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Im Gespräch: Kevin Rudd : "Karzai stellt uns vor große Schwierigkeiten"

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Kevin Rudd: „Afghanistan ist eine andauernde Arbeit” Bild: AFP

Nie solle man vergessen, warum die internationalen Truppen in Afghanistan seien, sagt der australische Premierminister Rudd. Das Land dürfe nicht wieder zur Basis für Terroristen werden. Das sei die Lektion des 11. September 2001.

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          Nie solle man vergessen, warum die internationalen Truppen in Afghanistan seien, sagt der australische Premierminister Rudd. Das Land dürfe nicht wieder zur Basis für Terroristen werden. Das sei die Lektion des 11. September 2001.

          Herr Premierminister, es jährt sich der 11. September 2001. Der Krieg gegen den internationalen Terrorismus wird derzeit vor allem in Afghanistan geführt. Kann man den Einsatz - auch den australischen - einen Erfolg nennen?

          Afghanistan ist eine andauernde Arbeit. Alle Regierungen, die an dem Einsatz beteiligt sind, wissen, was richtig läuft und was falsch. Keine militärische und politische Operation, die in einem so herausfordernden Land wie Afghanistan stattfindet, ist perfekt. Aber ich glaube, dass die Regierung Obama absolut richtigliegt, wenn sie nicht mehr nur eine militärische Strategie verfolgt, sondern auch eine politische und wirtschaftliche. Wir in Australien versuchen das in unserer Vorgehensweise zu reflektieren. Deshalb begrüßt Australien die Tatsache, dass wir weiterhin vor Ort sind, zusammen mit unseren Partnern - auch den Deutschen -, selbst wenn wir uns in einer äußerst schwierigen und blutigen Phase befinden.

          In einigen Truppensteller-Nationen wird über einen Abzug diskutiert, manche haben schon einen Termin genannt. Wie lange werden die australischen Soldaten in Afghanistan bleiben?

          Wir haben immer gesagt, dass wir langfristig in Afghanistan sein werden. Der Grund dafür ist, dass wir nie die Erinnerung an den 11. September werden auslöschen können. Zur Erinnerung: Wir - als Australier - sind in Afghanistan, weil unser Verbündeter, die Vereinigten Staaten, einem Angriff auf sein Territorium ausgesetzt war, der 2000 bis 3000 Zivilisten das Leben gekostet hat. Dahinter steckten Terroristen, die Afghanistan als sicheren Rückzugsort genutzt haben. Die internationale Schutztruppe ist entsandt worden, damit Afghanistan nie mehr das große Ausbildungslager für Al Qaida und andere Terroristengruppen werden kann, das es gewesen ist. Wenn wir das nicht erreichen, haben wir unsere Lektion von 2001 nicht gelernt.

          Zurzeit sind die Entwicklungen wenig ermutigend. Die Sicherheitslage hat sich verschlechtert, und nun unterminiert auch noch eine gefälschte Wahl den demokratischen Wiederaufbau. Glauben Sie, der nächste Präsident ist ausreichend legitimiert, oder sollten die Wahlen besser wiederholt werden?

          Wir warten auf die Empfehlung des UN-Beauftragten in Kabul, welche angemessene Schlussfolgerung aus diesen Wahlen zu ziehen ist. Danach werden wir politisch reagieren. Die Regierung Karzai stellt uns vor viele, viele Schwierigkeiten, über die auch offen geredet wird. Nichts in Afghanistan ist perfekt, aber wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben. Was ist die Alternative? Den Terroristen noch einmal erlauben, Afghanistan als großes Ausbildungslager zu missbrauchen, ist sicherlich die schlechtere Option.

          Wird Australien, sagen wir, im Jahr 2020 noch am Hindukusch sein?

          Wir gehören zu den zehn größten Truppenstellern und haben eine Verantwortung. Wir sind dort langfristig, aber wir haben auch eine klare Mission. Wir schulen die Provinzverwaltung von Urusgan, und wir trainieren die afghanische Nationalarmee, damit sie in die Lage versetzt wird, die Sicherheit in der Provinz zu garantieren. Aufgebaut werden sollen sechs Bataillone. Das ist ein sehr klar definierter Auftrag.

          In vielen Ländern schwindet die Zustimmung zu dem Einsatz, auch in Ihrem.

          Das stimmt. Ich bin mir völlig bewusst, dass dies eine sehr kontroverse Frage ist, und zwar in vielen Ländern. Ich habe die Diskussionen über den Einsatz der Deutschen mit Kanzlerin Merkel sehr geschätzt. Das ist kein einfaches Politikmachen, für niemanden. Aber selbst wenn es noch schwerer wird, darf dies nie die Sache unterminieren, für die wir nach Afghanistan gegangen sind.

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