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Zwei Patienten in einem Bett : Indien kämpft mit einer Viertelmillion Neuinfizierten pro Tag

In Delhi stehen Menschen vor dem Lockdown vor einer Weinhandlung an. Bild: Reuters

Indien fehlen Intensivbetten und Medikamente. In den Medien laufen Bilder von Beerdigungen, überlasteten Krematorien und weinenden Angehörigen. Und in Delhi steht ein neuer Lockdown an.

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          Indien kämpft mit wachsender Verzweiflung gegen seine zweite Corona-Welle an. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium zum ersten Mal mehr als 270.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Zahl der Toten stieg um mehr als 1600 auf fast 179.000. In der Hauptstadt Delhi, wo am Montag allein mehr als 23.000 Fälle gemeldet worden waren, wurde ein sechstägiger Lockdown verkündet. Außerdem wurde der für nächste Woche geplante Besuch des britischen Premierministers Boris Johnson abgesagt. Die Reise, die Johnsons erste große Auslandsreise nach seinem Amtsantritt im Jahr 2019 sein sollte, war schon einmal aufgrund der Corona-Situation in Großbritannien verschoben worden.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Seit Beginn der Pandemie sind von den 1,35 Milliarden Einwohnern Indiens nun mehr als 15 Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. In der Hauptstadt fällt derzeit fast jeder dritte Test positiv aus. Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass viele Fälle derzeit noch unentdeckt bleiben. Unter anderem herrscht Sorge über die zuerst in Indien entdeckte Doppelmutante mit dem Namen B.1.617, die gleichzeitig die beiden Mutanten E484Q und L452R in sich trägt. Im landesweit am stärksten betroffenen Bundesstaat Maharashtra wurde die Doppelmutante bei einer Untersuchung schon in mehr als 60 Prozent der getesteten Proben gefunden. Auch in Großbritannien sind mittlerweile Dutzende Ansteckungen mit dieser Mutante aufgetaucht.

          „Delhis Gesundheitssystem hat sein Limit erreicht“

          Derzeit liegen aber noch nicht genug Daten vor, um mit Sicherheit zu sagen, wie viel die verschiedenen Mutanten tatsächlich zu Indiens zweiter Welle beitragen. Fachleute weisen vor allem auf die zunehmende Laxheit im Umgang mit den Vorsichtsmaßnahmen in der Bevölkerung hin. Indien hatte nach einer langen ersten Welle über Monate so niedrige Infektionszahlen verzeichnet, dass manche schon eine Herdenimmunität in den Großstädten vermutet hatten. Seither haben mehrere große religiöse Massenveranstaltungen, Sportereignisse und Wahlkampfkundgebungen stattgefunden, bei denen die Corona-Regeln kaum noch eingehalten wurden.

          Aktuell ist die Lage vor allem in einigen Großstädten angespannt. Es fehlt an Intensivbetten, Sauerstoff zur Behandlung von Patienten und Medikamenten. Auf manchen Stationen müssen sich die Kranken zu zweit ein Bett teilen. In den Medien laufen Bilder von Beerdigungen, überlasteten Krematorien und weinenden Angehörigen. Der Regierungschef der Hauptstadtregion Delhi, Arvind Kejriwal, sagte: „Delhis Gesundheitssystem hat sein Limit erreicht. Ich sage nicht, dass es kollabiert ist, aber es hat sein Limit erreicht.“ An Delhis Busbahnhöfen versuchten am Montag viele Menschen, vor Beginn der Ausgangssperre in ihre Heimatregionen zurückzukehren. Erinnerungen an den Lockdown vor einem Jahr werden wach, als Tausende Wanderarbeiter ihre Arbeit verloren hatten und überstürzt in ihre Dörfer zurückgekehrt waren.

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