https://www.faz.net/-gpf-a5iov

Ausbruch der Pandemie : Kursierte das Coronavirus in Italien schon früher?

Priester Ende September auf einem Friedhof in Casnigo bei Bergamo Bild: AP

Das Sars-CoV-2-Virus kursierte in Italien angeblich schon Monate früher als angenommen. Das geht zumindest aus einer Studie des Instituts für Tumorerkrankungen in Mailand und der Universität Siena hervor.

          2 Min.

          Das Coronavirus hat Italien schon viel früher erreicht als bisher angenommen. Gemäß einer Studie des Instituts für Tumorerkrankungen in Mailand und der Universität Siena, deren Ergebnis am Sonntag in der Fachzeitschrift „Tumori Journal“ veröffentlicht wurde, kursierte Sars-CoV-2 schon im September 2019 vor allem im Norden des Landes. Der erste positive Test auf eine Covid-19-Erkrankung war erst Mitte Februar 2020 bei einem Kranken mit atypischer beidseitiger Lungenentzündung in Codogno in der Lombardei festgestellt worden.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          (Anmerkung der Redaktion: An der Studie der Wissenschaftler aus Mailand und Siena gibt es mittlerweile heftige Kritik. Es gebe „keinerlei Beweise“ für deren Richtigkeit, schreibt eine bekannte Immunologin. Mehr über die Debatte erfahren Sie hier)

          Die Forscher untersuchten Tests von 959 Personen, die zwischen September 2019 und März 2020 an freiwilligen Screenings für eine mögliche Tumorerkrankung der Lungen teilgenommen hatten. In insgesamt gut elf Prozent der seinerzeit entnommenen Proben konnte nun Antikörper gegen das Coronavirus festgestellt worden. 14 Prozent der nachträglich positiv auf das Coronavirus getesteten Proben waren im September 2019 entnommen worden, 30 Prozent der positiven Tests stammten aus dem Februar 2020. Mehr als die Hälfte aller positiven Proben (53,2 Prozent) stammten aus der norditalienischen Region Lombardei.

          26 Millionen Einwohner wieder im Lockdown

          Die Lombardei war während der ersten Welle der Sars-CoV-2-Infektionen im Frühjahr besonders schwer getroffen und verzeichnet auch in der gegenwärtigen zweiten Welle die höchsten Infektions- und Erkrankungszahlen. Seit Sonntag gelten in Italien auch die Toskana in Mittelitalien und die süditalienische Region Kampanien als „rote Zonen“, in welchen eine strenge Ausgangssperre gilt und viele wirtschaftlichen Tätigkeiten eingeschränkt sind. Damit sind nun rund 26 der 60 Millionen Einwohner Italiens neuerlich von einem fast vollständigen Lockdown betroffen.

          Besonders besorgniserregend ist die Situation derzeit in der kampanischen Regionalhauptstadt Neapel, wo die Krankenhäuser schon so überfüllt sind, dass Patienten in ihren Autos behandelt werden oder stundenlang in Rettungswagen warten müssen, ehe sie in den Notfallaufnahmen versorgt werden können. Italien war schon zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa besonders hart getroffen worden. Inzwischen haben sich mehr als eine Million Menschen in Italien mit Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 44.000 Menschen sind an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Seit rund einer Woche werden täglich zwischen 35.000 und 40.000 neue Infektionen registriert, die Zahl der Todesfälle liegt zwischen 550 und 600 pro Tag.

          Weitere Themen

          „Hohe psychische Belastung für Erzieher“ Video-Seite öffnen

          Kitas fordern Impfpriorität : „Hohe psychische Belastung für Erzieher“

          Ein Berliner Kita-Leiter erklärt, die psychische Belastung für Erzieher und Erzieherinnen nehme zu, da der zwischenmenschliche Kontakt für Kinder wichtig sei, aber in der Pandemie mit vielen Risiken verbunden ist. Daher hofft er auf bevorzugte Impfungen in diesem Bereich.

          Topmeldungen

          Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

          Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.
          Die Seiser Alm: Unter der Woche verliert sich auf dem größten Hochplateau Europas kaum eine Menschenseele. (Symbolbild)

          Nach Lockdown wieder geöffnet : Südtiroler Sonderweg

          Nach dem Lockdown über Weihnachten und Neujahr in ganz Italien hat Südtirol seit dem 7. Januar wieder „geöffnet“ und widersetzt sich dem Lockdown.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.