https://www.faz.net/-gpf-126yl

Im Gespräch: Khaled Meschal : „Keine Aussichten auf Einigung mit Fatah“

  • -Aktualisiert am

Der Hamas-Führer Khaled Meschal bei einem Fernseh-Interview Bild: AFP

Die radikale Palästinenser-Organisation gilt in der EU als terroristische Vereinigung - hinter den Kulissen aber geben sich europäische Delegationen die Klinke in die Hand. Khaled Meschal, der Exil-Führer der Hamas, stellt im F.A.S.-Gespräch klar: ohne uns kein Friede.

          Das Gespräch mit Hamas-Führer Khaled Meschal findet an einem geheimen Ort irgendwo in den Außenbezirken der syrischen Hauptstadt Damaskus statt. Der schwarze Mercedes mit den abgedunkelten Scheiben kurvt durch Hochhaussiedlungen, durch Gassen, über Hinterhöfe. Im Eingangsraum des Hauses, vor dem er schließlich hält, passieren Besucher eine Sicherheitsschleuse wie an einem Flughafen. Gegenüber einer Frau ist die Kontrolle den Wachleuten fast peinlich: „Wir müssen das machen.“

          Meschal trifft eine Viertelstunde später ein. Blauer Anzug, offenes Hemd, gepflegter Vollbart. Seit der Ermordung von Scheich Yassin im Jahr 2004 ist der 53 Jahre alte Meschal der mächtigste Mann der radikalen Palästinenser-Organisation, die in der EU als terroristische Vereinigung gilt. In jüngster Zeit gibt es Hinweise, dass der Westen seine Isolationspolitik gegenüber der Hamas, die im Januar 2006 die Wahlen im Gazastreifen gewann, überdenken könnte.

          Was halten Sie von der neuen amerikanischen Regierung?

          Obama spricht anders, und wir begrüßen das. Aber der wirkliche Prüfstein, nämlich konkrete Veränderungen der amerikanischen Politik, stehen noch aus. Bisher spüren wir den Wandel nicht.

          Khaled Meschal überlebte 1997 einen Mordanschlag

          Was sollten die Amerikaner tun?

          Das Wichtigste wäre, Druck auf Israel auszuüben. Und: Wie will die amerikanische Regierung eine Lösung finden, wenn ihr Sondergesandter George Mitchell in der Region mit allen Parteien spricht - außer der wichtigsten: der Hamas?

          Suchen die Amerikaner nicht auf anderer Ebene Kontakt mit Ihnen?

          Bis heute gibt es keinerlei offizielle amerikanische Kontakte mit uns - auf keiner Ebene.

          Europäische Delegationen geben sich aber in jüngster Zeit die Klinke in die Hand.

          Das sind sehr positive Schritte, aber es ist nicht genug. Sie sollten sich zu offiziellen Kontakten entwickeln. Die Hamas hat die Wahlen gewonnen, sie hat eine große Anhängerschaft in der palästinensischen Bevölkerung. Wer die Hamas ignoriert, dessen Friedensbemühungen sind umsonst.

          ***

          An der Wand hängt ein meterhohes Plakat mit Porträts der getöteten Kämpfer der Bewegung. 45 Mitglieder der Führungsebene wurden von Israel getötet. Auch auf Meschal verübte der Mossad 1997 einen Mordanschlag. Als Touristen verkleidete Agenten verabreichten ihm in der jordanischen Hauptstadt Amman auf offener Straße eine Giftspritze. Er überlebte nur, weil die jordanische Führung amerikanischen Druck mobilisierte und die Israelis dazu brachte, das Gegengift zu liefern. Israels Ministerpräsident hieß zu jener Zeit Benjamin Netanjahu.

          Werden Sie eines Tages mit dem Mann, der Sie umbringen lassen wollte, am Verhandlungstisch sitzen?

          Es geht hier nicht um ein persönliches Problem, sondern um ein nationales. Und es ist nicht der einzige schwarze Fleck in der Karriere Netanjahus, dass er mich umzubringen versuchte. Viel schwerwiegender ist, dass er das palästinensische Volk umbringt - täglich. Netanjahu weigert sich, über einen palästinensischen Staat zu sprechen. Was könnte es da überhaupt zu verhandeln geben?

          Was sind Ihre Bedingungen für einen Frieden?

          Wir reden nicht von Bedingungen, wir reden von einer Vision. Die wäre, dass Israel bereit ist, sich auf die Grenzen von 1967 zurückzuziehen und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser anzuerkennen. Alles andere sind Details.

          Ist nicht die Hamas mit einer Zweistaatenlösung implizit bereit, Israel anzuerkennen?

          Die internationale Gemeinschaft spricht von einer gerechten Lösung basierend auf den Grenzen von 1967, und die Palästinenser haben diesen Vorschlag akzeptiert. Israel lehnt das ab. Das ist das größte Hindernis für eine Lösung.

          In ihrer Charta fordert die Hamas die Zerstöung Israels. Warum sollte Israel Sie als Verhandlungspartner akzeptieren?

          Wir glauben, dass einige Leute die Hamas-Charta als Vorwand benutzen. Es geht ihnen nicht darum, was wir wirklich tun. Es ist irrational, dass sich die internationale Gemeinschaft auf diese paar Sätze in der Charta fixiert, die vor zwanzig Jahren geschrieben wurden, und ignoriert, was Israel jeden Tag tut.

          ****

          Weitere Themen

          Union beendet Europawahlkampf Video-Seite öffnen

          Merkel ist auch da : Union beendet Europawahlkampf

          Beim Abschluss des Europawahlkampfs der konservativen EVP in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit von der Partie. Das jähe Ende der Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich ist auch hier Thema.

          Macron reagiert im Livestream Video-Seite öffnen

          „Angriff“ in Lyon : Macron reagiert im Livestream

          In der Fußgängerzone der französischen Stadt Lyon ist offenbar eine Paketbombe explodiert. In einem Live-Interview auf YouTube und Facebook während einer Wahlveranstaltung der Partei La Republique En March sprach Macron von einem Angriff.

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau die Hand.

          Nach Ibiza-Video : Orbán und Putin wenden sich von Strache ab

          In seinem Ibiza-Video hat Heinz-Christian Strache den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als sein Vorbild bezeichnet. Doch der hat sich nun von Österreichs ehemaligem Vizekanzler distanziert. Auch Putin wendet sich von Strache ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.