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Weltkongress für Familien : „In der Sache richtig, in der Methode verkehrt“

„Mehr Familien, mehr Kinder“: Am Sonntag zogen Anhänger des „Weltkongresses der Familien“ durch Verona Bild: AFP

Zehntausende demonstrieren in Verona gegen den Weltfamilienkongress erzkonservativer Christen – bei dem auch Innenminister Salvini als Redner auftritt. Selbst Papst Franziskus äußert sich.

          Am Wochenende stand Verona – die „Stadt der Liebenden“, wie sich die Metropole in Venetien zu vermarkten pflegt – im Mittelpunkt des politischen Interesses in Italien. Dort fand von Freitag bis Sonntag die Jahrestagung des „Weltkongresses für Familien“ statt. Dieser wurde 1997 in den Vereinigten Staaten gegründet, überwiegend von evangelikalen Christen, auch von erzkonservativen Katholiken. Seit 2012 hält die Organisation jedes Jahr einen großen Kongress mit Dutzenden Veranstaltungen und noch mehr Rednern ab. Ziel des WCF ist die „Verteidigung und Bekräftigung der natürlichen Familie als einzig grundlegender und dauerhafter Einheit der Gesellschaft“. Dazu gehören die Ablehnung der Homosexualität, schon gar der Homo-Ehe, dazu von Scheidung und Abtreibung.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Präsident des WCF ist der Kalifornier Brian Brown, der vor Jahren vom Quäkertum zum Katholizismus konvertierte und Vater von neun Kindern ist. Der Kongress wandert jährlich von Land zu Land. Letztes Jahr tagte der WCF in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau. In Verona führte die WCF-Tagung zu einer doppelten politischen Mobilisierung. Am Freitag protestierten Zehntausende Menschen gegen die Vereinigung. Es war das selbsternannte „Regenbogen“-Italien, das sich zusammenschloss: Schwulen- und Lesbenverbände, Feministinnen, auch Vertreter der Linken. Die Demonstranten sangen die Widerstandshymne „Bella Ciao“ und trugen Schilder wie „Über unsere Körper und unsere Begierden entscheiden wir selbst“ mit sich. Auf einem anderen Transparent stand: „Ihr habt Angst vor Regenbogenfamilien, weil ihr nur schwarz-weiß sehen könnt.“

          Die Polizei und örtliche Medien sprachen von 20000 bis 30000 Teilnehmern, die Organisatoren wollten fast 100000 Demonstranten gezählt haben. Auch Aktivisten aus Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, Polen und Kroatien waren gekommen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Front schlossen die politisch und theologisch Konservativen die Reihen. Zu den prominentesten Rednern gehörte Innenminister und Vizeregierungschef Matteo Salvini, Parteichef der rechtsnationalistischen Lega. Familienminister und Vize-Parteichef Lorenzo Fontana hielt die Fahne der Lega noch höher, als informeller Schirmherr der Veranstaltung. Fontana ist konservativer Katholik, stammt selbst aus Verona und ist ein enger Vertrauter von Parteichef Salvini.

          76 Prozent der Ärzte weigern sich, eine Abtreibung vorzunehmen

          Zu Beginn der Tagung wurden Gumminachbildungen eines zehn Wochen alten Fötus an die Teilnehmer überreicht mit der Botschaft „Abtreibung stoppt ein schlagendes Herz“. Außerdem vertrat bei dem Treffen ein Ausschuss die Forderung nach einem Referendum zur Änderung des italienischen Abtreibungsgesetzes. Als „Gesetz Nr. 194“ ist in Italien die am 22. Mai 1978 in Kraft getretene Aufhebung des bis dahin geltenden absoluten Abtreibungsverbots bekannt. Seither sind in Italien Abtreibungen nach einem obligatorischen Beratungsgespräch bis zum 90.Tag der Schwangerschaft erlaubt. Danach ist ein Schwangerschaftsabbruch nur noch möglich, wenn das Leben der werdenden Mutter gefährdet ist oder der Fötus schwere Missbildungen aufweist.

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