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Im Gespräch: Der serbische Präsident Boris Tadic : „Wir haben nichts zu verbergen"

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Der serbische Präsident Boris Tadic: „Wir wussten, dass Serbien ein Glaubwürdigkeitsproblem haben würde, solange Mladic nicht ausfindig gemacht und nach Den Haag überstellt wird” Bild: AFP

Wer hat Radovan Karadzic und Ratko Mladic geschützt? Serbien will es herausfinden, der Welt mitteilen - und dann von der EU so behandelt werden wie Kroatien. Der serbische Präsident Boris Tadic im F.A.Z.-Gespräch über Kriegsverbrecher und die mögliche europäische Zukunft des Landes.

          Zwei Wochen nach der Regierungsübernahme durch Ihre Demokratische Partei im Juli 2008 wurde Radovan Karadzic verhaftet, nun folgte die Festnahme von Ratko Mladic. In weniger als drei Jahren war möglich, was zuvor mehr als ein Jahrzehnt angeblich unmöglich war. Wie kam das?

          Durch die neue Besetzung unseres nationalen Sicherheitsrates, der sich mit internationalen Sicherheitsbehörden und ausländischen Geheimdiensten abgestimmt hat. Zum Sicherheitsrat gehört ein Fahndungsteam zur Suche nach mutmaßlichen Kriegsverbrechern, in dem auch Vertreter des Haager Tribunals saßen. Für unsere Arbeit gab es also stets Kontrollmechanismen - jede Woche, jeden Tag, 24 Stunden, immer. Nachdem im Juli 2008 die notwendigen Informationen eingegangen waren, wurde Radovan Karadzic sofort ausfindig gemacht und verhaftet. Wir hofften, danach auch Mladic schnell finden zu können, um nicht weitere Zeit zu verlieren - denn für jeden Tag, der ohne die Verhaftung Mladics verstrich, musste Serbien einen hohen politischen Preis zahlen. Wir wussten, dass Serbien ein Glaubwürdigkeitsproblem haben würde, solange Mladic nicht ausfindig gemacht und nach Den Haag überstellt wird. Seit wir das nun getan haben, kann ich sagen: Es ist endlich vorbei! Eine große Leistung ist vollbracht - obwohl wir natürlich den Fall Goran Hadzic, also des letzten flüchtigen Angeklagten, auch zum Abschluss bringen wollen.

          Sind Sie da optimistisch?

          Ja. Wenn wir Karadzic und Mladic finden konnten, werden wir auch Hadzic finden. Wir haben Verbündete aus anderen Nachrichtendiensten mit unseren Fahndungsmethoden vertraut gemacht, und alle versicherten uns, dass wir tun, was getan werden kann und deshalb am Ende Erfolg haben werden.

          „Selbstverständlich werden wir untersuchen, ob jemand aus dem Staat Mladic unterstützt hat”

          Warum hat Serge Brammertz, der Chefankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals, dann noch sechs Tage vor Mladics Festnahme von Serbiens „vollständiger Erfolglosigkeit“ bei der Suche nach Kriegsverbrechern gesprochen?

          Wir arbeiten sehr gut mit dem Repräsentanten des Haager Tribunals im Fahndungsteam zusammen, aber Brammertz war der Ansicht, dass unsere Aktionen nicht rigoros genug seien, dass wir nicht genügend Sicherheitskräfte im Einsatz haben. Bei der Methode, die unser Fahndungsteam und unsere Dienste angewandt haben, ging es um die Suche nach einzelnen Signalen und Spuren. Und diese Suche war am Ende erfolgreich.

          Stimmt es, dass der Belgrader Repräsentant des Haager Tribunals erst ab Mitte 2008, also nach dem Machtverlust des früheren Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica, an den Arbeitstreffen des Fahnungsteams teilnehmen durfte?

          Ja. Das Fahnungsteam entstand in seiner heutigen Form erst mit der Bildung der neuen Regierung im Jahr 2008. Zu Zeiten der Kostunica-Regierung gab es das nicht. Auch unter den Sicherheitsdiensten und Behörden gab es keine echte Abstimmung. Erst seit 2008 liefen alle Informationen im Fahnungsteam beziehungsweise im Nationalen Sicherheitsrat zusammen.

          Was änderte sich?

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