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Zweite Welle : Indien blockiert Export von Impfstoffen

In der Elfenbeinküste kommt im Februar eine in Indien hergestellte Lieferung des Impfstoffs von Astra-Zeneca an. Bild: dpa

Die „Apotheke der Welt“ will angesichts stark steigender Infektionszahlen zunächst den Eigenbedarf decken. Das führt vor allem bei der Covax-Initiative für arme Länder zu Problemen.

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          Indien schränkt angesichts stark steigender Infektionszahlen im Land vorübergehend den Export von Corona-Impfstoffen des Unternehmens Astra-Zeneca ein. Ein Sprecher der Impfallianz Gavi bestätigte der F.A.Z. am Donnerstag, dass Verzögerungen von Export-Lizenzen für den Impfstoff durch den erhöhten Eigenbedarf begründet würden. Gavi führt zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Covax-Initiative an, die eine faire Verteilung von Impfstoffen auch an arme Länder ermöglichen soll. 

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Impfstoff wird in Indien vom Serum Institute of India (SII) produziert, dem größten Produzent von Vakzinen der Welt. SII hatte sich bereit erklärt, 64 arme Länder mit dem Impfstoff zu beliefern. Die für März und April geplanten Lieferungen verzögern sich nun aber, weil Indien derzeit keine Exportgenehmigungen ausstellt.

          Über den vorübergehenden Export-Stopp hatten zuerst die Nachrichtenagentur Reuters und die BBC berichtet. Demnach hatte es in den vergangenen Tagen schon Verzögerungen bei Lieferungen an Großbritannien, Brasilien, Marokko und Saudi-Arabien gegeben. Der Covax-Initiative sind 92 Entwicklungsländer beigetreten, die über kaum alternative Beschaffungswege verfügen. Die Initiative hat bisher 31 Millionen Dosen Impfstoff ausgeliefert. Dem Gavi-Sprecher zufolge habe das Unternehmen SII versprochen, neben der Versorgung Indiens auch Covax Priorität zu geben. „Covax spricht mit der indischen Regierung darüber, wie die Lieferungen so schnell wie möglich gesichert werden könnten“, sagte der Sprecher.

          Auch bekannte Mutanten nachgewiesen

          Geplant war eigentlich, dass bis Ende Mai insgesamt 237 Millionen Dosen des Impfstoffs von Astra-Zenica ausgeliefert werden sollten. Seit Januar hat Indien schon mehr als 60 Millionen Impfstoffdosen in rund 80 Länder exportiert, rund 18 Millionen davon an Covax. Im eigenen Land wurden bisher 53 Millionen Dosen verabreicht. Damit hinkt Indien seinem Ziel hinterher, bis zum Sommer 300 Millionen Menschen zu impfen. Angesichts steigender Infektionszahlen hat die Regierung angekündigt, die Impfkampagne auszuweiten. Vom 1. April an sollen sich alle Einwohner im Alter ab 45 Jahren für eine Impfung registrieren können.

          Fachleute sehen derzeit den Beginn einer zweiten Welle in dem Land mit 1,35 Milliarden Einwohnern. Die Zahl der Neuinfektionen lag am Donnerstag zum ersten Mal seit fast fünf Monaten wieder bei mehr als 50.000. Sorgen bereitet dabei unter anderem die Entdeckung einer neuen Virus-Variante.

          Dabei handelt es sich dem Gesundheitsministerium um eine „Doppelmutation“, bei der zwei Varianten in einem Virus zusammenkommen. In diesem Fall sind es die Mutationen E484Q und L452R. In 206 von 1600 Proben im westindischen Bundesstaat Maharashtra seien diese Mutationen nachgewiesen worden, hatte Sujeet Kumar Singh vom National Centre for Disease Control Mittwoch bei einer Pressekonferenz berichtet. Es sei bisher aber nicht möglich, die Zunahme der Infektionen darauf zurückzuführen.

          Die Doppelmutation wurden in geringerer Zahl auch in sechs anderen Regionen nachgewiesen. Ebenfalls in Indien nachgewiesen wurden bislang die bekannten Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Seit Beginn der Pandemie hat das Land mehr als elf Millionen Fälle nachgewiesen, das ist die höchste Zahl hinter Brasilien und den Vereinigten Staaten.

          Zuvor waren die Infektionszahlen seit November stark gesunken, so dass manche schon eine Herdenimmunität in einigen Gebieten Indiens vermutet hatten. Die neue Welle wird nun darauf zurückgeführt, dass sich das Virus in Bevölkerungsteilen verbreite, die zuvor noch nicht betroffen waren und die viele der Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr beachteten.

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