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Indien und Pakistan : Nach Anschlag in Kaschmir nehmen Spannungen zu

Im Wahlkampf: Der indische Premierminister Narendra Modi weiht einen neuen Schnellzug ein. Bild: Reuters

Im Wahlkampf steht die Regierung Modi unter Druck, Entschlossenheit gegen Pakistan zu demonstrieren. In Nordindien kommt es zu Angriffen auf kaschmirische Studenten.

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          Mitten im landesweiten Wahlkampf in der größten Demokratie der Welt führt der blutige Anschlag auf einen Militärkonvoi im indisch verwalteten Teil Kaschmirs zu Spannungen. So gab es am Wochenende Berichte über gehäufte Angriffe auf kaschmirische Studenten in verschiedenen Lehreinrichtungen im Norden Indiens. Mehr als 100 Studenten seien deshalb in die Region zurückgekehrt, auf die Indien und Pakistan seit der Teilung jeweils komplett Anspruch erheben. Gegen eine kleine Anzahl von Personen werde aber auch ermittelt, weil sie den Anschlag, bei dem mehr als 40 Sicherheitskräfte getötet worden waren, in den sozialen Netzwerken begrüßt hätten. Als erste Reaktion auf den Anschlag hatten die Behörden außerdem die Schutzmaßnahmen für Separatistenführer aus der mehrheitlich muslimischen Region eingestellt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Bei dem Anschlag hatte sich am Donnerstag in Pulwama, etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Srinagar entfernt, ein Terrorist in seinem Auto selbst in die Luft gesprengt. Der Attentäter war mit einem mit einer Bombe bestückten Geländewagen in einen Bus mit Angehörigen der paramilitärischen Central Reserve Police Force gefahren. Nach dem Anschlag hatte sich die Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad der Tat bezichtigt. Sie operiert von pakistanischem Gebiet aus. Das Attentat mit 100 bis 150 Kilogramm Sprengstoff war einer der schwersten in der Konfliktregion seit Jahrzehnten. Während es in Kaschmir immer wieder zu bewaffneten Angriffen kommt, hatte es Anschläge mit Autobomben seit gut zehn Jahren nicht mehr gegeben.

          Konflikt mit Pakistan

          Der blutige Terrorakt gibt Anlass zur Sorge, dass die Spannungen zwischen den Atomwaffenmächten Indien und Pakistan nun weiter zunehmen könnten. Die indische Regierung von Narendra drohte mit Vergeltung. Im Jahr 2016 hatte das indische Militär einen Angriff auf eine Militärbasis in dem Ort Uri mit „chirurgischen Schlägen“ auf der von Pakistan kontrollierten Seite Kaschmirs reagiert. Modi hat nun dem Militär Vollmacht gegeben, über die Antwort selbst zu entscheiden.

          Im nordindischen Bundesstaat Bihar ging er am Sonntag auf die Welle nationaler Empörung ein, mit der das Volk auf den Anschlag reagiert. „All denen, die hier versammelt sind, möchte ich sagen, dass das Feuer, das in Eurer Brust lodert, auch in meinem Herzen brennt”, sagte Modi.

          Wahlen im April

          Der Ministerpräsident befand sich auf einer Wahlkampftour durch den Bundesstaat mit der drittgrößten Bevölkerung des Landes. Im April wird in Indien ein neues Parlament gewählt. In der Hitze des Wahlkampfs steht die Regierung unter Druck, nicht zu lasch auf den Terror zu reagieren.

          Die politischen Konkurrenten aus Modis Bharatiya Janata Party und der Kongresspartei unter Oppositionsführer Rahul Gandhi waren sich bei der Verurteilung der Tat allerdings ausnahmsweise einmal einig: Indien beschuldigt Pakistan, die Terroristen zu unterstützen. Die Regierung in Delhi hat Wirtschaftssanktionen verhängt und angekündigt, den Gegner in Islamabad international zu isolieren. Pakistans Außenministerium teilte mit, es werde ohne vollständige Ermittlungen zum Schuldigen gemacht.

          Inmitten der Spannungen besucht nun auch der saudi-arabische Kronprinz Muhammad Bin Salman, der wegen der Ermordung des Regimekritikers Jamal Khashoggi in die Kritik geraten ist, in diesen Tagen zunächst Pakistan und im Anschluss daran Indien und China. Der Kronprinz sieht die Asien-Reise als Möglichkeit, sein internationales Image aufzubessern. In Pakistan unterschrieb er laut BBC Verträge über Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien hat der Regierung des Ministerpräsidenten Imran Khan schon im vergangenen Jahr unter die Arme gegriffen, als ihr aufgrund rasant schwindender Devisenreserven eine Zahlungsbilanzkrise gedroht hatte.

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