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Tschad : Kämpfe an allen Fronten

  • -Aktualisiert am

Auch die Rebellen der Fuc mischen mit Bild: AFP

Im Osten Tschads droht ein Zweifrontenkrieg zwischen der Armee und zwei Rebellengruppen. Die Aufständischen operieren von Darfur aus und werden von Sudan bewaffnet. Offener denn je drohen sie auch den EU-Soldaten, die schon bald nach Tschad einrücken sollen.

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          Im Osten Tschads droht ein Zweifrontenkrieg zwischen der Armee und zwei Rebellengruppen. Nachdem die tschadische Armee am 26. November Einheiten der Rebellengruppe „Union des forces pour la démocratie et le développement“ (UFDD) in Biltine, rund 80 Kilometer nördlich der Provinzstadt Abéché angegriffen hatte, ist sie seit dem Wochenende zudem in Kämpfe mit den Rebellen der „Rassemblement des forces pour le changement“ (RFC) etwa 120 Kilometer weiter nördlich, in Kalaït, verwickelt. Beide Rebellengruppen sind von der sudanesischen Krisenregion Darfur aus aktiv. Angesichts der Kämpfe ist die Versorgung der auf mindestens 200.000 Menschen geschätzten Flüchtlinge im Grenzgebiet zum Erliegen gekommen.

          Die RFC beschuldigt nun, wie zuvor die UFDD Frankreich, der tschadischen Armee Luftunterstützung zu gewähren. Frankreich unterhält in Tschad zwei Stützpunkte, auf denen unter anderem Mirage-Kampfflugzeuge stationiert sind. Bei den seit mehr als einer Woche dauernden Kämpfen stellt die französische Armee den Regierungstruppen Luftaufklärung zu Verfügung, wodurch die tschadischen Kampfhubschrauber in der Lage sind, die Rebellen punktgenau zu beschießen.

          Rebellen „im Kriegszustand“ mit Frankreich

          Die UFDD hatte nach den verlustreichen Kämpfen der vergangenen Woche mitgeteilt, sie befinde sich „im Kriegszustand“ mit Frankreich, weil deren Aufklärungsflüge die tschadische Armee unterstützten. Ihr Chef Timan Erdimi hatte gedroht, auf jedes französische Flugzeug zu schießen.

          Der Großteil der geplanten europäischen Engreiftruppe zum Schutz der sudanesischen Flüchtlingslager in Tschad wird von Frankreich gestellt werden. Frankreich wird zwar regelmäßig von den Rebellen beschuldigt, den tschadischen Präsidenten Idriss Déby zu unterstützen. Bislang aber war noch keine der Gruppen soweit gegangen, den Franzosen mit Krieg zu drohen.

          Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin versicherte unterdessen, die französische Militärpräsenz in Tschad habe „keinerlei Auswirkungen auf die Aktivitäten der Rebellen“. Einen Präventivschlag der französischen Armee gegen die Rebellen schloss er aus. Verlässliche Informationen über die Opferzahlen der Kämpfe liegen bislang nicht vor. Nach Informationen aus Abéché aber sollen die erbitterten Gefechte mehrere hundert Tote gefordert haben.

          Von Sudan bewaffnet

          Bei der Versorgung der verletzten Regierungssoldaten spielt Frankreich ebenfalls eine wichtige Rolle. So werden die Schwerverletzten zunächst in einem Lazarett der französischen Armee in Abéché notversorgt, bevor sie mit tschadischen und französischen Flugzeugen nach N‘Djamena transportiert werden. Viele der Schwerverletzten werden nach Angaben des tschadischen Außenministeriums mittlerweile nach Senegal, Libyen und Ägypten ausgeflogen, weil die Kapazitäten in der Hauptstadt N‘Djamena nicht mehr ausreichen.

          Die beiden Rebellengruppen UFDD und RFC sind die stärksten der insgesamt fünf tschadischen Rebellengruppen. Beide Gruppen hatten am 25. Oktober in Libyen einen Friedensvertrag mit der Regierung in N‘Djamena unterzeichnet, der unter anderem die Gründung von politischen Parteien sowie die Integrierung ihrer Kämpfer in die Armee vorsah. Beide Gruppen beschuldigen den tschadischen Präsidenten Déby, das Abkommen zu ignorieren.

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