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Auf dem „Shangri-La Dialogue“ : Eine Nato des Fernen Ostens?

Auf der Sicherheitskonferenz „Shangri-La Dialogue“: Singapurs Premierminister Teo Chee Hean und der Verteidigungsminister Malaysias Mat Sabu. Bild: Reuters

Am Freitagabend wird in Singapur die wohl wichtigste Sicherheitskonferenz in der Region Asien-Pazifik, der „Shangri-La Dialogue“ eröffnet. Unter anderem soll über ein neues Bündnis diskutiert werden.

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          Der „Shangri-La Dialogue“ ist die wichtigste Sicherheitskonferenz in der Region Asien-Pazifik. Insgesamt nehmen Minister aus 18 Ländern teil, darunter auch der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die Eröffnungsrede hielt am Freitagabend der indische Ministerpräsident Narendra Modi. Es war eine Erinnerung daran, dass es in Asien neben dem Korea-Konflikt noch andere drängende politische Fragen gibt, etwa die Gebietskonflikte im Südchinesischen Meer sowie die Zukunft Indiens und des Indischen Ozeans.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Indien, das in absehbarer Zeit China als bevölkerungsreichstes Land ablösen und bis zum Jahr 2050 voraussichtlich die zweitgrößte Volkswirtschaft hinter China sein wird, sollte nach Ansicht vieler in der Region auch sicherheitspolitisch eine stärkere Rolle spielen – als Ausgleich zu China. Daher rührt die Idee, den Pazifischen und den Indischen Ozean zusammen stärker als eine strategische Einheit zu sehen. Sie wird von asiatischen Anrainerländern schon seit längerem propagiert. Die Regierung von Donald Trump fördert das, indem sie nicht mehr von der Region Asien-Pazifik, sondern nur noch von der indo-pazifischen Region spricht. In dieser Woche haben die Amerikaner nun sogar das seit 71 Jahren bestehende Pazifikkommando der amerikanischen Streitkräfte umbenannt: aus „U.S. Pacific Command“ wurde das „United States Indo-Pacific Command“. Der amerikanische Verteidigungsminister will am Samstag in Singapur über die Herausforderungen der „indo-pazifischen Sicherheit“ sprechen.

          Der Schlüssel für Indiens Zukunft

          In aller Munde ist in Singapur an diesem Wochenende auch die Wiederbelebung eines alten Verteidigungsbündnisses zwischen den Vereinigten Staaten, Indien, Japan und Australien. Dieser „Quad“ genannte Verbund erlebt seit Ende des vergangenen Jahres eine Renaissance. Manche sehen darin eine gegen China gerichtete „Nato des Ostens“, der sich noch andere Länder in der Region anschließen könnten. Gerade Indien sucht nach weiteren Verbündeten in der Region.

          So hatte Regierungschef Modi, der sich unter dem Motto „Act East“ verstärkt Ostasien zuwendet, vor seiner Ankunft in Singapur auch die Nachbarländer Indonesien und Malaysia besucht. Mit Indonesiens Präsident Joko Widodo hatte er eine engere wirtschaftliche, militärische und maritime Zusammenarbeit vereinbart. In seiner Eröffnungsrede in Singapur unterstrich er am Freitag die Bedeutung des Indischen Ozeans für sein Land. „Der Indische Ozean ist der Schlüssel für Indiens Zukunft“, sagte Modi. Doch die südostasiatischen Länder sind vorsichtig, sich Bündnissen wie dem „Quad“ anzuschließen. In Peking wird das Indo-Pazifik-Konzept als eine Politik der Eindämmung verstanden. Die meisten Länder in der Region suchen nach einem Kurs zwischen den rivalisierenden Mächten China und Amerika. Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan hatte vor kurzem erklärt, dass der Stadtstaat lieber abwarte, als sich einem solchen Bündnis anzuschließen.

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