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Im Gespräch: Michael Beary : „Unsere Mission kann als Vorbild dienen“

Colonel Michael Beary, Kommandeur der europäischen Militärmission EUTM, in Ugandas Hauptstadt Kampala Bild: Lorenz Hemicker

Die EU plant eine Militärmission für Mali. In Uganda gibt es sie bereits. Der Kommandeur der „European Training Mission“ (EUTM) Somalia, Colonel Michael Beary, über einen kaum bekannten Einsatz, in dem die Bundeswehr eine tragende Rolle spielt.

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          Colonel Michael Beary steht seit November 2011 der europäischen Ausbildungsmission in Uganda vor. Die 125 Soldaten unter seinem Kommando stammen aus 15 europäischen Ländern, 19 davon aus Deutschland. Weitere Auslandseinsätze führten Beary zuvor nach Bosnien-Herzegowina, Kuweit, Irak, Afghanistan und in den Libanon.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          In Uganda trainieren Bundeswehrsoldaten mit europäischen Partnern somalische Rekruten. Eignet sich die EUTM-Mission als Vorbild für Mali?

          Ja, dass denke ich schon. In beiden Fällen geht es darum, mit einer europäischen Mission afrikanische Sicherheitskräfte zu schulen. Die Rekruten sollen ihr Land stabilisieren helfen, dessen Regierung in inneren Auseinandersetzungen mit radikalen Dschihadisten steht. Da kann unsere Mission durchaus als Vorbild dienen.

          Die von der EUTM ausgebildeten Somalis haben an der Seite der afrikanischen Friedenstruppe Amisom gekämpft. Die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz wurde aus ihren letzten Bastionen vertrieben. Wie groß ist der Anteil Ihrer Rekruten am Rückzug der Islamisten?

          Sie spielen eine wichtige Rolle. Die Amisom-Truppen sind froh, die Somalis in gemeinsamen Operationen an ihrer Seite zu wissen. Das war nicht immer so. Anfangs hegten die Kenianer und Ugander Zweifel an den militärischen Fähigkeiten der somalischen Soldaten. Dank der sechsmonatigen Ausbildung durch die ugandischen Streitkräfte und die europäischen Soldaten sind die Bedenken inzwischen zerstreut worden.

          Wem gilt ihre Loyalität? Somalische Rekruten verfolgen einen Ausbildungsabschnitt Bilderstrecke
          Wem gilt ihre Loyalität? Somalische Rekruten verfolgen einen Ausbildungsabschnitt :

          An welchen Operationen haben die Somalis bislang teilgenommen?

          Laut Informationen unserer Partner aus Somalia sind unsere Absolventen in der Vergangenheit an den Kämpfen um Kago und Merka, im Südwesten des Landes, beteiligt gewesen. Dort haben sie sich dem Vernehmen nach extrem gut geschlagen. Außerdem wurden sie für die Absicherung politischer Gespräche in Mogadischu eingesetzt.

          Somalia ist seit Jahrhunderten eine Stammesgesellschaft, und die Clans lehnen eine starke Zentralregierung ab. Wem gilt letztlich die Loyalität Ihrer Rekruten?

          Das ist die zentrale Frage. In unserem Ausbildungscamp in Bihanga tun wir viel dafür, den Korpsgeist und patriotisches Gedankengut zu fördern: Wir mischen die Züge und Kompanien clanübergreifend. Wir zeigen den Rekruten Videos funktionierender somalischer Streitkräfte aus den Zeiten vor Beginn des Bürgerkriegs. Und wir bringen ihnen bei, ihre Nationalhymne zu singen. Das begeistert sie.

          Reichen sechs Monate Videos schauen und Nationalhymne singen aus, um eine gemeinsame Identität zu entwickeln?

          Nein, das ist zu kurz und kann auch nur ein Anfang sein. Aber bitte vergessen Sie nicht, dass wir hier auf die Schnelle militärische Kräfte ausbilden, die in Somalia für Sicherheit sorgen sollen. Bevor die Ugander und wir damit angefangen haben, gab es nichts Vergleichbares.

          In Afghanistan schleusen sich immer wieder Aufständische in die Armee ein und greifen Soldaten der Nato-geführten Isaf-Kräfte an. Was tun Sie, um das Risiko ähnlicher Anschläge von Al-Shabaab-Kämpfern auf die europäischen Soldaten zu minimieren?

          Bisher ist das für uns kein Thema. Unsere Rekruten werden von den Amerikanern sicherheitsüberprüft, bevor sie zu nach Uganda fliegen. Außerdem beobachten wir die Somalis in der Anfangsphase ihrer Ausbildung in Bihanga sehr genau. Beides zusammengenommen hat sich bisher als sehr erfolgreich erwiesen. Aber es gilt, extrem wachsam zu bleiben. Wir hoffen, dass sich ähnliche Dinge bei uns nicht ereignen.

          Das EUTM-Mandat läuft Ende dieses Jahres aus. Würde es aus Sinn machen, die Mission fortzusetzen?

          Das ist eine politische Entscheidung, die von den EU-Staaten getroffen werden muss. Bislang wurde rund 3000 somalische Soldaten von der EUTM und der ugandischen Armee ausgebildet - ein Viertel der somalischen Streitkräfte. Unser Missionsbudget beträgt 4,8 Millionen Euro im Jahr. Damit sind wir sehr günstig, erzielen aber den gewünschten Effekt. Ich hoffe, dass die Mission fortgesetzt wird.

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