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Verschwörungstheorien im Netz : Das Internet der Faschisten

  • -Aktualisiert am

Rechte Gruppen demonstrieren im August 2017 in Charlottesville. Nachdem ein Mann mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gefahren und eine Frau getötet hatte, sagte Präsident Trump, es habe „feine Leute“ auf beiden Seiten gegeben. Bild: AFP

Eine Reihe von Internetseiten boten den rechten Attentätern von El Paso, Christchurch und Pittsburgh ein Forum. Ihre Propaganda ist jedoch auch in Amerika älter als das Internet.

          Es waren zwei Unternehmen, die am Montag das vorläufige Ende der Internet-Plattform 8chan besiegelten: Cloudflare, eine Sicherheitsfirma, beendete die Zusammenarbeit, so dass die Seite zu angreifbar für Cyber-Attacken war, um sie online zu lassen. Tucows, das die Web-Adresse registriert hatte, zog sich ebenfalls zurück. Der Attentäter von El Paso soll über 8chan ein „Manifest“ verbreitet haben, in dem er die rassistische Propaganda-Fantasie vom „Austausch“ der sich als weiß definierenden Bürger eines Landes verbreitete.

          Die Behauptung, dass eine „weiße Rasse“ vom Aussterben bedroht sei, ist eine der langlebigsten Parolen von faschistischen und rassistischen Gruppierungen überall auf der Welt. 8chan wurde schon vorher bekannt, weil verschiedene rechte Attentäter der vergangenen Jahre auf der Internetplattform aktiv waren, darunter auch der Mörder von 51 Menschen in zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland im März. Nun erklärte der Gründer der Seite, Fredrick Brennan, er bereue, dass er 8chan je ins Leben gerufen habe. Und der Ausschuss für Heimatschutz im Abgeordnetenhaus will den jetzigen Chef Jim Watkins vorladen.

          Anonyme Plattformen wie 8chan, 4chan oder auch Reddit dienen Rechtsradikalen zur Verbreitung ihrer Thesen, ziehen aber auch viele neue oder nur sporadisch Interessierte an. Darauf weist zum Beispiel eine Studie des „Center on Extremism“ hin, die der Kongress auf seiner Internetseite zur Verfügung stellt. Die vielen verschiedenen rechten Gruppen, wie die „Alt-Right“, Neonazis, Skinheads, KKK-Mitglieder oder die so genannten „Paleo-Konservativen“ bilden demnach im Internet und auch offline durch Veranstaltungen eine Subkultur, die offen und niedrigschwellig daherkomme. Dadurch, dass Seiten wie 8chan völlige Anonymität garantierten, könnten sich dort viele Menschen wohl fühlen. Die Studie weist auch auf die Berührungspunkte zur so genannten „Manosphere“ mit ihren Foren für „Pick-up Artists“ und „Väterrechtler“ hin.

          Weil viele der Attentäter eine Geschichte von Gewalt gegen Frauen haben, bekommt das Thema schädlicher Männlichkeitsbilder nach den Taten regelmäßig öffentliche Aufmerksamkeit. Experten warnen schon seit Jahren davor, dass die Männerforen auch Orte der politischen Radikalisierung sein können. Dort wird häufig ein atavistisches Bild von Geschlechterrollen, Evolution und „Rassen“ vertreten, das auch Hass auf Homosexuelle und People of Color einschließen kann. Eine beliebte Vorstellung ist etwa, dass Frauen Männern Aufmerksamkeit und Sex schuldeten.

          Auch Offline-Aktivitäten der Rechtsradikalen sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden. Dabei werden besonders häufig Colleges und Universitäten ins Visier genommen. Die Taktik ist hier, eine Einladung von einer Bildungseinrichtung zu erreichen. Wenn es daraufhin Proteste von Studierenden gibt oder die Veranstalter durch die Äußerungen der Rechten ihre Meinung ändern, machen sie nicht selten von ihrem Hausrecht Gebrauch und laden die Vortragenden wieder aus. Das bietet der Szene wiederum einen Vorwand, ihre Propaganda von der „Zensur“ und der „political correctness“ zu intensivieren.

          Die Studie der Extremismusforscher stellt einen Anstieg all dieser Aktivitäten seit dem Wahlsieg von Donald Trump 2016 fest. Richard Spencer und andere Protagonisten des Neonazi-Spektrums hätten sich dadurch enorm ermutigt gefühlt. Spencer und andere benutzen laut den Autoren häufig den Begriff „Overton-Window“. Damit ist das Spektrum des Sagbaren im öffentlichen Diskurs gemeint. Von Trump hätten sie sich eine Erweiterung dieses „Fensters“ in Richtung ihrer menschenverachtenden Anschauungen erhofft. Laut der Universität von Virginia bekennen sich etwa elf Millionen weiße Amerikaner offen zu Meinungen aus dem Feld der „White Supremacy“-Ideologie. Das seien rund sechs Prozent der 198 Millionen Weißen im Land.

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