https://www.faz.net/-gpf-7bgsj

Intervention in Syrien? : Dempsey warnt vor Risiken eines Militäreinsatzes

  • -Aktualisiert am

Generalstabschef Martin Dempsey: „Kosten würden in die Milliarden gehen“ Bild: dpa

In einem Brief an den Kongress beschreibt Generalstabschef Martin Dempsey die Optionen für ein militärisches Eingreifen Amerikas in Syrien. Zugleich warnt er vor den Risiken: Vergeltungsschläge des Assad-Regimes und Milliarden-Kosten.

          Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der amerikanischen Streitkräfte, Heeres-General Martin Dempsey, hat die Kosten für die Verhängung einer Flugverbotszone über Syrien auf rund eine Milliarde Dollar beziffert. In einem Schreiben an den Streitkräfteausschuss des Senats beschrieb Dempsey erstmals in Einzelheiten die Kosten und Risiken jener fünf Optionen, die das Pentagon dem Weißen Haus für einen möglichen militärischen Einsatz in Syrien vorgelegt hat.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In dem Schreiben warnt der Heeres-General vor den möglicherweise lang anhaltenden Auswirkungen selbst eines begrenzten Militäreinsatzes: „Sollten wir eingreifen, müssen wir auf die Folgen vorbereitet sein. Eine tiefere Verwicklung ist nur schwer zu verhindern.“ Der Entschluss, militärische Gewalt anzuwenden, sei „nichts anderes als eine Kriegshandlung“, schrieb der Generalstabschef.

          Die erste von Dempsey beschriebene Option beschränkt sich auf die Ausbildung und Begleitung der gemäßigten Kräfte der syrischen Rebellen; bisher haben die jüngst von Washington beschlossenen Waffenlieferungen an die Freie Syrische Armee (FSA) noch keine Auswirkungen auf die Kampfhandlungen in Syrien gehabt.

          Flugverbotszone und Spezialeinheiten

          Als zweite Option werden in dem Schreiben begrenzte Raketenangriffe genannt, deren Kosten auf mehrere Milliarden Dollar beziffert werden. Die dritte Option ist die Einrichtung einer Flugverbotszone, um die Luftwaffe Assads auszuschalten. Die vierte Möglichkeit ist die Einrichtung von Puffer- und Schutzzonen für Aufständische und Flüchtlinge, vor allem in den Grenzgebieten zur Türkei und zu Jordanien. Schließlich wird der Einsatz von Spezialeinheiten zur Sicherung des chemischen Waffenarsenals von Machthaber Baschar al Assad genannt.

          Dempsey hatte bei einer Anhörung des Ausschusses in der vergangenen Woche Woche einen möglichen amerikanischen Militäreinsatz erwähnt. Mehrere Senatoren hatten den General daraufhin aufgefordert, Einzelheiten der Pläne sowie die möglichen Auswirkungen einer Intervention darzustellen. Dem kam Dempsey nun mit dem Schreiben an den demokratischen Ausschussvorsitzenden Carl Levin (Michigan) nach.

          Dempsey warnte davor, dass der Kollaps des Regimes von Präsident Assad dazu führen könne, dass statt der mit dem Westen verbündeten FSA radikal-islamische Kräfte die Kontrolle über das Land übernehmen könnten.

          Kongress billigt Waffenlieferungen an Rebellen

          Unterdessen gaben beide Kammern des Kongresses ihren grundsätzlichen Widerstand gegen Waffenlieferungen an die FSA auf. Es gab Befürchtungen, dass die Waffen in die Hände radikaler Islamisten gelangen könnten. Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus Mike Rogers sagte, einige Bedenken blieben zwar bestehen, doch die Regierung könne „ihre Pläne weiter verfolgen“, an die Freie Syrische Armee (FSA) Waffen zu liefern.

          Die FSA hoffe auf „eine große Menge kleinerer Waffen“ wie Sturmgewehre und Panzerfäuste, sagte Louay Sakka von der „Syrian Support Group“, die die FSA unterstützt.

          Washington unterstützt in dem seit zwei Jahren wütenden Krieg in Syrien die Rebellen mit humanitärer Hilfe und sogenannter nicht tödlicher Ausrüstung wie etwa Schutzwesten und Kommunikationsmitteln. Im Juni kündigte Washington militärische Hilfe für die Aufständischen an, weil sie den Einsatz von Chemiewaffen durch die Truppen Assads für erwiesen hält. In der zivilen und militärischen Führung des Pentagons überwiegt weithin Skepsis gegenüber einem militärischen Eingreifen in Syrien. Auch Präsident Barack Obama ist gegen einen weiteren amerikanischen Krieg im Nahen Osten, obwohl er schon vor Monaten den Rücktritt Assads gefordert hat.

          Weitere Themen

          Warum der IS weiter gefährlich bleibt

          Sieg über Terrormiliz : Warum der IS weiter gefährlich bleibt

          Dem „Islamischen Staat“ wurde das letzte Stück seines Territoriums genommen. Dauerhaft besiegt werden kann er aber nur, wenn ihm politisch der Boden entzogen wird – und sich die nahöstlichen Regime grundlegend ändern.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.