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Russland und die Causa Flynn : Scheidung vor den Flitterwochen

„Großer Freund Russlands?“ Das Verhältnis der Präsidenten Trump und Putin erscheint in neuem Licht. Bild: Reuters

Lange nährte Moskau Erwartungen einer neuen Freundschaft mit Washington – nun wird gegen den „Trump-Kult“ in den Medien demonstriert. Die Causa Flynn bringt auch Präsident Putin in Bedrängnis.

          Russlands Fernsehen zeigt Bilder aus dem Kreml: Wladimir Putin empfängt die Männer, die künftig die Regionen Nowgorod, Rjasan und Karelien regieren sollen. Wie Schuljungen sitzen sie vor ihrem Präsidenten und erklären, warum sie gut auf ihre neue Verwendung vorbereitet sind. Der erste am Montag, der zweite am Dienstag, der dritte am Mittwoch: An den Tagen, an denen sich Putin mit jeder Stunde mehr zur Nemesis des neuen amerikanischen Präsidenten zu entwickeln scheint, hat er Besseres zu tun, als sich um Donald Trump zu kümmern. Er herrscht im Kleinen, schweigt zum Großen und überlässt es seinen Untergebenen, die Nachrichtenkaskade aus Washington zu kommentieren.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Putins Sprecher, Dmitrij Peskow, bestätigt am Montag, dass es „irgendwelche Gespräche“ des russischen Botschafters in Washington mit Michael Flynn, Trumps späterem Nationalen Sicherheitsberater, gegeben habe. Aber alle Berichte über Inhalte der Gespräche weist Peskow als „unwahr“ zurück – also auch, dass es um die wegen mutmaßlich russischer Hackerangriffe verhängten Sanktionen gegangen sei. Am Dienstag, nach Flynns Rücktritt, sagt Peskow dann nur noch knapp, man wolle die „innere Angelegenheit der Amerikaner“ und der Regierung Trump nicht kommentieren.

          Die Causa Flynn bedeutet für den Kreml, dass es nun so aussieht, als wäre Putin auf einen Hochstapler hereingefallen. Laut amerikanischen Berichten, die sich auf die Gesprächsmitschnitte berufen, signalisierte Flynn dem Botschafter Ende Dezember, dass die gerade von dem scheidenden Präsidenten Barack Obama angeordneten Strafmaßnahmen wegen Moskaus Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf unter Trump aufgehoben werden könnten.

          Obamas Sanktionen und die verhaltene Reaktion Putins

          Obama hatte 35 russische Diplomaten ausgewiesen, zwei russische Liegenschaften geschlossen und Sanktionen gegen sechs russische Staatsbürger, zwei Geheimdienste und drei Unternehmen verhängt. Moskauer Antwortmaßnahmen wären fällig geworden, zumal man die Eingriffe in den Wahlkampf bestreitet. Das Außenministerium hatte für Putin nach eigenen Angaben auch rasch eine Liste möglicher Maßnahmen zusammengestellt. Aber der Präsident ließ überraschend mitteilen, man wolle niemanden ausweisen, arbeite stattdessen darauf hin, die Beziehungen beider Länder unter dem künftigen Präsidenten „ausgehend“ von dessen „künftiger Politik“ zu erneuern.

          Die Erklärung war nicht nur eine weitere schmeichelhafte Botschaft an die Adresse Trumps: Sie erschien als ein Beispiel für die Lässigkeit Putins und sogar für Charme, denn der Präsident lud die Kinder der amerikanischen Diplomaten in Russland in den Kreml ein, um den Weihnachtsbaum anzusehen. Mit der Enthüllung, Flynn habe gegenüber dem Botschafter angeregt, auf eine „Überreaktion“ zu verzichten, ist nicht nur der Anschein von Großmut dahin. Es wirkt sogar so, als sei Putin auf Versprechungen (mindestens) Flynns hereingefallen; als habe er Trump einen Vertrauensvorschuss gewährt und dabei nicht verstanden, dass der neue Präsident in Washington nicht imstande sein würde, Wünsche so einfach Wirklichkeit werden zu lassen, wie er, Putin, das im „machtvertikalen“ Russland kann. Dass sich Putin verkalkuliert und damit Fehler macht, kommt immer wieder vor – es ist aber in der Moskauer Außendarstellung nicht vorgesehen. In solchen Fällen hat das Parlamentspersonal umso deutlicher gegen äußere Widersacher zu wettern.

          Ein führender Außenpolitiker reagiert gereizt

          So schreibt Konstantin Kossatschow, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Oberhaus, am Dienstag auf Facebook, „Falken in Washington“ sähen schon bloße „Bereitschaft zum Dialog mit Russen“, wie Flynn sie zu Besuch in Moskau und im Gespräch mit dem Botschafter gezeigt habe, als „Gedankenverbrechen (siehe der unsterbliche George Orwell)“. Schon seit dem Überraschungssieg Trumps zielte der Kreml darauf ab, die in der Bevölkerung während des amerikanischen Wahlkampfs über die gelenkten Medien geschürten Erwartungen an eine Präsidentschaft des „großen Freundes Russlands“ Trump zu dämpfen.

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