https://www.faz.net/-gpf-8odsb

Japan und Russland : Reif für die Inseln?

Symbolische Brücke: Denkmal für Japans verlorene Inseln. Bild: Patrick Welter

Japan und Russland streiten seit Ende des Zweiten Weltkrieges um eine Inselgruppe. Jetzt kommt möglicherweise Bewegung in die Verhandlungen. Aber wie weit sollte Japan in seinen Forderungen gehen?

          4 Min.

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe gibt sich entschieden und versucht doch, die Erwartungen zu dämpfen: Er sei entschlossen, den Gebietsstreit noch in seiner Generation zu lösen, sagt Abe. Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Japan an diesem Donnerstag und Freitag könne aber nur ein Schritt zu diesem Ziel sein. Der offiziellen Tagesordnung nach geht es bei dem Arbeitsbesuch um wirtschaftliche Kooperation im russischen Osten. Das aber ist für die japanische Seite nur Mittel zum Zweck, um über den ungelösten Streit über die Inselgruppe der Kurilen im Norden Japans und über einen Friedensvertrag zu sprechen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die vier Inseln nördlich von Hokkaido, rund 5000 Quadratkilometer groß, sind bei gutem Wetter von Japan aus zum Teil mit dem bloßen Auge zu sehen. In dem bis ins 18. Jahrhundert zurück reichenden Streit einigten sich Russland und Japan 1855 darauf, dass die Grenzlinie nördlich dieser vier Inseln verlaufe. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, nach der Kapitulation Japans, besetzte die Sowjetunion die Inseln und vertrieben die etwa 17000 dort lebenden Japaner. Der Inselstreit verhindert bis heute einen bilateralen Friedensvertrag zwischen beiden Staaten.

          Japan könnte sich mit einer Einigung schützen

          Abe und Putin werden sich zum 16. Mal sehen, und es ist immer noch schwer zu sagen, ob sich da eine Männerfreundschaft entwickelt. Auf jeden Fall kommt in die Beziehungen Bewegung. Abe war in diesem Jahr schon zweimal bei Putin in Russland, am Schwarzen Meer und in Wladiwostok. Jetzt hat er Russlands Präsidenten in einen Badeort in seine Heimatprovinz Yamaguchi an der Westküste Japans eingeladen.

          In der heimelig-provinziellen Atmosphäre hofft der Japaner, einer Einigung näher zu kommen. Am Freitag werden die beiden die Gespräche in Tokio abschließen. Abe sieht gute Beziehungen mit Russland als eine Art Versicherung dagegen, dass ein isoliertes Russland sich mit China verbündet und Japan in Nordostasien an den Rand drängt. Eine Einigung in dem Territorialdisput wäre für Japan, das mit allen Nachbarn über Inseln zerstritten ist, ein Novum.

          Uneinigkeit wegen zwei Inseln

          Als hoffnungsvolles Signal wird in Tokio interpretiert, dass Putin im Gegensatz zu früheren russischen Präsidenten die gemeinsame Erklärung von 1956 anerkennt, wonach Japan nach einem Friedensvertrag die Insel Shikotan und die Habomai-Inselgruppe zurückerhält. Das sind die kleineren der vier Inseln. Doch beharrt Japan auf der Rückgabe auch von Etorofu (Iturup) und Kunashiri (Kunaschir). Russland zeigt dazu keine Neigung.

          Japans Forderung gehe über die gemeinsame Erklärung hinaus, sagte Putin vor dem Japanbesuch. Gerade erst hat die russische Regierung Abwehrraketen auf Kunashiri und Etorofu stationiert. Japans Reaktion fiel eher milde aus. Abe nannte die Entscheidung „bedauerlich“. Als Lösung für einen hypothetischen Kompromiss wird in Tokio von „zwei (Inseln) plus Alpha“ gesprochen. Doch ist unklar, was Abe den japanischen Wählern als „Alpha“ bieten müsste.

          Japans Premierminister Shinzo Abe hofft auf eine Einigung mit dem russischen Präsidenten Putin.
          Japans Premierminister Shinzo Abe hofft auf eine Einigung mit dem russischen Präsidenten Putin. : Bild: AP

          Der Japaner winkt Putin mit wirtschaftlicher Kooperation im Osten und auf den Inseln. Russland ist an japanischer Technik interessiert und würde Japan gerne Gas verkaufen. Rund 30 wirtschaftliche Projekte haben die Unterhändler für das Gipfeltreffen vorbereitet. Dabei geht es um Energie und Infrastruktur, um die medizinische Versorgung und die Umwelt.

          Weitere Themen

          Trump scheitert wieder bei Wahl-Anfechtung Video-Seite öffnen

          Erneute Niederlage : Trump scheitert wieder bei Wahl-Anfechtung

          Weitere juristische Niederlage für Präsident Donald Trump: Ein Bundesberufungsgericht hat die Anfechtung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl im Schlüsselstaat Pennsylvania abgewiesen und damit ein Urteil aus erster Instanz bestätigt.

          Topmeldungen

          Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

          Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

          Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
          Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

          Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

          Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.