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Epidemiologe Jeremy Farrar : „Mit der zweiten Welle rechne ich erst im Herbst oder Winter“

„Von Deutschland lernen“: Mitarbeiter des britischen Gesundheitsdienstes NHS beteiligen sich an der Aktion „Klatschen für den NHS“ Bild: Reuters

Deutschland könne stolz sein auf die bisherige Eindämmung der Corona-Epidemie, sagt Jeremy Farrar im Interview. Doch bis alle sieben Milliarden Menschen geimpft sind, bleibe ein jeder verwundbar.

          3 Min.

          Der in Singapur geborene Brite Jeremy Farrar ist einer der einflussreichsten Infektionsexperten und Epidemiologen der Welt. Als Wissenschaftler und als Tropenmediziner hat er die Vogel- und Schweinegrippe sowie Sars in Asien begleitet, er war bei der Weltgesundheitsorganisation mit den Entwicklungsarbeiten für Impfstoffe gegen Dengue und Ebola betraut und beriet bis voriges Jahr die Bundesregierung. Jetzt ist Farrar Direktor des britischen Wellcome Trust, der nach der Bill & Melinda-Gates-Stiftung zweitgrößten privaten Förderorganisation für die biomedizinische Forschung.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Herr Farrar, bei vielen scheint der anfängliche Schrecken vor Sars-CoV-2 geschwunden zu sein. Ist das berechtigt?
          Überhaupt nicht. Jeder muss verstehen, dass wir gerade etwas erleben, was in der Geschichte einmalig ist. Neu ist nicht, dass ein komplett neuer, hochinfektiöser Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist, sondern wie er sich in sechs Wochen praktisch auf alle Kontinente ausgebreitet hat, ohne dass wir auf ein Medikament, eine Impfung oder auf eine Immunität zurückgreifen könnten. Ich arbeite seit 25 Jahren international in der Infektionsbekämpfung und habe so etwas nicht erwartet. Niemand hat so ein schreckliches Geschehen wirklich vorgesehen. Und wir haben erst die ersten fünf Monate hinter uns.

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