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Corona in Österreich : „Die Infektionszahlen steigen rasant“

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt in Österreich bei 713,9. Bild: dpa

Der Gesundheitsminister in Wien schlägt Alarm und bringt regionale Lockdowns ins Spiel. Besonders hohe Infektionszahlen gibt es in Oberösterreich, wo die FPÖ mitregiert. Die lehnt Impfungen und Einschränkungen aber ab.

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          Wegen Höchstständen bei den Corona-Ansteckungszahlen und drohender Überbelegung der Intensivbetten drohen in Österreich drastische Maßnahmen zumindest in einigen Regionen. In Wien bat Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Mittwoch die Landeshauptleute von Oberösterreich und Salzburg zu einer Video-Beratung am Mittwochnachmittag. Laut Medienberichten möchte er, dass in diesen besonders stark betroffenen Bundesländern Ausgangsbeschränkungen verhängt werden. Insgesamt wurde in Österreich eine bislang in dieser Pandemie noch nie erreichter Stand an Ansteckungen registriert, 11.398 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Bislang lag die Höchstzahl unter 10.000 (9943 Fälle am vorigen Samstag).

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt in Österreich bei 713,9 (zum Vergleich: Deutschland 232,1). Am höchsten ist sie in Oberösterreich (1173,5) und Salzburg (933,5), am niedrigsten im Burgenland (476,3) und in Wien (445,7). In Oberösterreich regiert die christdemokratische ÖVP zusammen mit der rechten FPÖ, die sich scharf gegen einschränkende Maßnahmen und Impfverpflichtungen ausspricht, in Salzburg gibt es eine schwarz-grün-liberale Koalition. Das Burgenland und Wien sind hingegen sozialdemokratisch geführt.

          FPÖ nennt Wiener Bürgermeister „Kinder- und Jugendschreck“

          Die SPÖ kritisierte denn auch am Mittwoch das „katastrophale Corona-Management der Regierung“. Aber auch die FPÖ beharrte auf ihrem Kurs und kritisierte den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig wegen dessen Corona-Politik, die ein Stück rigider als die im Bund ist und Impf- beziehungsweise Testverpflichtungen beim Ausgehen auf Kinder ab 12 Jahren ausweitete, als „Kinder- und Jugendschreck“.

          In den österreichischen Kliniken liegen derzeit (Mittwochnachmittag) 413 Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen. Binnen einer Woche stieg die Belegung der Intensivbetten um 80 an. Dauert die Entwicklung der vergangenen Tage an, so sei schon am kommenden Mittwoch mit mehr als 600 Intensivpatienten zu rechnen, wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufungen auf Berechnungen des Covid-Prognosekonsortiums meldete.

          Erwägt offenbar regionale Ausgangsbeschränkungen: Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne)
          Erwägt offenbar regionale Ausgangsbeschränkungen: Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) : Bild: dpa

          Gesundheitsminister Mückstein sprach von einer dramatischen Situation insbesondere in den beiden angesprochenen Bundesländern. „Wir müssen die Lage sehr ernst nehmen“, sagte Mückstein, bezogen auf die Situation in ganz Österreich. „Die Infektionszahlen steigen rasant.“ Doch zeigten die zuletzt ergriffenen Maßnahmen bereits Wirkung. Seit vergangener Woche gilt „3G“ am Arbeitsplatz und „2G“ für Gastronomie und Veranstaltungen. Man habe eine Verdreifachung sowohl bei den Erst- als auch den Drittimpfungen erreichen können, sagte der Gesundheitsminister. Auch sei es gelungen, die Tests weg von den unsicheren Antigentests hin zu den PCR-Testungen „voranzutreiben“: Hier habe man österreichweit bereits eine 50:50-Aufteilung zwischen den beiden Methoden erreicht.

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