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Indiens Raketentest : Gefährliche Dynamik

  • -Aktualisiert am

Die erste Reaktion aus Peking auf Indiens Raketentest klang betont gelassen Bild: dpa

Die Rhetorik, die in Indien den erfolgreichen Raketentest begleitet, muss nachdenklich stimmen. Denn es wird gar nicht mehr versucht, zu verschleiern, dass der Schritt gegen China gerichtet ist.

          Natürlich hat es eine gewisse Logik, wenn Indien seine Raketenrüstung dem Stand seines Nachbarlandes China anzugleichen versucht. Aber Politik, Rüstungspolitik zumal, entwickelt zuweilen eine Dynamik, die für alle Beteiligten höchst unerfreulich sein kann. Von einem Wettrüsten in Asien ist schon lange die Rede. Dabei blicken die Fachleute aber meistens nach Ostasien.

          In Südasien ging es bislang deutlich ruhiger zu, was damit zusammenhing, dass Indien seine Aufrüstung nicht derart konsequent wie China forcierte. Man darf bezweifeln, dass sich das in näherer Zukunft ändern und das Indien versuchen wird, auf allen Feldern zu China aufzuschließen. Aber die Rhetorik, mit der die indische Regierung und Öffentlichkeit den erfolgreichen Raketentest begleiten, muss nachdenklich stimmen. Denn es wird gar nicht mehr versucht, den Eindruck zu erwecken, als sei der Schritt nicht gegen China gerichtet.

          Die erste offizielle Reaktion aus Peking klingt zwar betont gelassen. Aber man kann sicher sein, dass das nicht das letzte Wort sein wird. Auch in China gibt es Radikale. Wie weit deren Einfluss auf die Politik reicht, lässt sich nicht genau sagen, schon gar nicht in diesem Jahr, wo sich Partei und Staat auf eine neue Führung einrichten müssen. Gegenüber Indien ist China militärisch deutlich im Vorteil. Da lässt es sich leicht gelassen bleiben. Aber Peking wird sich nicht von Indien überflügeln lassen wollen. Und bis auf weiteres reicht seine Wirtschaftskraft allemal für ein echtes Wettrüsten mit der zweiten potentiellen Weltmacht in Asien.

          Die Vereinigten Staaten, die die Atommacht Indien durch das 2008 unterzeichnete Nuklearabkommen international „geadelt“ haben, schauen mit Sorge auf die wachsende Militärmacht Chinas. Insofern wird die Entwicklung einer indischen Interkontinentalrakete in Washington keine große Beunruhigung hervorrufen. Über einen sich beschleunigenden Rüstungswettlauf auch in Südasien müsste man sich allerdings schon Gedanken machen. Zum einen hat man es auf allen Seiten mit aggressiven Nationalismen zu tun. Zum anderen neigt vor allem China dazu, auf internationaler Bühne nur solchen Regeln zuzustimmen, die es selbst aufgestellt hat. Das allerdings widerspricht dem Geist des Kompromisses, der auch in Rüstungsfragen zum Ziele führen kann.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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