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Im Gespräch: Ahmadineschads Büroleiter : „Die Amerikaner wollen Zwietracht säen“

  • Aktualisiert am

„Rechte Hand” von Ahmadineschad: Esfandiar Rahim-Mashai Bild: dpa

Esfandiar Rahim-Mashai ist eine zentrale Figur im iranischen Machtgefüge. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über die „nicht authentischen“ Wikileaks-Veröffentlichungen, den Atomstreit und die in Iran inhaftierten deutschen Journalisten.

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          In den Veröffentlichungen von Wikileaks fordern arabische Staatsmänner die Amerikaner auf, militärisch gegen Iran vorzugehen. Der saudische König verlangte von Washington, der „iranischen Schlange den Kopf abzuschlagen“. Wie reagiert Iran?

          Diese Dokumente können nicht authentisch sein. Auch viele arabische Staaten haben die Informationen dementiert. Wir sehen das als Teil der gegen uns gerichteten amerikanischen Politik. Die Amerikaner versuchen seit langem zu zeigen, dass andere Länder in der Region gegen Iran sind und sich vor Iran fürchten. Sie wollen Zwietracht säen.

          Sie meinen also, dass die Dokumente von den Amerikanern absichtlich veröffentlicht wurden, um Iran zu schaden?

          Das denken die meisten Iraner.

          Und die iranische Regierung?

          Wir denken das auch. Einige der Dokumente können einfach nicht wahr sein. Zum Beispiel gibt es da sehr scharfe Bemerkungen eines Staatsoberhaupts. Ein amerikanischer Botschafter schickt so einen Bericht nach Washington, aber niemand kann beweisen, dass das wahr ist. Wir nehmen das nicht ernst.

          Also keine negativen Auswirkungen auf die Beziehungen zu Irans Nachbarn?

          Ganz bestimmt nicht. Inzwischen durchschauen auch die anderen Staaten der Region die Absichten der Amerikaner etwas besser.

          Noch einmal: Die iranische Regierung ist der Ansicht, dass die Amerikaner sich 250.000 Dokumente ausgedacht haben, um Iran zu schaden?

          Es handeln ja nicht alle 250.000 Dokumente von Iran. Es muss auch nicht alles falsch sein. Sie bringen diese Lügen, mit denen sie eine bestimmte Linie verfolgen, zwischen richtigen Dokumenten unter. Ein oder zwei Dokumente können unbeabsichtigt veröffentlicht werden, aber nicht 250 000. Sonst hieße das, dass die amerikanische Regierung sehr, sehr schwach ist.

          Und die Meldung über eine Lieferung nordkoreanischer Mittelstreckenraketen an Iran, ist das auch eine Lüge?

          Das ist Teil dieser Propaganda, dass man unbedingt zeigen will, dass Iran ein militärisches Nuklearprogramm verfolgt.

          Die Lieferung hat es also nicht gegeben?

          Mit Sicherheit nicht. Wir haben in Iran einen Witz über Leute, die immer Lügen erzählen. Fragt man einen Schakal: „Wer ist dein Zeuge?“ So antwortet er: „Mein Schwanz.“ Wenn man die Amerikaner fragt, wer ihr Zeuge für diese Informationen ist, dann sagen sie: unsere eigenen Leute.

          Und was ist mit der Meldung, dass der religiöse Führer Ali Chamenei an Leukämie erkrankt sei und nur noch wenige Monate zu leben habe?

          Genauso. Er erfreut sich bester Gesundheit, hat Termine, empfängt Besucher, geht auf Reisen.

          Am Montag beginnt in Genf eine neue Runde von Nukleargesprächen. Was erwartet Iran?

          Wir erwarten Realismus. Es darf nicht wieder so laufen wir früher. Die Voraussetzungen haben sich geändert. Als wir mit den Verhandlungen anfingen, hatten wir drei Zentrifugen. Jetzt geht es gar nicht mehr um die Zahl der Zentrifugen. Technisch sind wir jetzt in der Lage, Uran bis auf 20 Prozent anzureichern. Wir wollen, dass unser Recht auf friedliche Nutzung der Atomenergie anerkannt wird und wir die Möglichkeit haben, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten.

          Wenn der Westen Iran als zivile Nuklearmacht anerkennt, wozu wäre Iran im Gegenzug bereit? Würde Iran das Zusatzprotokoll unterzeichnen, das weitreichende Kontrollen erlaubt, würde es auf die Anreicherung bis auf 20 Prozent verzichten?

          Darüber muss man verhandeln. Uns fehlt bisher das Vertrauen. Zwanzigprozentiges Uran stellt überhaupt keine Gefahr da, das ist nicht waffentauglich.

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