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Abu Bakr Baschir : Indonesien lässt Hintermann der Bali-Anschläge frei

Abu Bakr Baschir (Mitte) am Freitag auf einem Foto mit seinem Sohn Abdul Rochin, Anwälten und Mitarbeitern des Gefängnisses, in dem er einsaß. Bild: AP

Abu Bakr Baschir war der geistige Anführer der Terrororganisation Jemaah Islamiyah. Nun hat der 82 Jahre alte Hassprediger seine Haftzeit abgesessen. Australien ist besorgt.

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          Indonesien hat am Freitag den islamistischen Terroristen und Hassprediger Abu Bakr Baschir aus jahrelanger Haft entlassen. Der 82 Jahre alte Baschir gilt als einer der Drahtzieher der Bombenanschläge auf Bali im Jahr 2002. Er war aufgrund anderer Vorwürfe im Zusammenhang mit Ausbildungslagern für Terroristen in der indonesischen Provinz Aceh im Jahr 2011 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde später jedoch mehrfach reduziert. Zuvor hatte er schon aufgrund seiner Verbindungen zum Bali-Attentat eine Weile im Gefängnis gesessen, war aber nach einem Berufungsverfahren wieder freigelassen worden. Die Richter sahen es nicht als bewiesen an, dass er direkt in die Anschläge involviert gewesen war.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Baschir war der geistige Führer der Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI), die einst enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida unterhalten hatte. Er hat sich von seiner Ideologie bis heute nicht distanziert. Im Jahr 2014 hatte er sogar aus dem Gefängnis dem „Islamischen Staat“ (IS) die Treue geschworen. Vor zwei Jahren hatte der Präsident Joko Widodo angekündigt, Baschir aufgrund seines hohen Alters und schlechten Gesundheitszustands vorzeitig freilassen zu wollen. Nach scharfer Kritik hatte er aber einen Rückzieher gemacht. Damals hieß es, Baschir habe sich geweigert, sich auf die indonesische Staatsideologie Pancasila einschwören zu lassen.

          Im Nachbarland Australien wird die Freilassung Baschirs mit Sorge gesehen. 88 der 202 Todesopfer der Bombenanschläge waren Australier. Auch sechs Deutsche waren darunter. Die Welt sei „manchmal ungerecht”, sagte Premierminister Scott Morrison am Freitag. Die Freilassung Baschirs entspreche aber den Vorschriften des indonesischen Justizsystems. „Das macht es letztlich nicht einfacher für die Australier zu akzeptieren, dass diejenigen, die für den Mord an Australiern verantwortlich sind, nun freigelassen werden.“ Morrison teilte mit, seine Regierung habe Indonesien die Erwartung übermittelt, dass Personen wie Baschir davon abgehalten werden, andere Menschen weiter aufzuhetzen.

          Der indonesischen Presse zufolge hatte Baschir das Gefängnis Gunung Sindur um etwa 5.30 Uhr früh verlassen. Er wurde von seiner Familie und seinen Anwälten in Empfang genommen. Sein Sohn sagte Reuters, Baschir werde in die Stadt Solo in Zentraljava zurückkehren, wo er in den siebziger Jahren eine Islamschule gegründet hatte, aus der viele indonesische Extremisten hervorgegangen waren. „Er hat seine Zeit abgesessen. Es ist schlicht vorbei“, sagte der Sohn Abdul Rohim. Beobachter äußerten die Befürchtung, dass sich die indonesischen Terroristen durch die Freilassung gestärkt fühlen könnten. Laut der Extremismusforscherin Sidney Jones seien sich die meisten jungen Terroristen der Rolle nicht mehr bewusst, die Baschir einst gespielt habe.

          Zudem hat Indonesien zuletzt weitere Fortschritte im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus erzielt. Im Dezember hatte die Polizei 23 militante Extremisten festgenommen. Darunter war Aris Sumarsono, genannt Zulkarnaen, der die Bomben für den Bali-Anschlag gebaut haben soll. Der in Afghanistan ausgebildete Terrorist war in Lampung auf der Insel Sumatra geschnappt worden. Bis heute ist das Bali-Attentat der größte Terroranschlag in der Geschichte des Landes mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Am 12. Oktober 2002 hatte in der Tanzbar „Paddy's Pub“ ein Selbstmordattentäter die erste Bombe gezündet. Der zweite Anschlag folgte wenige Sekunden später mit der Detonation einer Autobombe vor dem „Sari Club“. Eine dritte Bombe detonierte vor dem amerikanischen Konsulat in Denpasar, richtete aber nur geringe Schäden an.

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