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Indische Behörden : Vier Deutsche bei Terrorwelle in Bombay getötet

  • Aktualisiert am

Polizei patroulliert vor dem Bahnhof, der einer der Anschlagsorte gewesen ist Bild: dpa

Bei der Angriffsserie im indischen Bombay sind nach jüngsten Angaben der indischen Behörden vier Deutsche getötet worden. Bislang war nur von einem deutschen Todesopfer die Rede gewesen. Unter den 22 verletzten Ausländern seien ebenfalls vier Deutsche.

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          Bei der Terrorserie in Bombay wurden nach Angaben des indischen Innenministeriums vier Deutsche getötet. Das teilte das Ministerium am Freitag in Neu Delhi mit. Unter den 22 verletzten Ausländern seien ebenfalls vier Deutsche. Bislang war nur der Tod eines Deutschen bekannt gewesen.

          Unter den insgesamt acht getöteten Ausländern seien zudem ein Kanadier, ein Australier und ein Japaner. Die Nationalität von zwei Toten sei bislang ungeklärt. Ein Österreicher, ein Italiener, fünf Briten, ein Norweger, ein Finne, ein Spanier, ein Kanadier und ein Chinese seien verletzt worden. Außerdem hätten ein Staatsbürger der Philippinen und zwei aus dem Oman Verletzungen erlitten.

          Mehr als 120 Todesopfer

          Terroristen hatten am Mittwochabend mindestens zehn Ziele in Bombay mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen und anschließend zwei Hotels und ein jüdisches Zentrum in ihre Gewalt gebracht. In indischen Medien ist inzwischen von mehr als 120 Todesopfern die Rede. Die Zahl der Verletzten ist weiter unklar, mal ist von mehr als 320 Verletzten die Rede, dann wieder von etwas mehr als 250. Zu den Anschlägen hatte sich die bislang nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe Deccan Mudschahedin bekannt.

          Polizei patroulliert vor dem Bahnhof, der einer der Anschlagsorte gewesen ist Bilderstrecke

          Die mutmaßlich muslimischen Extremisten hatten Augenzeugenberichten zufolge vor allem Amerikaner, Briten und Juden im Visier. Getötet wurden aber zum überwiegenden Teil Inder - Menschen, die in den Kugelhagel und die Handgranatenexplosionen gerieten. Die Angreifer waren nach Polizeidarstellung mit AK-47-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnet und kannten sich in dem angegriffenen Viertel sehr gut aus.

          Am Donnerstag nahm die Polizei nach Medienberichten in einem der belagerten Hotels drei mutmaßliche Terroristen fest. Darunter sei ein Pakistaner, berichtete die indische Nachrichtenagentur PTI am Abend. Die Männer sollen der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar e Toiba angehören, die die Unabhängigkeit Kaschmirs fordert.

          Verbindungen nach Pakistan?

          Der Ton zwischen Indien und Pakistan ist unterdessen schärfer geworden. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee sagte am Freitag in Delhi, ersten Erkenntnissen zufolge „sind Elemente mit Verbindungen nach Pakistan beteiligt“.

          Sein pakistanischer Kollege Shah Mehmood Qureshi sagte, beide Staaten stünden einem gemeinsamen Feind gegenüber. „Bringen Sie nicht die Politik mit ins Spiel“, warnte er am Freitag während eines Indien-Besuchs.

          Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Trotz eines 2004 begonnenen Friedensprozesses gibt es immer weiter Spannungen zwischen den Nachbarstaaten. Beide Länder verfügen über Atomwaffen. (Siehe auch: Terror in Indien: Die Spur führt nach Pakistan)

          Berichte über neue Leichen in Oberoi-Hotel

          Nach Angaben der Sicherheitskräfte ist die Lage in dem bis zum Freitag von Angreifern belagerten Oberoi-Hotel inzwischen unter Kontrolle. Zahlreiche ausländische Menschen wurden aus dem Luxushotel befreit und in Sicherheit gebracht.

          Unter den Befreiten waren auch sieben Mitarbeiter der Lufthansa, drei von ihnen Deutsche, sowie zwei Mitarbeiter des Bundesaußenministeriums. Bewaffnete Angreifer hatten das Hotel mit zahlreichen Gästen bei der Angriffsserie in Bombay am Mittwochabend gestürmt. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Freitag, dass die Polizei 24 Leichen im Oberoi-Hotel gefunden habe.

          Lage in jüdischem Zentrum weiter nicht unter Kontrolle

          Noch nicht unter Kontrolle ist hingegen die Lage in einem jüdischen Zentrum im so genannten Nariman-Gebäude. Indische Spezialeinheiten greifen das Haus seit dem Vormittag an. In dem Gebäude sollen sich mutmaßlich muslimische Extremisten mit mehreren Geiseln verschanzt haben.

          Bilder des indischen Fernsehens zeigten, wie Soldaten sich von Hubschraubern auf das Dach des Hauses abseilten. Auch vom Boden aus rückten Soldaten auf das Gebäude vor.

          Explosionen und Schüsse

          Die „Times of India“ zitierte Augenzeugen, denen zufolge mehrere Explosionen und Schüsse aus dem Inneren des Gebäudes und in der Umgebung zu hören waren. Terroristen hätten Handgranaten auf Sicherheitskräfte geworfen, die sich dem Gebäude genähert hätten, hieß es in Medienberichten. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums werden in dem ultraorthodoxen Chabad-Lubawitsch-Zentrum zwischen zehn und zwanzig Israelis festgehalten, darunter der Rabbiner und seine Frau.

          Aus dem zweiten von Terrorangriffen betroffenen Luxushotel, dem Taj-Hotel, hieß es am Freitag, die allermeisten Gäste seien inzwischen frei. Nach Berichten des Senders NDTV konnten Sicherheitskräfte die Terroristen aus dem Hotel vertreiben. Lediglich ein verletzter Angreifer habe sich dort noch verschanzt. Allerdings hat dieser möglicherweise zwei oder mehr Geiseln in seiner Gewalt, sagte Generalleutnant N. Thamburaj. Deshalb fand im Taj-Hotel eine weitere Durchsuchungsaktion statt.

          Thamburaj sagte am Freitag, der Antiterroreinsatz stehe kurz vor dem Abschluss. Die Suche nach den restlichen Kämpfern, die sich noch immer verschanzt hielten, sollte in einigen Stunden abgeschlossen sein.

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