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Internet : Zensiertes Netz

  • -Aktualisiert am

Internet-Surfen in China: Beliebt, aber begrenzt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Frei informieren und kommunizieren übers Netz: In China ist daran nicht zu denken. Das chinesische Regime hat 50.000 Zensoren eingesetzt, die das Internet kontrollieren. Und der Regierung scheint jedes Kontrollmittel recht.

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          Supermodern erscheinen Chinas Städte, vom Capuccino bis zum Snowboard gibt es alles zu kaufen, doch Buchläden für ausländische Publikationen sucht man vergeblich. An die hundert Millionen Chinesen surfen im Internet, doch wenn sie in Suchmaschinen die Stichworte „Demokratie“ oder „4. Juni“ eingeben, kommen sie nicht weit.

          In der nach außen so offen erscheinenden chinesischen Gesellschaft ist der Informationszugang noch immer streng kontrolliert. Ob im Druck oder auf elektronischem Weg, der Zensor wacht darüber, was gelesen und was geschrieben werden darf.

          Kontrolle der E-Post

          Der Zugriff auf das Internet wird immer umfassender. Nach westlichen Schätzungen gibt es eine Armee von 50.000 Internet-Polizisten, die das Netz in der Volksrepublik China frei von unerwünschten Inhalten hält. Die Zensur des chinesischen Internets ist so weit fortgeschritten, daß sie selbst westliche Fachleute erstaunt. China ist mit seinen fast 100 Millionen Internet-Nutzern der zweitgrößte Nutzer des Netzes. Kontrolliert wird nicht nur, was ins Netz gestellt wird, sondern auch, wer sich über was informiert und welche Adressaten welche Post bekommen.

          Daß der Zugang zu bestimmten Informationen im Netz blockiert wird, Webseiten etwa der Exil-Chinesen, demokratischer Aktivisten aus Taiwan oder die der großen Nachrichtenorganisationen nicht geöffnet werden können, daran hat man sich in China schon lange gewöhnt. Doch wird die Kontrolle immer feiner. Zu bestimmten als politisch brisant angenommenen Zeiten, etwa, als der unter der Hausarrest stehende Parteichef Zhao Ziyang starb oder als der Volkskongreß tagte, konnten E-Mails an Adressen, die den chinesischen Zensoren suspekt waren, erst gar nicht mehr verschickt oder empfangen werden.

          „Vorsortierung“ vom Zensor

          Eine solche Aufmerksamkeit wird sonst nur Dissidenten, Nichtregierungsorganisationen und Journalisten zu teil. Chinesische Journalisten wurden von Insidern gewarnt, regierungskritische E-Mails aus dem Ausland erst gar nicht mehr zu öffnen, da die Zensurbehörde auch registrieren könne, wer sich was aus dem Ausland schicken lasse. Während bislang nur bestimmte Resultate auf chinesische Suchbegriffe vom Zensor „vorsortiert“ wurden, gibt es jetzt auch bei der Suche in anderen Sprachen immer öfter Sperren und Umleitungen auf regierungskonforme Seiten.

          Die chinesischen Portal-Anbieter wie Sina oder Sohu mußten sich schon vor Jahren selbst verpflichten, keine Nachrichten oder Kommentare auf ihren Seiten zuzulassen, die die Alleinherrschaft der Partei, die Solidarität unter den Volksgruppen und den Religionsfrieden stören. Kurz: alle kritischen Themen dürfen im Netz nicht erscheinen. Auch Microsoft hat sich jetzt dieser Selbstverpflichtung angeschlossen. Die Portale beschäftigen eine ganze Reihe von Zensoren, die sich die Chatrooms nur auf solche Kommentare hin durchsehen und diese dann löschen.

          Bislang nicht zimperlich

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