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Indonesien : Pilgerreise mit Hintergedanken

Joko Widodo in Riad Bild: dpa

Wenige Tage vor der Wahl besucht Indonesiens Präsident Joko Widodo Mekka. Er wappnet sich gegen Vorwürfe, kein guter Moslem zu sein.

          Offiziell ist der Wahlkampf in Indonesien schon vorbei. Vor der Parlaments- und Präsidentenwahl am Mittwoch haben die Behörden dem Land einige kampagnenfreie Tage verordnet. Die Abkühlungsphase nutzt der amtierende Präsident Joko Widodo aber für eine in dem mehrheitlich muslimischen Land publikumswirksame Reise.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Kurz nach seiner letzten Großkundgebung am Samstag in einem Stadion in Jakarta unternimmt er den Hadsch, die Pilgerfahrt ins heilige Mekka. Schon am Sonntag war er dafür in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gelandet. Dort hatte er den saudischen König getroffen, bevor er zu seiner Pilgerreise an den Geburtsort des Propheten Mohammed aufbrechen sollte. Er wird dann pünktlich zur Wahl wieder in Indonesien erwartet, wenn bei dem größten eintägigen Urnengang der Welt 193 Millionen Indonesier ihre Stimme abgeben.

          Der Präsident, der von den Indonesiern nur mit seinem Spitznamen „Jokowi“ angesprochen wird, wiederholt mit dem Hadsch ein Ritual, das schon bei der Wahl vor fünf Jahren funktioniert hatte. Er will mit Gerüchten aufräumen, die immer wieder von seinen Gegnern gestreut werden, wonach er kein gläubiger Moslem oder sogar heimlich ein Christ sei. Zuvor hatte er schon durch die Ernennung des konservativen Islamgelehrten Ma’ruf Amin zu seinem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten gegen derartige Vorwürfe vorgesorgt. Es war ein Befreiungsschlag gegen Angriffe aus dem Lager des Oppositionskandidaten Prabowo Subianto, der von mehreren Islam-Parteien unterstützt wird.

          Die Religion ist ein politisches Dauerthema in Indonesien, wo die Islamisierung durch Kleriker, Parteien und Extremistengruppen vorangetrieben wird. 90 Prozent der 264 Millionen Indonesier sind Muslime. Bestrebungen, Indonesien zu einem islamischen Staat zu machen, gibt es schon seit der Unabhängigkeit im Jahr 1945. Dennoch war Indonesien viele Jahre ein Beispiel für einen toleranten Islam und die Vereinbarkeit der Religion und Demokratie. In den vergangenen Jahren hat sich unter dem Einfluss des saudischen Wahhabismus aber eine orthodoxere Auslegung des Glaubens in der Gesellschaft verbreitet. Die frühere Präsidentenberaterin Dewi Fortuna Anwar führt das auch auf den wachsenden Wohlstand der Indonesier zurück. „Als die Menschen arm waren, waren sie weniger islamisch. Sie hatten weniger Verbindungen in den Nahen Osten. Jetzt machen sie den Hadsch und zeigen sich offener für verschiedene Ideen“, sagt die Politikwissenschaftlerin FAZ.net.

          Insofern zeigt sich der Präsident mit seiner demonstrativen Frömmigkeit im Einklang mit der Bevölkerung. Allerdings gibt es eben auch Bedenken, dass der Präsident den Islamisten zu viele Zugeständnisse machen könnte. Joko Widodo war einst der Hoffnungsträger für die Liberalen und Demokraten in Indonesien. Doch hat er weniger für die Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen, den Schutz von Minderheiten und die Demokratisierung getan, als von ihm erwartet worden war. Übergriffe auf Homosexuelle und Verurteilungen wegen vermeintlicher „Blasphemie“ haben zugenommen.  

          Im Gegensatz zu der Wahl vor fünf Jahren ist Joko Widodo auch nicht mehr der politische Außenseiter und Shootingstar, als der er damals gefeiert worden war. Die meisten Umfragen sehen ihn aber weiter im Vorteil gegenüber Prabowo, dem ehemaligen General und Ex-Schwiegersohn des Diktators Suharto. Prabowo wird ein Hang zum Autoritarismus nachgesagt, und er macht gern mit nationalistischen Tönen auf sich aufmerksam. In den Fernsehdebatten zwischen den beiden Kandidaten ging es vor allem um die Wirtschaftspolitik in dem Land mit 17000 Inseln. Darin trauen die Wähler dem früheren Geschäftsmann und Gouverneur von Jakarta Joko Widodo mehr Kompetenz zu. Er hat sein Ziel, das Wirtschaftswachstum in Indonesien auf sieben Prozent zu erhöhen, zwar verfehlt. Dafür hat er aber viel für eine Verbesserungen der Infrastruktur getan.

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