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Umweltschutz in China : Mülltrennen ist die neue Mode

Ein chinesisches Mädchen wird in die Kunst des Mülltrennens eingeführt. Bild: action press

Die Chinesen sollen jetzt vollgeweinte Taschentücher in den Trockenmüll schmeißen, Sonnenblumenkerne in den Feuchtmüll. Wer nicht mitmacht, kriegt Probleme.

          3 Min.

          Viele Bürger in Schanghai haben seit Montag ein Problem. Sie werden ihren Müll nicht mehr los, weil ihr Nachbarschaftskomitee die Mülltonnen nur noch zu bestimmten Zeiten herausrückt. Nur dann nämlich, wenn Freiwillige bereitstehen, um zu überwachen, ob ihre Nachbarn die neuen Regeln für die Mülltrennung einhalten. Sie prüfen zum Beispiel, ob das verdorbene Obst aus der Plastikverpackung geholt ist, ob die Tüten gesäubert sind und ob die Batterien im richtigen Beutel für Gefahrenmüll liegen. In manchen Wohngegenden wurden Kameras über den Mülltonnen angebracht, um Sünder zu entlarven. In anderen müssen Mieter QR-Codes auf ihre Beutel kleben, damit ihr Müll zurückverfolgt werden kann. Bei Verstößen drohen Strafzahlungen und Vermerke in der Datenbank des Sozialkreditsystems „Ehrliches Schanghai“.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Es ist nicht das erste Mal, dass China versucht, seinen Bürgern das Mülltrennen beizubringen. Bislang war das wenig erfolgreich. Doch diesmal ist der Erfolgsdruck viel höher. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die neue Kampagne persönlich in Gang gesetzt. Seine „wichtigen Instruktionen zur Mülltrennung“ waren vor einem Monat Titelthema in allen Parteizeitungen. Die Ressource Müll richtig zu nutzen sei nicht nur wirtschaftlich geboten und gut für die Umwelt, es sei auch Ausdruck des Zivilisationsgrades einer Gesellschaft, schrieb Xi Jinping. Für Parteikader ist damit klar, dass ihnen Ungemach droht, wenn die Bürger in ihrem Distrikt nicht mitziehen.

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