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Ende des INF-Vertrags : Was tun gegen russische Marschflugkörper?

Entwickelt wurde die Technologie für den Schutz von Truppen im Auslandseinsatz. Das war die Herausforderung der 2000er Jahre mit der Afghanistan-Mission. Doch eignet sie sich auch zur Landes- und Bündnisverteidigung, die seit der russischen Krim-Invasion wieder in den Mittelpunkt gerückt ist. Das gilt etwa für die leistungsfähigen Radare. Die sollen doppelt so weit reichen wie heute. Das bringt mehr Zeit, um feindliche Flugkörper zu orten und abzuschießen. Außerdem kann das Radar Ziele in seinem gesamten Umkreis erkennen, 360 Grad. Bei einem Test 2013 schoss es zum Beispiel zwei Drohnen gleichzeitig ab, die aus unterschiedlichen Richtungen anflogen. Die Bundeswehr hat sich noch etwas überlegt: Sie will eine Abfangrakete speziell für luftbewegliche Ziele einführen. Die wäre dann günstiger als das Standardmodell, das ballistische Raketen in großer Entfernung treffen soll.

Amerikaner erforschen Laserkanonen

Auch die Vereinigten Staaten richten ihre Luftabwehr neu aus. In den vergangenen Jahren flossen gewaltige Summen in die Bekämpfung von Interkontinentalraketen – vor allem wegen der Bedrohung aus Nordkorea. Inzwischen haben sich aber immer mehr Staaten Marschflugkörper zugelegt, auch Nordkorea, Iran und China, das nicht durch den INF-Vertrag gebunden war. Russland und China entwickeln außerdem neuartige Hyperschall-Gleitflugzeuge, die ähnlich unberechenbar wie Marschflugkörper sind. Das Pentagon hat deshalb beschlossen, seine Truppen in Europa, Nahost und Asien besser vor solchen Bedrohungen zu schützen.

Es geht dabei ähnlich vor wie Deutschland, nur in viel größerem Maßstab und mit einer neuen Patriot-Generation. Die verfügt über günstigere Abfangraketen und ein 360-Grad-Radar. Erforscht werden außerdem Laserkanonen und Schienenkanonen, die Geschosse extrem beschleunigen. Das klingt wie Science Fiction, ist militärisch aber schon die nähere Zukunft. Es geht darum, viele luftbewegliche Ziele auf einmal zu bekämpfen, zum Beispiel Drohnenschwärme. Das lässt sich nicht mit Abfangraketen machen, die mehrere Millionen Euro pro Stück kosten.

Die Nato wird auf diese Technologie eines Tages zugreifen können. Einstweilen muss sie aber erstmal Europa vor der neuen Bedrohung aus Russland schützen. Vier Bataillone mit je 16 SSc-8 sollen schon aufgestellt worden sein. Militärplaner der Allianz arbeiten jetzt konkrete Optionen aus. Erste Beschlüsse dazu sollen im nächsten Jahr fallen. Sie stehen auch bei der Bundeswehr an. Für die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer wird das neue Luftverteidigungssystem die wichtigste rüstungspolitische Entscheidung ihrer Amtszeit sein – falls die Regierung bis 2022 hält.

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