“ ist natürlich das Augenfälligste der Mut, mit dem sie ihre Arbeit machen. Dass sie ihr Leben einsetzen und dort  hingehen, wo sich andere nicht hintrauen. Und dass sie es geschafft haben, sich in einer so schwierigen Situation so professionell zu organisieren. Um Leute aus zerstörten Gebäuden zu retten, braucht man ja spezielles Gerät und spezielle Fähigkeiten. Die „Weißhelme“ wurden in der Türkei von Erdbebensuchtrupps ausgebildet. Mittlerweile machen sie die Trainings aber auch selber.

          Wie viele Menschenleben haben die „Weißhelme“ schon gerettet?

          Die Gruppe konnte schon 60.000 Menschen aus den Ruinen retten. Dabei haben sie 141 ihrer eigenen Leute verloren. Das ist auch das, was sich als roter Faden durch die Arbeit aller Preisträger zieht: Großen Widrigkeiten zum Trotz machen sie eine sehr erfolgreiche und gleichzeitig sehr pragmatische Arbeit.

          Das Alternative Nobelpreis geht das erste Mal nach Syrien – wie haben die Preisträger das aufgenommen?

          Die „Weißhelme“ waren sehr gerührt, als ich sie angerufen habe, um ihnen mitzuteilen, dass sie gewonnen haben. Sie haben gesagt: „Wir wissen, wer diesen Preis schon vor uns bekommen hat.“ In vielen Ländern wird die Unterstützung durch westliche Organisationen ja eher als Einmischung gesehen. Und damit diskreditiert man die Leute vor Ort dann fast mehr, als dass man ihnen einen Gefallen tut. Aber ich glaube, dieser Preis wird anders wahrgenommen. Nicht nur als westliche Initiative, sondern als globales politisches Symbol.

          Ole von Uexküll ist Geschäftsführer der Right Livelihood Award Foundation, die seit 1980 den Alternativen Nobelpreis verleiht. Er ist der Neffe des Stifters Jakob von Uexküll.

          Die vier Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2016

          Syria Civil Defence (Die Weißhelme) für ihren herausragenden Mut, ihr Mitgefühl und humanitäres Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg".

          Mozn Hassan und die Organisation „Nazra für feministische Studien“ (Ägypten) "für ihren Einsatz für die Gleichstellung und die Rechte von Frauen unter Umständen von anhaltender Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung".

          Swetlana Gannuschkina (Russland)für ihr jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte und Gerechtigkeit für Geflüchtete und Migranten sowie für die Förderung von Toleranz zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen."

          Cumhuriyet, eine der führenden unabhängigen Zeitungen in der Türkei, „für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen."

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