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Casino-Affäre in Österreich : „Dann erzähl ihm halt, wie toll ich bin“

Der ehemalige FPÖ-Parteivorsitzende Heinz-Christian Strache gerät nach der Veröffentlichung der Textnachrichten immer weiter unter Druck. Bild: dpa

Textnachrichten zeigen das Ausmaß der Casino-Affäre und bringen die FPÖ wegen des Postengeschachers weiter in Bedrängnis. Strache bekam sogar Anweisungen für den Headhunter.

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          Wenn es um diskrete oder dubiose Absprachen geht, gibt es einen Spruch, den eigentlich jeder gelernte Österreicher kennt: „A Schriftl is a Giftl.“ Heinz-Christian Strache kannte dieses Sprüchlein nicht; oder er hielt Textnachrichten von seinem Handy nicht für „a Schrift’l“. Der frühere Parteivorsitzende der rechten FPÖ und Vizekanzler in den anderthalb Jahren der Mitte-rechts-Regierung unter dem damaligen (und wohl künftigen) Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat jedenfalls eine Fülle solcher Nachrichten verschickt. Manche lesen sich, als seien sie wenig diskrete Hinweise auf eher dubiose Absprachen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Sie erinnern an Redensarten, mit denen man Strache auf dem berüchtigten Ibiza-Video hören konnte. Denn auf diesen versteckt aufgezeichneten Aufnahmen ging es darum, dass Strache – zu diesem Zeitpunkt, 2017, noch nicht in der Regierung, aber erwartungsfroh – einer vermeintlichen Gönnerin allerlei Geschäfte mit dem Staat in Aussicht stellte, wenn er erst einmal in Amt und Würden sei. Ausdrücklich befand sich darunter auch der Bereich des Glücksspiels. Wohl auch deshalb sind es dieselben Ermittler, die mögliche Tatbestände im Zusammenhang mit „Ibiza“ untersuchen, die nun auch wegen der Bestellung des FPÖ-Manns Peter Sidlo als Vorstand der teilstaatlichen Casinos Austria tätig geworden sind. Im September machten sie Hausdurchsuchungen bei Strache, Sidlo, dem früheren Staatssekretär Hubert Fuchs (alle FPÖ) sowie den führenden Leuten beim Glücksspielkonzern Novomatic, Vorstandschef Harald Neumann und Eigentümer Johann Graf.

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