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Israel und Iran : Ausweitung der Dilemmazone

Zu allem bereit: Israelische Artillerie feuert im August in Richtung Libanon. Bild: dpa

Israel will eine Atommacht Iran verhindern und das Land regional eindämmen. Beides erhöht das Risiko einer umfassenden bewaffneten Konfrontation.

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          Ende Oktober veranstaltete Israel eine taktische Übung, zu der Militärs führender westlicher Staaten nach Tel Aviv reisten. Codename: „Arche Noah“. Die israelischen Streitkräfte forderten ihre Partner auf, die Evakuierungspläne für ihre Staatsangehörigen in Libanon zu aktualisieren – für den Fall einer militärischen Konfrontation mit der Schiitenorganisation Hizbullah, die von Iran gelenkt wird.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.
          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Etwa zur gleichen Zeit war das israelische Militär Gastgeber einer groß angelegten Luftwaffenübung. Kampfflugzeuge über der Negev-Wüste trainierten den Einsatz in einem imaginären „Drachenland“, das gleichwohl Assoziationen an Iran oder Syrien weckte. Wenig später wurde für die israelischen Reservisten ein plötzlicher Kriegsausbruch an der Grenze mit Libanon simuliert.

          Solche Manöver dürften nicht mehr bloß als Säbelrasseln und abschreckende Botschaften abzutun sein. Denn mit dem fortschreitenden Ausbau des iranischen Atomprogramms erhöht sich das Risiko einer militärischen Konfrontation, die sich auf die gesamte Region ausweiten könnte. Die Berichte über die zähen Verhandlungen in Wien klingen wenig ermutigend. Und selbst wenn es zu einer Einigung kommen sollte, ließen sich manche der iranischen Fortschritte kaum zurückdrehen.

          Das Know-how bliebe dem Regime in Teheran erhalten. Der Handlungsspielraum in der „Dilemmazone“, in der mancher Beobachter die israelische Regierung sieht, wird immer geringer. Die Strategen in Tel Aviv müssen zwei Risiken gegeneinander abwägen: das einer zunehmenden nuklearen Bedrohung – und das eines komplexen Militärschlags, um das iranische Atomprogramm maßgeblich zurückzuwerfen.

          Israels Politik baut seit Jahren darauf auf, dass die Androhung eines Schlages glaubwürdig ist. Vor einem Jahrzehnt versuchte der damalige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama für solche Pläne zu gewinnen. Als das scheiterte, drohte er offen, dass Israel auch im Alleingang handeln würde.

          Kann Israel alleine losschlagen?

          Heute ist die Konstellation ziemlich ähnlich: Aus israelischer Perspektive ist in Washington keine Bereitschaft zu erkennen, sich in ein neues militärisches Abenteuer zu stürzen. Es herrscht im Gegenteil die Ansicht vor, Joe Biden wolle unbedingt einen Deal mit Iran. Das Nachrichtenportal N12 zitierte am Mittwoch einen Vertreter des israelischen Sicherheitsapparats mit der Aussage, sollten die Sanktionen gegen Iran ohne neues Abkommen aufgehoben werden, würde das Regime in Teheran binnen eines halben Jahres die Atomwaffenfähigkeit erreichen. „Und dann wird Israel keine andere Wahl haben, als sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“

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          Allerdings bestehen Zweifel, dass Israel derzeit über die Fähigkeiten verfügt, allein einen Angriff auf das iranische Atomprogramm durchzuführen. Dieser wäre logistisch und militärtaktisch eine große Herausforderung. Ministerpräsident Naftali Bennett und Verteidigungsminister Benny Gantz hätten das Militär dringend angewiesen, Angriffspläne zu erarbeiten, hieß es am Mittwoch in der Zeitung „Israel Hayom“. Seit dem Abschluss des Atomabkommens 2015 seien Israels militärische Fähigkeiten nämlich auf andere Schauplätze konzentriert worden: vor allem auf Syrien und Libanon, wo der Konflikt mit den von Iran gelenkten Kräften ausgetragen wird.

          In Syrien nimmt Israel seit einigen Monaten verstärkt solche Ziele ins Visier und soll zuletzt den Radius seiner Operationen ausgeweitet haben. Einzelne Angriffe fanden tagsüber statt, was ungewöhnlich ist. Auch Iran selbst wird weiter zum Ziel mutmaßlicher israelischer Aktionen, allerdings in anderer Form: durch Cyberangriffe. Dabei geraten vermehrt „weiche Ziele“ ins Visier. Ende Oktober wurde das iranische Tankstellennetz gehackt. Kurz darauf drangen offenbar iranische Hacker der Gruppe Black Shadow in ein Datingportal der israelischen LGBTQ-Community ein und veröffentlichten private Daten.

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