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Im Gespräch: Kataloniens Ministerpräsident Artur Mas : „Mehr Europa, mehr Katalonien“

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Artur Mas (links) mit Josep Antoni Duran Lleida von der bürgerlichen katalonischen Regierungspartei Convergència i Unió Bild: dpa

Seit einem Jahr regiert Artur Mas Katalonien. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht er über „aufgeblasene Arbeitslosenzahlen“, seine Erwartungen an das erste Treffen mit Ministerpräsident Rajoy am Mittwoch und das Stierkampfverbot.

          Herr Ministerpräsident, wie geht es Katalonien, wie geht es Spanien und wie geht es Katalonien in Spanien?

          Katalonien hinkt, Spanien auch und Katalonien in Spanien ist in Erwartungshaltung. Aber obwohl die wirtschaftliche Lage sehr schwierig ist, glaube ich, dass sowohl Katalonien als auch Spanien das Blatt wenden können. Dies ist nicht Griechenland. Unsere Lage ist auch besser als die Italiens. Wenn man also die Dinge, die nötig sind, entschlossen anpackt, dann, so bin ich überzeugt, finden wir eine Lösung.

          Sie regieren seit einem Jahr mit schmerzhaften Maßnahmen, um Defizit und Schulden unter Kontrolle zu bringen. Was haben Sie gelernt, das die neue Zentralregierung unter Ministerpräsident Rajoy noch lernen muss?

          Mein Motto war vom ersten Tag an: Man muss für die nächsten Generationen und nicht die nächsten Wahlen regieren. Vielleicht wird man paradoxerweise auf diese Art trotzdem Wahlen gewinnen. Unsere Erfahrung im Jahr 2011 war da sehr positiv. Trotz aller harten, scheinbar unpopulären Entscheidungen und wider alle Kritik und Demonstrationen, haben wir (die bürgerliche Regierungspartei Convergència i Unió) zuletzt sowohl noch die Kommunalwahlen gewonnen, als auch bei den nationalen Wahlen am besten abgeschnitten. Es gibt demnach eine schweigende Mehrheit, die versteht, was wir tun.

          In Spanien herrscht mit 23 Prozent Arbeitslosigkeit und in Katalonien mit 20 Prozent noch immer ein bemerkenswerter sozialer Friede. Woran liegt das?

          Die offiziellen Statistiken stimmen hier nicht mit der Wirklichkeit überein. Ein Politiker sollte das nicht sagen, aber die Arbeitslosenzahlen sind aufgeblasen. Aus zwei Gründen: Viele Spanier arbeiten in der Schattenwirtschaft, wahrscheinlich mehr als im übrigen Europa. Und es gibt Kollektive, die mitgezählt werden, obwohl sie gar keine Arbeit mehr suchen, wie zum Beispiel Frührentner. Sie beziehen zwar noch Arbeitslosengeld, halten aber nicht mehr nach einem Job Ausschau. Also kann man ruhig etwa fünf Prozentpunkte abziehen. Trotzdem ist das Problem noch gravierend genug. Aber Spanien hat in den letzten 20 Jahren einen ausreichend soliden Sozialstaat aufgebaut, um die Auswirkungen dieser Krise aufzufangen.

          Woher sollen nun das Wachstum und die neuen Arbeitsplätze kommen?

          Die künftigen Arbeitsplätze werden weder aus der öffentlichen Verwaltung noch von den multinationalen Konzernen kommen. Sie kommen, wenn sie kommen, vor allem in Katalonien, in kleinen und mittleren Betrieben. Was die Sektoren angeht, so werden sie aus der Exportindustrie, einer gewissen Reindustrialisierung durch die Rückkehr von Betrieben, die gegenwärtig im Ausland produzieren, und aus der Serviceindustrie, vor allem dem Tourismus kommen. Wir hatten hier 2011 ein Rekordjahr.

          Ist Katalonien, die reichste der großen Regionen, noch der Dynamo der spanischen Wirtschaft?

          Zu einem guten Teil schon. Die katalanische Wirtschaft bringt noch immer ein Fünftel der spanischen auf die Waage. Katalonien und die Region Madrid, mit jeweils rund sieben Millionen Einwohnern, sind die beiden wichtigsten Lokomotiven. Katalonien ist aber industrialisierter und exportorientierter und deckt damit rund 23 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes ab. Im Falle Madrids sind es nur elf Prozent.

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