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Mehr als 165.000 Infektionen : Indien meldet mehr Corona-Tote als China

Mitarbeiter des Gesundheitswesens zeigen einer Frau in Mumbai, wie man sich richtig die Hände wäscht. Bild: Reuters

Fachleute gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in Indien voraussichtlich im Juli erreicht wird. Das unterentwickelte indische Gesundheitssystem könnte bis dahin seine Belastungsgrenze erreicht haben.

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          Schon vor einiger Zeit hat das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt bei den nachgewiesenen Infektionen das Land überholt, in dem das neuartige Coronavirus seinen Ursprung genommen hatte. Seit Freitag sind nun mit mehr als 4700 Toten auch mehr Menschen in Indien an den Folgen einer Infektion gestorben als in China, jedenfalls sofern man den dortigen Zahlen glauben mag. Mit insgesamt 165.000 nachgewiesenen Corona-Fällen belegt Indien in der Statistik der Johns-Hopkins-Universität unter den Ländern mit den meisten Infektionen nun außerdem den neunten Platz direkt hinter Deutschland. Fachleute gehen gleichwohl davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in Indien voraussichtlich erst im Juli erreicht wird.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das unterentwickelte indische Gesundheitssystem könnte bis dahin seine Belastungsgrenze erreicht haben. Trotzdem hält Ministerpräsident Narendra Modi derzeit noch an seinem Plan fest, die Ausgangssperre nach dem Ende des Wochenendes weiter zu lockern. Gleichzeitig regt sich vermehrt Kritik an dem Krisenmanagement der Regierung. „Wir sind das einzige Land auf der Welt, in dem das Virus exponentiell ansteigt“, sagte Oppositionsführer Rahul Gandhi am Freitag in einer Videobotschaft. „Es ist deshalb ziemlich klar, dass das Ziel und der Hintergrund des Lockdowns nicht erreicht wurden“, sagte Gandhi. Die Zeitung „New York Times“ zitierte einen Arzt, der meint, die Lockerungen kämen wohl zu früh. „Indien ist noch nicht über den Berg“, warnte Ashish Jha vom Harvard Global Health Institute.

          Sorgen bereiten dabei auch die zunehmenden Infektionen unter den Wanderarbeitern und Tagelöhnern, die in den vergangenen Wochen zu Hunderttausenden aus den Städten in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt waren. Viele dieser Binnenmigranten hatten sich aufgrund ausgefallener Transportmittel zu Fuß auf den Weg gemacht, oft ohne ausreichend Wasser und Nahrungsmittel dabei zu haben. Seither haben die Behörden Sonderzüge eingesetzt, um die Migranten in ihre Heimatregionen zurückzubringen. Auch dabei kam es zu Problemen, und es wurden Todesfälle an Bord der Züge gemeldet.

          Einige Wanderarbeiter haben das Virus mit in ihre Dörfer gebracht. Die höchste Zahl der Infektionen verzeichnen derzeit allerdings weiter Städte wie Bombay, Delhi, Chennai, Ahmedabad und Pune. Die Stadt mit den meisten Infektionen ist Bombay mit mehr als 35.000 Fällen. Maharastra, dessen Hauptstadt Bombay ist, hat mit 60 000 die meisten Infektionsfälle unter den Bundesstaaten. Da auch in Delhi die Zahlen rasant ansteigen, hat der Nachbarstaat Haryana am Donnerstag seine Grenze zu der Hauptstadtregion geschlossen.

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