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Im Gespräch: Anders Fogh Rasmussen : „Ich sehe in Mali keine Rolle für die Nato“

Wenn in Syrien ein Chemiewaffenangriff möglich erscheint, handelt die Nato dann nicht unverantwortlich, indem sie die Patriot-Batterien so weit von der Grenze stationiert, dass eine solche Rakete nicht abzufangen wäre?

Der einzige Zweck der Stationierung der sechs Patriot-Batterien aus Deutschland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten ist es, die Türkei vor Angriffen zu schützen. Innerhalb weniger Tage werden sie einsatzbereit sein.

Außenminister im Gespräch: Guido Westerwelle (l.) und Laurent Fabius

Konterkarieren die restriktiven Mandate des Deutschen Bundestags und der Haager Regierung, die einen Einsatz der Abwehrraketen etwa zur Durchsetzung eines Flugverbots ausschließen, nicht die Drohgebärde in Richtung Damaskus?

Es geht nur darum, die türkische Luftverteidigung zu verstärken. Wir haben keinerlei Absicht, eine Flugverbotszone einzurichten, denn wir glauben nicht, dass es eine militärische Lösung geben kann.

Das Zögern, neue Einsätze zu beginnen, ergibt sich auch aus den afghanischen Schwierigkeiten. Fürchten Sie, dass der Nato-Einsatz vergebens gewesen sein wird, sollten sich Kabul und Washington nicht auf eine ausländische Truppenpräsenz nach 2014 einigen können?

Ich wäre überrascht, wenn sich beide Seiten nicht über den rechtlichen Rahmen dafür einigen könnten. Ohne ein Truppenstatut wird kein Partner nach 2014 mehr in Afghanistan bleiben können, um dem Land zu helfen. Alle Beteiligten wissen das.

Das Weiße Haus hat verkündet, auch ein Abzug aller Truppen werde geprüft. Stehen auch die Haushaltssorgen in Amerika und Europa einer angemessenen neuen Afghanistan-Mission im Weg?

Mich ermutigt, dass sich die Alliierten und unsere Partner in der Schutztruppe Isaf trotz der Sparzwänge weiter in dem Land engagieren. Dafür steht der Truppenaufwuchs um 40.000 Soldaten mitten im Krisenjahr 2009. Jetzt können wir stufenweise unsere Truppen zurückziehen. Doch sogar außerhalb der Nato haben schon acht Partnerstaaten die Absicht bekundet, sich an unserer Ausbildungsmission nach 2014 zu beteiligen.

Von westlichen Politikern hört man plötzlich viel Lob für die afghanische Armee. Leitet sie Wunschdenken?

Keiner von uns tut so, als wäre alles perfekt. Aber wir stellen einen deutlichen Fortschritt fest. Die Afghanen haben schon bei mehr als 80 Prozent aller Operationen die Führungsrolle inne. Auch die Ausbildung übernehmen sie zu 90 Prozent selbst. Es gibt einen klaren Rückgang feindlicher Angriffe in den Provinzen, in denen wir den afghanischen Streitkräften die Sicherheitsverantwortung übertragen haben. Sie sind dazu fähig.

Oder lassen uns die Taliban nur in diesem Glauben, damit die Nato beruhigt abzieht und sie 2015 mit frischer Kraft in die Schlacht ziehen können?

Nach dem, was wir hören, sind die Taliban sehr besorgt über die Entwicklung. Denn wenn die afghanischen Sicherheitskräfte Ende 2014 die volle Verantwortung für die Sicherheit übernehmen, dann können die Taliban nicht mehr behaupten, dass sie ausländische Besatzer vertreiben. Sie müssen gegen Landsleute kämpfen. Die Taliban haben dem afghanischen Volk nichts anzubieten. Meinungsumfragen zeigen seit kurzem: die Afghanen trauen ihren eigenen Sicherheitskräften jetzt zu, für Sicherheit zu sorgen.

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