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Katalonien-Konflikt : Kein Ende der Krise in Sicht

Die Proteste haben in Barcelona Spuren hinterlassen. Bild: EPA

Die teils gewaltsamen Proteste in Barcelona und Katalonien halten an. Seit Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 180 Menschen verletzt, es gab 80 Festnahmen. Die Sicherheitskräfte sind überfordert.

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          Den Sicherheitskräften gelingt es nicht, die gewaltsamen Aktionen radikaler Separatisten in Katalonien zu stoppen. Nach fünf Krawallnächten ist für Samstagabend in Barcelona zu neuen Protesten aufgerufen worden. Am Freitag hatten nach einer Großkundgebung, bei der mehr als eine halbe Million Menschen friedlich gegen die jüngsten Urteile im Separatistenprozess demonstriert hatten, im Zentrum Barcelonas wieder Straßenschlachten begonnen. Bis zum frühen Morgen brannten Barrikaden, vermummte Jugendliche griffen Polizisten an, die Gummimantelgeschosse und einen Wasserwerfer einsetzten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auch in anderen katalanischen Städten kam es zu gewaltsamen Vorfällen. Eine Blockade des Autobahnübergangs nach Frankreich wurde nach mehr als 24 Stunden erst am Samstag beendet.

          Einen vergleichbaren Ausbruch extremer Gewalt habe es in Katalonien „noch nie gegeben“, sagte der katalanischen Innenminister Miquel Buch. Nach Behördenangaben wurden seit Freitag mehr als 180 Menschen verletzt. Unter ihnen waren 22 Polizisten. Es gab mehr als 80 Festnahmen. Der harte Kern der jungen Randalierer wird auf 500 Personen geschätzt, die offenbar Erfahrung haben und gut organisiert sind. Über das Internet mobilisieren sie in kürzester Zeit Hunderte weitere Unterstützer, obwohl die Behörden am Freitag die spanischen Zugänge zur separatistischen Online-Plattform „Tsunami democràtic“ abgeschaltet hatten. Gegen deren Organisatoren wird wegen des Verdachts auf terroristische Aktivitäten ermittelt. Angeblich sind auch Extremisten aus dem Ausland nach Katalonien gereist.

          Angesichts der vielen Verletzten betonte der der geschäftsführende spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Samstag nach Krisengesprächen in Barcelona, die Sicherheitskräfte handelten verhältnismäßig. Man werde Angriffe auf Polizisten jedoch nicht dulden. Die Sicherheitslage sei ernst, aber der Staat sei nicht mit ihr überfordert. Grande-Marlaska bedauerte, dass sich der katalanische Regionalpräsident Quim Torra bisher nicht klar von den gewalttätigen Separatisten distanziert hatte. Torra hatte am Morgen den amtierenden spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez aufgefordert, sich mit ihm so bald wie möglich zu einem „bedingungslosen“ Gespräch zu treffen. Zuvor hatte die katalanische Regionalregierung das Vorgehen der aus Spanien entsandten Polizeikräfte kritisiert.

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