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Korea-Forscher Mosler : „Mehr ist unter den Bedingungen nicht erreichbar“

Was hat der Handschlag von Kim Jong-un und Donald Trump wirklich gebracht? Bild: dpa

Was hat das Gipfeltreffen von Kim Jong-un und Donald Trump gebracht? Im Gespräch mit FAZ.NET ordnet der Korea-Fachmann Hannes Mosler von der FU Berlin das historische Ereignis ein – und findet lobende Worte für die Verhandlungspartner.

          Herr Mosler, Donald Trump und Kim Jong-un haben eine Vereinbarung unterzeichnet, in der von atomarer Abrüstung die Rede ist, aber ansonsten keine konkreten Ergebnisse festgehalten sind. Ist das nicht ein bisschen dünn?

          Nein. Ich finde, das ist insgesamt ein beträchtliches Ergebnis, erst recht, wenn man die Umstände in Rechnung stellt. Mehr ist unter den Bedingungen gar nicht erreichbar. Es geht ja darum, einen Prozess anzustoßen und erst einmal für eine gute Atmosphäre zu sorgen – und für ein Sprungbrett für die weiteren Verhandlungen. Und es geht auch darum, Druck aus der Situation zu nehmen, ein sehr pragmatisches Vorgehen. Indem man sich in einem ersten Schritt möglichst vage hält, bleiben alle Möglichkeiten auf dem Tisch. Sonst könnte es in der nächsten Woche, wenn die Verhandlungen weiter gehen sollen, schnell heißen: „Wie, das habt ihr uns doch versprochen!“

          Aber andererseits geht die Vereinbarung, was die atomare Abrüstung angeht, nicht über das hinaus, was Kim Jong-un bereits im Vorfeld gesagt hat. Was ist der Unterschied?

          Der Unterschied ist, dass die Vereinbarung von beiden unterzeichnet worden ist. Es ist ein politisches Dokument, ein Stück Symbolpolitik natürlich, kein Abkommen im legalen Sinne. Deshalb ist es aber nicht weniger wichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es exakt das, was man machen sollte.

          Trotzdem haben viele erwartet, dass zumindest eine zentrale konkrete Ankündigung dabei herumkommt. Zum Beispiel, dass beide den seit 1953 geltenden Kriegszustand zumindest symbolisch beenden…

          Ja, das hätten sie tun können. Formell wären noch andere Beteiligte wie die Vereinten Nationen nötig gewesen, vielleicht hat man das deshalb gescheut. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die Verhandlungspartner diesen Punkt für die weiteren Treffen aufheben. Es ist effektiver, wenn man sich ein paar Samenkörner aufspart und nicht gleich alles beim ersten Mal verpulvert. Zumal Trump ja Südkorea, Japan und China genannt hat, also sich sehr bewusst ist, dass auch andere Staaten mit einbezogen werden müssen. Interessant, dass er nicht von Russland gesprochen hat…

          Angeblich soll Amerikas Außenminister Mike Pompeo schon nächste Woche weiterverhandeln. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass spätestens dann wieder alles Erreichte in Frage gestellt wird?

          Das kann passieren. Aber ich sehe es andersherum: Wichtig ist doch, dass es jetzt losgeht. Beide haben ihre Haltung bekräftigt, Zugeständnisse zu machen. Kim hat versprochen, ein Raketentestgelände zerstören zu lassen, und Trump hat in Aussicht gestellt, die Militärmanöver mit Südkorea einzustellen.

          Hannes Mosler ist Juniorprofessor am Institut für Korea-Studien an der Freien Universität Berlin.

          Eine Forderung der Nordkoreaner…

          Ja, das ist ein wichtiger Punkt, eine große Geste. Bisher haben ja nur die Nordkoreaner geliefert: Sie haben die amerikanischen Bürger aus der Gefangenschaft entlassen, ein Atombombentestgelände zerstört und ihre Raketentests eingestellt. Wenn Amerika die Manöver jetzt tatsächlich einstellt, würde dies für die Nordkoreaner ein wichtiger Vertrauensbeweis sein und sie motivieren, ihrerseits weiter konkret auf die Forderungen der Amerikaner einzugehen.

          Eine Lockerung der Sanktionen hat Trump Kim aber nicht in Aussicht gestellt.

          Nein, das hat Kim wohl auch nicht erwartet. Er weiß, dass es dafür noch zu früh ist.

          Trump hat Kim in seiner Pressekonferenz sehr gelobt. Fanden Sie das befremdlich?

          Mein erster Gedanke war: Wenn er ihn zu viel lobt, könnte das von den Nordkoreanern als „sehr von oben herab“ bewertet werden. Da ist Trumps Charakter mit ihm durchgegangen, es ist offenbar seine Art, die Atmosphäre aufzulockern und Kim Respekt zu zeigen.

          Es mutet aber auch merkwürdig an. Schließlich ist Kim Jong-un für politische Morde verantwortlich, sein Volk hungert, noch immer sind Zehntausende in Arbeitslagern kaserniert. Er führt das wohl repressivste politische Land der Welt.

          Ja, und dennoch: Erst einmal muss es um die Atomfrage gehen. Wenn man das mit der Frage der Menschenrechte vermischt, dann erreicht man letztlich gar nichts.

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