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Vojislav Šešelj : Im Gespräch mit einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher

Vor Schrankwand: Seseljs Buch über den ehemaligen Präsidenten heißt „Der hinterhältige gallische Lackaffe Jacques Chirac“.
Vor Schrankwand: Seseljs Buch über den ehemaligen Präsidenten heißt „Der hinterhältige gallische Lackaffe Jacques Chirac“. : Bild: Zorana Jevtic

Und wie hieß noch Ihre Studie über Tony Blair?
Seselj: Der englische Schwuchtelfurz Tony Blair.

Waren diese Titel Ihre Idee?
Seselj: Das waren alles meine Ideen.

Hatten Sie in Den Haag Kontakt zu Slobodan Milosevic?
Seselj: Wir waren bis zu seinem Tod 2006 gemeinsam dort, und ein ganzes Jahr lang waren wir im selben Block, so dass wir jeden Tag viel Zeit miteinander verbracht haben. Wir sind dort Freunde geworden.

Sie mussten also erst im Gefängnis landen, um sich mit Milosevic anzufreunden.
Seselj: Ja. In Serbien waren wir nie Freunde. Wir hatten kurze Perioden der Zusammenarbeit und lange Perioden heftiger Streitigkeiten. Aber dort sind wir Freunde geworden. Er war ein kluger und gebildeter Mann.

Fast so klug wie Sie.
Seselj: Fast. Das bisschen, das ihm gefehlt hat, hinderte ihn daran, in den neunziger Jahren viel größere Ziele zu erreichen.

Manche sagen, Sie seien Milosevics Lieblingsoppositioneller gewesen, als der noch Präsident Jugoslawiens war.
Seselj: Ich war nie Milosevics Lieblingsoppositioneller, auch wenn meine Gegner solche Aussagen machen. Die Wahrheit ist, dass Milosevic 1992 in einem Interview auf die Frage, welchen Oppositionspolitiker er am meisten schätze, geantwortet hat, am meisten schätze er mich, weil ich meine politischen Ansichten nicht von heute auf morgen ändere und weil meine Partei nicht aus dem Ausland finanziert wird. Das war alles.

Ihre Partei bekommt auch jetzt keine Finanzierung? Einige Leute sagen, die Russen würden bezahlen.
Seselj: Das stimmt nicht. Uns bezahlen sie sicher nicht, und ich glaube nicht, dass die Russen irgendeine andere Partei finanzieren.

Haben Sie den stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Dimitrij Rogosin nicht um Hilfe gebeten, als der Sie unlängst besuchte?
Seselj: Nein. Das Gesetz verbietet die Finanzierung von Parteien aus dem Ausland, und außerdem wollen wir so unabhängig wie möglich sein. Wir sind russophil, weil wir das in uns spüren, aber nicht weil unsere Zentrale außerhalb der Grenzen Serbiens läge. Unsere Zentrale ist hier.

Wohl gesetzter Furor: Vojislav Šešelj lässt sich am Samstag in Belgrad von seinen nationalistischen Anhängern feiern.
Wohl gesetzter Furor: Vojislav Šešelj lässt sich am Samstag in Belgrad von seinen nationalistischen Anhängern feiern. : Bild: AFP

Waren Sie im Gefängnis des Kriegsverbrechertribunals auch mit dem bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic befreundet?
Seselj: Auch mit Karadzic habe ich Zeit verbracht. Wir waren nicht im selben Block, aber wir waren befreundet.

Wer war Ihr bester Freund in Haag?
Seselj: Es gab mehrere. Am nächsten standen mir Milan Martic, Anführer der Republik Serbische Krajina, General Nebojsa Pavkovic und Goran Hadzic, ebenfalls ehemaliger Anführer der Republik Serbische Krajina.

Und der kroatische General Ante Gotovina?
Seselj: Zu Ante hatte ich ein korrektes Verhältnis, aber er war irgendwie in sich gekehrt, abseits. Er wollte nie über Politik oder den Krieg sprechen. Er wollte über Sport und Malerei reden, und das hat mich nicht sehr interessiert.

Hatten Sie mit dem früheren General Ratko Mladic Kontakt?
Seselj: Mladic war schon ernsthaft krank, als er kam. Er kam schon mit zwei Schlaganfällen nach Den Haag.

Gab auch Leute, die Ihre Feinde waren im Haag – Menschen, die Sie gehasst haben?
Seselj: Meine Feinde, die ich gehasst habe, waren jene Serben, die Deals mit der Anklagebehörde geschlossen und für eine geringere Strafe gegen andere ausgesagt haben, Verräter wie Milan Babic zum Beispiel, der ehemalige Präsident der Republik Serbische Krajina. Babic hat vor allem meinetwegen Selbstmord begangen. Ich habe ihn derart beleidigt und beschimpft, dass er es nicht mehr aushielt. Und der bosnische Serbenführer Miroslav Deronjic hat letztlich vor allem dank meiner Schikanen und Misshandlungen Knochenkrebs bekommen, an dem er starb. Und es tut mir um keinen leid.

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