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Isolierung Taiwans : Schalten Sie den Leuchtturm an

Diplomatisches Schattendasein: Taiwans Außenminister Wu Bild: Reuters

Taiwan appelliert im Streit mit China um die Anerkennung seiner Unabhängigkeit an die internationale Gemeinschaft – diese verhält sich jedoch weitgehend zurückhaltend. Amerika setzte kürzlich ein starkes Zeichen der Unterstützung.

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          Die meisten Außenminister der Welt machen um Joseph Wu einen großen Bogen. Als taiwanischer Außenminister darf er nicht nach Berlin oder Paris fliegen, um dort für die Politik seiner Regierung zu werben. Wenn er einen amerikanischen Kongressabgeordneten treffen will, muss er das bei einer Zwischenlandung weit weg von Washington tun. Der Grund dafür ist der ungeklärte Status Taiwans, das nur von 17 Ländern weltweit anerkannt wird, darunter von Ministaaten wie Nauru und dem Vatikan. Einerseits führt Taiwan, und damit auch Joseph Wu, also ein diplomatisches Schattendasein. Anderseits haben die Vereinigten Staaten gerade eine neue De-facto-Botschaft in Taipeh eröffnet, die so groß ist, dass mehr als 400 Mitarbeiter darin Platz finden. Der Neubau hat mehr als doppelt so viel gekostet wie die amerikanische Vertretung in Berlin. Zwar steht auf dem Schild am Eingang nicht „Botschaft“, sondern „American Institute in Taiwan“. Doch die Investition macht deutlich: Im geostrategischen Ringen mit China misst Amerika Taiwan eine wachsende Bedeutung zu.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Eine Zeitlang hatte es in Taipeh die Sorge gegeben, man könnte zu einer Spielkarte im Poker der Großmächte werden, gehalten von einem sprunghaften amerikanischen Präsidenten. Doch Außenminister Wu zeigt sich im Gespräch mit dieser Zeitung unbesorgt. „Eine Figur auf einem Schachbrett, das haben viele Leute gesagt“, bestätigt er in einem Empfangssaal in seinem Ministerium in Taipeh. „Aber die amerikanische Regierung setzt sich weiter öffentlich für uns ein und hat uns auch im Gespräch versichert, dass sie die Beziehungen zu Taiwan als bedeutend betrachtet, unabhängig von den amerikanischen Beziehungen mit anderen Ländern.“ Bestätigt sieht sich Wu dadurch, dass die Navy zuletzt mehrfach Kriegsschiffe durch die Taiwan-Straße geschickt hat. „Ich denke, das Signal ist klar genug, dass die Vereinigten Staaten entschlossen sind, China davon abzuhalten, militärisch gegen Taiwan vorzugehen.“

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