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Festnahmen in Hongkong : „Die mit dem Feuer spielen, werden darin umkommen“

Zwei Polizisten verhaften einen Demonstranten nach einer Konfrontation im Stadtteil Sham Shui Po in Hongkong Bild: dpa

Seit Wochen gehen Regierungsgegner in Hongkong auf die Straße. Nun greift die Hongkonger Polizei härter gegenüber Demonstranten durch. 148 Personen wurden festgenommen – mehr als an jedem anderen Tag.

          Die chinesische Regierung hat abermals den Ton gegenüber der Protestbewegung in Hongkong verschärft. „Ich warne alle Kriminellen davor, die Situation falsch einzuschätzen und Zurückhaltung mit Schwäche zu verwechseln“, sagte ein Sprecher der Behörde für Hongkong-Angelegenheiten am Dienstag in Peking. „Die mit dem Feuer spielen, werden darin umkommen“, fügte er hinzu. Niemand solle Chinas „feste Entschlossenheit“ unterschätzen, „den Wohlstand und die Stabilität Hongkongs zu schützen“.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der Sprecher rief die Hongkonger Bürger auf, sich den Demonstranten entgegenzustellen. „Wir müssen aufstehen, um unser wundervolles Vaterland zu schützen“, sagte Yang Guang. Den radikaleren Teil der Demonstranten bezeichnete er als „gestörte Aufrührer“, die „das Schwert der Justiz“ treffen werde. Er warf ihnen „schockierende Gewalt“ vor.

          Die Hongkonger Polizei teilte am Dienstag mit, dass bei gewaltsamen Protesten am Montag 148 Personen festgenommen worden seien, mehr als an jedem anderen Tag seit Beginn der Demonstrationen vor zwei Monaten. Die Festgenommenen seien zwischen 13 und 63 Jahre alt. Rund ein Drittel seien Frauen, sagte der Polizeisprecher. Seine Aussagen bestätigten, dass die Ausschreitungen am Montag ein neues Eskalationsniveau erreichten.

          North Point ist als Peking-Hochburg bekannt

          An einem einzigen Tag feuerte die Polizei demnach 800 Tränengaspatronen ab. In den zwei Monaten zuvor waren es insgesamt rund 1000 gewesen. Der Sprecher begründete dies damit, dass die Anzahl der gewaltsamen Zwischenfälle am Montag so hoch war wie im gesamten Juni. Aktivisten hatten in mehreren Stadtteilen Polizeistationen belagert und dabei teilweise Molotow-Cocktails geworfen und Feuer entzündet, die von der Feuerwehr gelöscht werden mussten. In den Internetgruppen der Protestbewegung gab es am Dienstag Aufrufe, das Legen von Feuer künftig zu unterlassen, um die Unterstützung der Bevölkerung nicht zu gefährden.

          Zu Gewalt kam es in der Nacht zum Dienstag auch zwischen Bewohnern und Aktivisten. Eine Gruppe weißgekleideter Männer im Stadtteil North Point griff Demonstranten mit Bambusstangen an. North Point ist als Hochburg-Pro-Peking-Kräfte bekannt. Im selben Stadtteil organisierte eine Schule am Montag trotz der Sommerferien eine Flaggenparade, um ihre Loyalität gegenüber China zu demonstrieren.

          Nach Angaben des Direktors wurden dafür Schüler und Lehrer aus dem Urlaub zurückgerufen. Die Schule reagierte damit auf mehrere Fälle, in denen Aktivisten Chinas Nationalflagge in Hongkong vom Mast geholt und ins Meer geworfen hatten. Eine Kampagne des chinesischen Staatsfernsehens zum „Schutz der Flagge“ wurde mit mehr als acht Millionen Internetbotschaften unterstützt.

          12000 Sicherheitskräfte nahmen an der Übung teil

          Eine kaum verhüllte Drohung gegen die Protestbewegung veröffentlichte am Dienstag die Polizeibehörde der Millionenstadt Shenzhen, die nur wenige Kilometer nördlich von Hongkong auf dem chinesischen Festland liegt. Die Behörde verbreitete ein Video im Internet, das Polizisten bei einem Übungseinsatz gegen gewaltsame Demonstranten zeigt, die von Statisten gespielt werden.

          Sie tragen darin die Erkennungszeichen der Hongkonger Protestbewegung, schwarze T-Shirts und gelbe Bauarbeiterhelme. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 12000 Sicherheitskräfte an der Übung teil. Dabei sei es darum gegangen, „die Moral der Truppe zu heben, die Sicherung der Feierlichkeiten (zum 70. Jahrestag der Volksrepublik am 1. Oktober) zu üben und die nationale politische Sicherheit und Stabilität zu erhalten“.

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