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Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend. Bild: EPA

Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.

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          Die konservative Volkspartei (PP) wollte in Madrid alles besser machen. Im Parlament forderte sie in dieser Woche einen Ausschuss, um das „miserable Krisenmanagement“ der Linkskoalition während der Pandemie zu untersuchen. Doch nun bittet die Madrider Regionalregierung auf einmal kleinlaut den sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez um Hilfe. Der Regierungschef zögerte nicht und sagte zu, so bald wie möglich zu einem Krisentreffen in den Amtssitz der Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso (PP) an der Puerta del Sol zu kommen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Eigentlich wollte die PP von ihrer Madrider Hochburg aus, wo die Konservativen auch den Bürgermeister stellen, die Koalition aus Sozialisten und linksalternativer Podemos-Partei politisch sturmreif schießen. Zeitweise schien der PP-Vorsitzende Pablo Casado zu hoffen, die Pandemie würde der Regierung den Rest geben.

          Selektive Ausgangssperren

          Jetzt droht die Regionalregierung ein zweites Mal daran zu scheitern, Corona in den Griff zu bekommen: Keine europäische Stadt trifft die zweite Welle der Pandemie so hart wie Madrid. Die spanische Hauptstadt verzeichnet ein Drittel aller Neuinfektionen Spaniens – des europäischen Landes mit den meisten Neuinfektionen. Zuletzt wurden mehr als 11.000 Neuinfektionen an einem Tag und 162 Corona-Tote gemeldet. In Madrid liegt die Zahl der Fälle je 100.000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen bei 659, in Deutschland bei 23. Im Unterschied zu anderen Regionen reagierte die Madrider Regionalregierung bisher zögerlich auf die seit Wochen stark zunehmende Zahl von Neuinfektionen.

          Im Juni konnte es der Region Madrid mit etwas weniger als sieben Millionen Einwohnern nicht schnell genug bei den Lockerungen und der Aufhebung des nationalen Alarmzustands gehen, den das zerstrittene Parlament am Ende nicht mehr verlängern wollte. Seitdem sind die 17 autonomen Regionen für den Kampf gegen die Pandemie verantwortlich. Aber plötzlich ist in Madrid die Rede von Ausgangsbeschränkungen, die aber auf keinen Fall an den monatelangen Lockdown vom Frühjahr erinnern sollen.

          Am Mittwoch hatte der stellvertretende regionale Gesundheitsminister „selektive“ Ausgangssperren für Zonen angekündigt, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreitet. So kam es dann auch. Nach tagelangen Dementis und Debatten gab die Regionalpräsidentin bekannt, dass die Bewegungsfreiheit in sechs Bezirken und benachbarten Orten im Süden Madrids eingeschränkt wird. Die Einwohner dürfen sie nur verlassen, wenn sie zum Arzt, zur Arbeit oder zur Schule gehen. In diesen Zonen, in den 13 Prozent der Bevölkerung wohnen, wird auch das öffentliche Leben eingeschränkt. In der gesamten Hauptstadt-Region dürfen sich nur noch maximal sechs Personen treffen.

          Gleichzeitig schließt die Regionalregierung nicht mehr aus, das Notlazarett im Madrider Messezentrum Ifema wieder zu aktivieren. Die Bilder von Tausenden Betten in den riesigen Hallen sind vielen Madridern noch in traumatischer Erinnerung.

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