https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/im-konflikt-um-karabach-droht-ein-grosser-brand-16976104.html

Konflikt um Nagornyj Karabach : Die Gefahr eines großen Brandes

Bild aus einem Video, das das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am 28. September auf seiner Website veröffentlicht hat. Bild: AFP

Eine Lösung des Konflikts um Karabach ist ohne Veränderungen in Armenien und Aserbaidschan nicht möglich. Aber die Interessen Russlands und der Türkei machen die Lage noch gefährlicher.

          1 Min.

          Armenien und Aserbaidschan sind Gefangene im Konflikt um Nagornyj Karabach. In beiden Ländern sind die Gesellschaften durchdrungen von der mehr als dreißig Jahre währenden Auseinandersetzung: Die Armenier sehen in ihren Erfolgen im Krieg der Jahre 1991 bis 1994 den Beleg dafür, dass sie nicht mehr wehrlose Opfer sind wie während des Völkermords im Osmanischen Reich 1915, in Aserbaidschan halten mehrere hunderttausend Vertriebene aus den von Armenien besetzten Gebieten rings um Karabach den Wunsch nach Revanche wach. Korrupte Eliten auf beiden Seiten schüren diese Gefühle: Die Erfordernis nationaler Einheit gegenüber dem Feind dient ihnen als Legitimation. Eine Lösung des Konflikts ist kaum denkbar ohne Veränderungen in den Ländern.

          Gefangene dieses Konflikts sind beide Staaten indes auch wegen der Interessen äußerer Mächte: Für Russland ist der Schwebezustand ein Mittel, seinen Einfluss in der Region aufrechtzuerhalten. Es will das Feuer nicht löschen, sondern kleinhalten. Solange das so blieb, war der Westen kaum an der Region interessiert. Nun ist die Gefahr groß, dass dort ein großer Brand entsteht, der über das umkämpfte Gebiet hinausreicht. Dass die Türkei, die an der Seite Aserbaidschans steht, sich den internationalen Rufen nach Mäßigung nicht anschließt, macht die Lage im Südkaukasus, in dem sich viele Interessen kreuzen, noch gefährlicher.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wladimir Putin mit dem turkmenischen Präsidenten Serdar Berdymuchamedow am Mittwoch in Aschgabad

          Beziehungen zu Moskau : Putin sucht neue Allianzen

          Der Kreml versucht andere Bündnisse als Alternative zu G7 und NATO aufzubauen. Auf China kann Wladimir Putin dabei bauen. Auch ehemalige Sowjetrepubliken versucht er zu gewinnen.
          R. Kelly 2019 ach einer Anhörung vor Gericht

          Missbrauchsprozess : Ex-Popstar R. Kelly muss 30 Jahre in Haft

          Der „I Believe I Can Fly“-Sänger hat nach Einschätzung des Gerichts drei Jahrzehnte lang Minderjährige missbraucht. R. Kelly stelle deshalb auch künftig eine Gefahr dar und muss für 30 Jahre ins Gefängnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.