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Prügelei zwischen Soldaten : 17 weitere indische Tote nach Konflikt an Grenze zu China

In der in Bhopal protestieren am Dienstag gegen China. Bild: EPA

Indische und chinesische Soldaten waren an der Grenze mit Fäusten, Steinen und Stöcken aufeinander losgegangen. Von chinesischen Opfern ist bislang nichts bekannt. Beide Seiten schieben die Schuld auf den anderen.

          4 Min.

          Die Konfrontation sah etwas anders aus, als man es sich zwischen zwei der größten Armeen der Welt vorstellen würde. Mit Steinwürfen, Eisenstangen und Knüppeln waren die Soldaten Chinas und Indiens im unübersichtlichen Grenzgebiet weit oben im Himalaja aufeinander losgegangen. Die Zahl der Opfer lässt darauf schließen, dass es eine wilde Schlägerei gewesen sein muss. Mit 20 wird die Zahl der getöteten indischen Soldaten mittlerweile angegeben. Zuerst war von nur drei toten indischen Soldaten die Rede gewesen. In einer Mitteilung der indischen Armee hieß es am Mittwoch, 17 weitere Soldaten seien an den Folgen kritischer Verletzungen und der Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gestorben. Einem indischen Bericht zufolge waren mehrere Soldaten in einen Fluss gefallen oder gestoßen worden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Auch auf der chinesischen Seite soll es bei dem Kampf in der Nacht zum Dienstag Tote und Verletzte gegeben haben. Die Regierung in Peking hat aber bisher keine näheren Angaben veröffentlicht. Die Zahl von 43 chinesischen Opfern, die von der indischen Nachrichtenagentur ANI berichtet wurde, hat sich bisher nicht bestätigt. Nach Angaben indischer Fachleute ist es das erste Mal seit 1975, dass es in der Grenzregion zwischen China und Indien Tote durch eine gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben hat. Sie sehen in den Ereignissen eine gefährliche Abweichung von dem bisherigen Status Quo, in dem Konfrontationen mit tödlichen Folgen über Jahrzehnte vermieden werden konnten. Die Regierung in Washington rief die beiden Seiten zur friedlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten auf. Die Vereinten Nationen mahnten zu einem „Maximum an Zurückhaltung“.

          Bild: Levinger

          Beide Seiten gaben an, dass die Konfrontation beendet sei und an einer Entschärfung der Lage gearbeitet werde. Ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden Atommächten könnte fatale Folgen haben. Er gilt derzeit aber nicht als sehr wahrscheinlich. Jedoch wird es durch die relativ hohe Zahl der getöteten Soldaten schwieriger, zu einer Einigung zu gelangen. Die Sprecher der Außenministerien in Peking und Delhi gaben der jeweils anderen Seite die Schuld an den Zusammenstößen. Die chinesische Seite habe einseitig den Status Quo in der Grenzregion geändert, sagte der indische Sprecher Anurag Shrivastava. Indiens Aktivitäten fänden stets eindeutig nur auf der indischen Seite statt. „Wir erwarten das Gleiche von der chinesischen Seite“, sagte er. Zuvor hatte der chinesische Sprecher die Inder beschuldigt, sie seien am Montag zwei Mal auf chinesisches Territorium eingedrungen und hätten die chinesischen Soldaten angegriffen.

          Im Jahr 1962 hatten die beiden Länder einen kurzen aber heftigen Krieg geführt, der mit einer Niederlage für die Inder geendet hatte. Schauplatz war damals das gleiche Areal im Galwan-Tal, in dem nun auch die Soldaten aufeinander losgegangen sind. Der umstrittene Grenzverlauf liegt im Osten von Ladakh auf der indischen Seite und Aksai Chin, das von Indien beansprucht, aber von China kontrolliert und zu Tibet gezählt wird. Die dortige „Line of Actual Control“ (LAC), wie der Grenzverlauf in diesem Gebiet genannt wird, ist weder demarkiert noch befestigt. Auf indischer und chinesischer Seite gibt es unterschiedliche Interpretationen über den Verlauf der LAC, was immer wieder zu Konfrontationen führt.

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