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Impeachment-Anhörungen : Sie prügeln sich für ihre Parteien

Hier finden die Impeachment-Anhörungen gegen Donald Trump statt: Auf dem Capitol Hill in Washington. Bild: Reuters

In den Impeachment-Anhörungen gegen Donald Trump wird mit harten Bandagen gekämpft – Polarisierung steht auf der Tagesordnung. Ein Demokrat und ein Republikaner fallen besonders auf.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Es ist Donnerstagnachmittag. Zwei Wochen der öffentlichen Impeachment-Ermittlungen in Washington neigen sich dem Ende zu. Und jetzt kommt es noch einmal zu einem Kräftemessen. Jim Jordan hat nun schon mehrere Minuten den vor ihm sitzenden Zeugen attackiert. Er redet schnell, und er redet laut. Er kennt nur diese Tonlage. Er stellt dem Zeugen Fragen – aber er gibt ihm keine Gelegenheit, zu antworten. So wird die Zeugenvernehmung zu einer Anklage. Jordan ist der wichtigste Verteidiger Donald Trumps, und er ist sauer. Eigentlich war die Aussage des Zeugen gar nicht vorgesehen. Der Republikaner fühlt sich ausgetrickst.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Dass David Holmes als zwölfter Zeuge nachnominiert wurde, war William Taylor zu verdanken. Der geschäftsführende Botschafter in der Ukraine hatte am ersten Tag der öffentlichen Anhörungen seiner früheren Aussage, die er hinter verschlossener Tür gemacht hatte, ein brisantes Detail hinzugefügt. Ein Mitarbeiter der Botschaft in Kiew habe ihm in der vergangenen Woche erzählt, dass er ein Telefonat Trumps mit EU-Botschafter Gordon Sondland verfolgt habe. Dabei habe der Präsident so laut gesprochen, dass er ihn fragen hörte, was mit den „Ermittlungen“ sei. Am 26. Juli war das, also genau einen Tag nach dem berühmten Telefongespräch, in dem Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj drängte, Ermittlungen gegen Joe und Hunter Biden einzuleiten.

          Hartnäckiger Trump-Anwalt

          Dieser Mitarbeiter ist Holmes. Der Ausschussvorsitzende Adam Schiff setzte ihn kurzfristig auf die Zeugenliste. Und nun, in der Schlussrunde der Befragung, geraten der Demokrat und der Republikaner noch einmal richtig aneinander. Jordan hat Holmes soeben mehrfach gefragt, warum er Taylor erst kürzlich von dem mitgehörten Gespräch erzählt habe und nicht schon im Sommer. Eine Antwort wollte er nicht hören. Sein Ziel ist es, Holmes unglaubwürdig erscheinen zu lassen, als einen Diplomaten, der mit den Demokraten unter einer Decke steckt.

          Schiff weist Jordan darauf hin, dass seine Redezeit abgelaufen sei. Dann wendet er sich an Holmes: Der Zeuge habe das Recht auf Erwiderung. Der Diplomat will gerade erklären, dass er sich unmittelbar nach dem Telefonat Trumps mit Sondland an Taylors Stellvertreter gewandt habe, da der Botschafter selbst in der Ostukraine weilte. Und dass er davon ausgegangen sei, dass der zweite Mann in der Botschaft die Nachricht weiterleite. Doch braucht Holmes für diese Sätze fünf Anläufe, weil Jordan ihn immer wieder unterbricht. „Mr. Jordan, Ihre Zeit ist abgelaufen“, ermahnt ihn Schiff. „Mr. Jordan, bitte unterbrechen Sie den Zeugen nicht.“ Jordan redet weiter. Noch einmal Schiff: „Mr. Jordan!“ Dann greift er zum Hammer, klopft auf das hölzerne Brett. Erst dann gibt Jordan Ruhe.

          Von links: Daniel Goldman, Adam Schiff, Devin Nunes, Steve Castor, Jim Jordan, Michael Conaway

          Das Aufeinandertreffen von Schiff und Jordan ist kein Zufall. Nancy Pelosi, die ranghöchste Demokratin im Kongress, hatte Schiff, den Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses, mit der Federführung der parlamentarischen Ermittlungen beauftragt. Weil er der beste Ausschussvorsitzende ist, über den die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses verfügt. Man darf Trump, der sich mit Schiff seit Wochen ein Fernduell liefert, unterstellen, dass er dies ähnlich sieht. Jedenfalls nennt er ihn nicht ohne Grund „Shifty Schiff“, den durchtriebenen Schiff. Zudem sah er sich veranlasst, ihm Jordan gegenüberzustellen, der dem Ausschuss eigentlich gar nicht angehörte. Die republikanische Fraktionsführung versetzte Jordan kurzerhand in den Geheimdienstausschuss, weil Trump Obmann Devin Nunes den Job nicht zutraute. Nur formal blieb Nunes das ranghöchste republikanische Mitglied in den Ermittlungen.

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