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Coronavirus in Hongkong : Kein Interesse an BioNTech

Schlange stehen in Hongkong Bild: Reuters

In Hongkong muss die Regierung womöglich bald Vakzine wegwerfen, wenn ihre Haltbarkeit ausläuft. Warum ist gerade dort die Impfskepsis so groß?

          2 Min.

          Aufgrund der großen Impfskepsis in der Hongkonger Bevölkerung lagern in der südchinesischen Sonderverwaltungsregion Hunderttausende Dosen des BioNTech-Impfstoffs ungenutzt. In einem dringenden Appell verwies ein Mitglied der staatlichen Impfkommission am Dienstag auf die begrenzte Haltbarkeit der Vakzine. „Nach dem Verfallsdatum können sie nicht mehr genutzt werden, und die Impfzentren für BioNTech werden laut dem bisherigen Plan ab Ende September ihre Arbeit einstellen“, sagte Thomas Tsang dem Radiosender RTHK.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Bürger, die noch keinen Impftermin für das BioNTech-Vakzin gebucht hätten, hätten nur noch drei Monate Zeit, sich dafür zu entscheiden, sagte Tsang. Es sei „einfach nicht gerecht“, dass sich in Hongkong ungenutzte Dosen stapelten, während andere Regionen sich weltweit verzweifelt um Impfstoff gegen Sars-CoV-2 bemühten. Einige Hongkonger Politiker plädieren inzwischen dafür, Impfstoff, der keine Abnehmer in Hongkong findet, an andere Länder abzugeben, bevor er im Müll landet. So forderte die Abgeordnete Regina Ip, Hongkong solle Vakzine an Indien spenden.

          Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP hat Hongkong bisher Lieferungen von 3,3 Millionen BioNTech-Dosen erhalten, von denen lediglich 1,2 Millionen Dosen verabreicht worden seien. Eine unbekannte Zahl von Dosen wurde wegen mutmaßlicher Verpackungsschäden aussortiert. Die Pläne der Regierung sehen vor, dass rund die Hälfte der 6,5 Millionen impfbaren Einwohner BioNTech und die andere Hälfte das Präparat der chinesischen Firma Sinovac erhalten soll.

          Nur wenige Neuinfektionen

          Die Impfskepsis in Hongkong ist besonders groß, weil das Vertrauen in die Regierung nach den Massenprotesten von 2019 und aufgrund der zunehmend repressiven Politik Pekings gering ist. Die Angst vor Nebenwirkungen sowie Verschwörungstheorien in den sozialen Netzwerken haben zu der zögerlichen Haltung ebenso beigetragen wie eine derzeit kleine Zahl an Neuinfektionen, die eine unmittelbare Gefahr durch das Virus gering erscheinen lässt.

          Rund 19 Prozent der Hongkonger Bevölkerung haben bisher Impfangebote wahrgenommen. Nur knapp 14 Prozent sind trotz ausreichend vorrätiger Vakzine doppelt geimpft. Deshalb gibt es Forderungen, die Impfbereitschaft durch finanzielle staatliche Anreize zu steigern. Regierungschefin Carrie Lam wies dies am Dienstag zurück. „Das könnte den gegenteiligen Effekt haben“, sagte sie. Stattdessen appellierte Lam an Unternehmen, ihre Mitarbeiter, auch mithilfe von Geld und Geschenken, zur Impfung zu ermutigen. Die Regierung erwäge außerdem, staatlichen Angestellten zusätzliche freie Tage zu gewähren, wenn sie sich impfen ließen.

          Noch geringer als an BioNTech ist das Interesse der Hongkonger an dem Präparat von Sinovac, das 45 Prozent der Geimpften erhalten haben. Das liegt auch daran, dass das chinesische Unternehmen seine Daten unabhängigen Forschern bisher kaum zugänglich gemacht hat. Von der WHO wurde das Vakzin noch nicht zugelassen.

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